Star Trek: Discovery | Battle at the Binary Stars (1×02)

„Why are we fighting? We’re Star Fleet. We’re explorers, not soldiers.“

Zwar kann Captain Georgiou verhindern, dass Burnham das Feuer zuerst eröffnet, kurz darauf aber greifen die Klingonen an. Spoiler!

Captain Georgiou kann gerade noch verhindern, dass Burnham auf die Klingonen feuert, und sperrt sie in eine Zelle. Als kurz darauf die Verstärkung der Sternenflotte eintrifft, eröffnen die Klingonen das Feuer und schlagen die Föderation vernichtend. T’Kuvma beendet daraufhin den Kampf, der lediglich dazu diente, die 24 Häuser der Klingonischen Imperiums wieder zu vereinen und Stärke zu demonstrieren. So schnell aber gibt Captain Georgiou nicht auf.

Eines der vielen Dinge, die ich an „Star Trek“ immer geliebt habe, ist seine Vielschichtigkeit. Mag der Gelegenheitszuschauer auch denken, dass wir hier eine generische Kriegsfolge haben, in der es vor allem um die Action geht, entblättern sich beim mehrfachen Ansehen die vielen Facetten dieses Universums. Das ist ein „Star Trek“, das die unangenehmen Fragen stellt, das keine Schwarzweißmalerei betreibt und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse nicht auf die leichte Schulter nimmt.

Ich schrieb bereits, dass ich kein allzu großer Fan der Klingonen bin. Statt sie aber als eindimensionale Bösewichter zu zeichnen, macht „Discovery“ etwas sehr Mutiges und erlaubt ihnen eine gewisse moralische Überlegenheit. Die Thematik der Reinheit gegenüber der Vermischung innerhalb der Föderation ist zweifellos von der aktuellen weltpolitischen Lage inspiriert und auch nicht grundlegend verkehrt. Friedliches Zusammenleben einmal beiseite, ich hatte in „Star Trek“ nie den Eindruck, dass die Menschen noch irgendeine typisch menschliche Kultur haben. Das hat man stets nur den anderen Völkern zugestanden, den Vulkaniern, den Bajoranern – oder eben den Klingonen. Doch die Schlüsselszene in „Battle at the Binary Stars“ ist jene nach der Schlacht, als T’Kuvma die Toten einsammeln lässt. Die Menschen verschwenden daran nicht einen einzigen Gedanken und, schlimmer noch, nutzen dieses offensichtlich religiös bedingte Verhalten aus, um an einer Leiche einen Photonentorpedo ins gegnerische Schiff zu schmuggeln. Als Zuschauer kann man sich entscheiden, das nicht zu hinterfragen, aber es zeichnet ein differenziertes Bild dieser stets moralisierenden Föderation.

Doch nicht nur im Umgang mit den Feinden schlägt „Discovery“ eine neue Tonart an. Wir sind daran gewöhnt, dass „Star Trek“-Serien von einer Crew handeln. Es sind Ensemble-Serien, in denen der Captain für die Geschichten ebenso wichtig ist wie der Arzt oder der Ingenieur. Hier haben wir nun plötzlich eine echte Heldenerzählung, die viel Zeit darauf verwendet, uns eine einzelne Figur nahezubringen, bis hin zu Rückblenden. Das funktioniert, weil ein Mensch, der als Vulkanier erzogen wurde, schon für sich ein spannender Widerspruch ist, aber auch, weil Sonequa Martin-Green als Michael Burnham die Ambivalenz dieses Charakters perfekt verkörpert. Es ist nur zu schade, dass Captain Georgiou am Ende dieser Folge stirbt, denn ihre Mutter/Tochter-Beziehung mit Michael ist ganz wunderbar einfühlsam erzählt. Meine Hoffnung ist, dass wir auch weiterhin Rückblenden kriegen und Michelle Yeoh dann noch den einen oder anderen Gastauftritt absolviert.

„Discovery“ beginnt, wo andere Serien enden, auch das ist ein interessanter Schachzug. Denn die ersten beiden Folgen dienen tatsächlich als eine Art Prolog, der damit endet, dass Michael der Meuterei angeklagt wird, ihren Rang verliert und eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verbüßen hat. Nicht gerade das, was man zum Auftakt einer Heldengeschichte erwartet. Spätestens nach dieser Folge aber bin ich davon überzeugt, dass dieses „Star Trek“ spektakulär werden kann.

Battle at the Binary Notes. Sareks geflüstertes „behave“ zu Michael, als er sie auf der Shenzhou abliefert, ist einfach zu süß! Das mit dem Katra, das Kommunikation über weiteste Strecken erlaubt, war aber schon eine ziemlich glückliche Fügung, oder? So bewundernswert ich es finde, dass sie die Klingonen konsequent untertiteln, ein bisschen anstrengend ist das ja schon.

4 ½ von 5 untertitelte Bananen.

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