Lost in Space | Impact (1×01)

„We’re lost. Not kidding.“


Auf dem Weg zu einer neuen Heimat stürzt das Raumschiff der Familie Robinson auf einem fremden Planeten ab. Spoiler!

The Robinsons stick together

Nach einem Meteoriteneinschlag auf der Erde und der darauffolgenden Umweltkatastrophe macht sich die Menschheit auf den Weg ins All, um eine neue Heimat zu finden. Die Robinsons, die Teil der 24. Kolonistengruppe sind, stürzen mit ihrem Raumschiff jedoch auf einem erdähnlichen Planeten ab. Mutter Maureen verletzt sich beim Absturz, die älteste Tochter Judy friert in einem See ein und Will begegnet einem unheimlichen Roboter, der offenbar ebenfalls abgestürzt ist.

Der vierte Anlauf

„Lost in Space“ oder „Verschollen zwischen fremden Welten“, wie es damals in Deutschland hieß, begann in den 1960ern als Familienserie, basiert ursprünglich aber auf einer Comic-Reihe. Bereits 1998 wurde die Idee als Kinofilm wiederbelebt, der zwar ein gewaltiger Flop wurde und sogar für die Goldene Himbeere nominiert war, jedoch bis heute seine Fans hat. Für mich war es der erste Kontakt mit der Geschichte, und trotz vieler Schwächen war das Potenzial durchaus erkennbar. Der Versuch, das Ganze wieder als Serie aufzuziehen, scheiterte 2004 noch, das hielt Netflix jedoch nicht davon ab, sich des Materials erneut anzunehmen.

Serienstart mit wenig einfallsreicher Struktur

Lasst mich mit den wenigen Dingen anfangen, die mir am Pilotfilm nicht gefallen haben, denn eigentlich kann ich niemandem was vormachen: Ich fand ihn toll. Schade ist lediglich, dass alle Mainstream-Serien heute mehr oder weniger nach demselben Rezept aufgebaut sind, weshalb auch „Lost in Space“ mit dem titelgebenden „Impact“ beginnt und die Vorgeschichte nur häppchenweise in Flashbacks liefert. Da das für die Spannung nichts leistet, kann man das als rein ästhetische Entscheidung werten, die allerdings eher verwirrt als hilft, vor allem beim zerrütteten Verhältnis der Familie Robinson, das sich mir als Zuschauer erst recht spät in der Folge erschließt.

Zeitgemäßes Update mit Happyend-Garantie

Dass die Robinsons nicht mehr die heile Familie sind, als die sie noch in den 60ern unterwegs waren, ist der Zeit geschuldet und tut der Geschichte übrigens keinen Abbruch. Maureen und John stehen kurz vor der Scheidung, als sie im Kolonistenprogramm aufgenommen werden, die Kinder sehen ihren Vater nur gelegentlich und haben keine echte Beziehung zu ihm. Dass die Familie angesichts der Gefahren wieder zusammenwachsen wird, ist natürlich absehbar. Wesentlich unglaubwürdiger ist, dass die drei Kinder bereits in der ersten Folge mehr oder weniger als Genies dargestellt werden, die auf jedes Problem eine Antwort parat haben.

Vielversprechende Änderungen am Originalplot

Womit es „Lost in Space“ in der heutigen Serienlandschaft zweifellos schwer haben wird, ist der stereotype Aufbau. Stets gerät einer der Robinsons (oder auch mehrere) in Gefahr, die dann gemeinsam bewältigt wird. Das widerspricht natürlich erst einmal unseren Sehgewohnheiten, da wir mittlerweile sehr viel komplexere Erzählstrukturen gewöhnt sind, Hoffnung macht allerdings der Plot um Dr. Smith, bei dem es sich um eine Frau handelt, die beim Angriff auf die Raumstation dem echten Smith die Jacke klaut. Auch der berühmte Roboter hat für diese Adaption nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch einen ambivalenten Hintergrund bekommen. In einem Flashback sehen wir, dass er für die Zerstörung der Raumstation verantwortlich ist, wegen der die Robinsons so überstürzt aufbrechen mussten – dennoch hilft er Will und seiner Familie am Ende.

Die Antwort auf zunehmend dystopische Serien?

In puncto Design und Spezialeffekte ist „Lost in Space“ über jeden Zweifel erhaben, bei Netflix weiß man, was man dem Publikum schuldet. Dazu ist die Pilotfolge über die ganze Stunde hinweg spannend inszeniert und schafft es, einen direkt in die Handlung und in das Universum hineinzuziehen. Es mag nicht der beste Einstieg aller Zeiten sein, aber er macht definitiv Lust auf mehr – und damit hat „Impact“ sein Ziel erreicht. Vor allem aber stellt „Lost in Space“ einen willkommenen Gegenentwurf zu den langsam überhand nehmenden dystopischen Science-Fiction-Serien dar. Denn schlussendlich geht es hier um einen Neuanfang, um Hoffnung, um Forscherdrang.

Danger, Will Robinson!

• Es war ein interessanter Zug, dass Maureen einen Hacker bezahlt, der Wills Testergebnisse fälscht, damit er mitfliegen kann, aber ist das für die Geschichte wirklich noch relevant?
• Okay, in Sachen Logik haben sie sich nicht mit Ruhm bekleckert: Wenn es wirklich so kalt ist, dass der See um Judy herum zufriert, müssten die restlichen Robinsons dann nicht eigentlich erfrieren?
• Und auch wenn das jetzt so was von politisch unkorrekt ist: Judy ist eindeutig nicht die leibliche Tochter von Maureen und John. Wenn das nicht noch erklärt wird, bin ich ehrlich sauer.

4 von 5 abgestürzten Bananen.

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