The Handmaid’s Tale | Postpartum (2×12)

„I think, in this place, you grab love wherever you can find it.“


Es ist wieder Frieden bei den Waterfords eingekehrt und Serena kümmert sich rührend um das Baby. Dann aber macht sich Eden aus dem Staub. Spoiler!

The future is full of possibilities for both of us

Serena geht ganz im Babyglück auf, während June wieder im Red Center ist und da die Milch für ihrer Tochter abpumpt. Da das nicht die produktivste aller Lösungen ist, sorgt Tante Lydia dafür, dass Fred June wieder in seinem Haushalt aufnimmt – sehr zum Ärger von Serena. Unterdessen verschwindet Eden und wird kurz darauf mit Isaac aufgegriffen, mit dem sie fortlaufen wollte. Beide werden daraufhin zum Tode verurteilt, und Nick versucht verzweifelt, Eden dazu zu überreden, sich reuig zu zeigen, um ihr Leben zu retten.

Die Vertreibung aus dem Paradies

Auch wenn der Titel der Folge andeutet, dass es in erster Linie um June und ihr Baby geht, liegt der Fokus von „Postpartum“ doch eindeutig auf Eden. Sie war von Anfang an ein schwer zu durchschauender Charakter, und alles deutete darauf hin, dass sie als nach den Regeln Gileads erzogenes Mädchen eine Gefahr für Nick und June darstellt. Doch es kam anders, denn alle Erziehung kann nichts an den Gefühlen eines Menschen ändern, und nachdem sie von ihrem Ehemann nichts als Ablehnung erfahren hat, war Edens Sehnsucht nach echter Liebe umso größer. War es kindisch? Vermutlich. Sie war viel zu jung und unerfahren, um beurteilen zu können, ob es nur Verliebtheit oder echte Liebe war, aber genau das ist die Crux von Gilead: Die Menschen haben nicht mehr die Freiheit, das herauszufinden.

Dass ihr Fehltritt mit dem Tod bestraft wird, erscheint aber selbst für Gileads Verhältnisse ungewöhnlich grausam. Immerhin war sie ein ansonsten tadelloses Mitglied dieser Gesellschaft, ja eigentlich sogar ein Produkt davon. Vor allem aber wirkt es seltsam verschwenderisch, denn nach allem, was wir wissen, war sie fruchtbar – wieso sie also nicht zur Magd degradieren? Wiegt der Verlust einer potenziellen Mutter wirklich den abschreckenden Effekt auf, den das Spektakel in der Schwimmhalle hatte? (Zumal die vielen Stahlkugeln am Boden des Pools darauf hindeuten, dass sie nicht die ersten waren, an denen ein Exempel statuiert wurde.)

Prediger: „Children of God, renounce your sins and plead for his mercy.“
Eden: „Love is patient, love is kind. It does not envy, it does not boast. It does not dishonor others, it is not self-seeking …“

Schuldlos schuldig

So wenig Eden auch glaubte, einen Einfluss auf das Leben der Personen um sich herum zu haben, umso größer ist der Eindruck, der am Ende ihr Tod hinterlässt. Vor allem June dürfte sich Vorwürfe machen, weil sie sie – nicht ahnend, dass sie nicht von Nick, sondern von Isaac spricht – ermuntert hat, die Liebe über alles zu stellen. Aber es ist tatsächlich Nick, der am meisten zu leiden scheint, weil er Eden von sich gestoßen hat. Natürlich ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob sie wesentlich glücklicher gewesen wäre und keine solche Dummheit begangen hätte, wenn er ihr etwas vorgespielt hätte, was er nicht fühlt. Sie hätte sich wahrscheinlich trotzdem verliebt. Aber es treibt einen Keil zwischen Nick und June, die beide erkennen müssen, dass ihre Entscheidungen Einfluss auf andere haben.

Die wahre Mutter

Dennoch dreht sich in Junes Gefühlswelt natürlich im Augenblick alles um ihre Holly, die Serena Nicole genannt hat. (Könnte das ein Seitenhieb in Freds Richtung sein? Immerhin erinnert der Name Nicole doch schon sehr an Nick, den wahren Kindsvater.) Ich frage mich vor allem, ob June innerlich bereits damit abgeschlossen hatte, denn sie reagiert mehr als abweisend, als Fred plötzlich mit Nicole im Red Center auftaucht. Gleichzeitig ist sie sehr erpicht darauf, in den Waterford-Haushalt zurückzukehren, wo sie nun einen fast noch niedrigeren Rang bekleidet als zuvor und regelrecht wie ein Geist durchs Haus schleicht.

Aber ihre Geduld zahlt sich am Ende aus, denn Serena muss einsehen, dass sie dem Baby nicht alles geben kann, was es braucht. In Folgen wie diesen, die Serena als liebevolle Mutter zeigen, die sich mit Hingabe um Nicole kümmert, aber auch über ihren Unzulänglichkeiten verzweifelt, machen es schwer, in ihr die Feindin zu sehen. Doch selbst wenn sie June am Ende erneut den kleinen Finger reicht und ihr erlaubt, Nicole zu stillen, sollten wir nicht vergessen, dass sie dieses Baby unserer Definition nach immer noch gestohlen hat.

Lydia: „Do you have nothing to say for yourself?“
Emily: „I’m wondering why such an important, brilliant man would take in such a shitty handmaid.“

Wieder ein Tapetenwechsel

Emily kommt derweil wieder in einen neuen Haushalt, und Tante Lydia macht ihr klar, dass das ihre letzte Chance sein könnte, denn im gleichen Maße, wie die Kommandanten nun June umgarnen, hat Emily keinerlei Befürworter mehr. Joseph Lawrence ist, so erfahren wir, der „Architekt von Gileads Ökonomie“, also letztendlich der Kolonien, wo sich in Ungnade gefallene Frauen wie Emily zu Tode schuften. Und doch … Lawrence scheint nicht der typische Kommandant zu sein. Nicht nur ist sein Haus von oben bis unten vollgepackt mit Büchern und abstrakter Kunst, nicht nur hat er eine Martha, die ihm Widerworte gibt, er spricht auch erstaunlich offen mit Emily über ihre Erlebnisse. Dann wiederum ist da seine Frau, die mit der Veränderung überhaupt nicht klar kommt und ihren Mann als Monster beschimpft, weshalb er sie in einer sicher nicht nur zufälligen Hommage an Charlotte Brontës „Jane Eyre“ in ihrem Zimmer einsperrt. Kurz gesagt sind wir genauso ratlos wie Emily, was von Lawrence zu halten ist, und ich vermute, wir werden es in dieser Staffel auch nicht mehr erfahren.

Kleine Beobachtungen

• So richtig verstanden hab ich das ja nicht, was mit Nick letzte Folge passiert ist. Er wurde von übereifrigen Wächtern mitgenommen?
• Aber Tante Lydias „she looks just like her father“ war Gold wert. Sie ahnt zumindest, dass Fred nicht nicht der Vater ist, oder?

4 ½ von 5 Bananen im Swimmingpool.

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