The Handmaid’s Tale | Night (3×01)

„I’m sorry, baby girl. Mom’s got work.“

June kommt wieder zu den Waterfords, doch Serena hat die Nase voll davon, den schönen Schein zu wahren. Spoiler!

Burn, motherfucker, burn

Nachdem sie Nichole Emily anvertraut hat, geht June zu den Mackenzies, schafft es aber nicht, Hannah zu holen, bevor sie selbst festgenommen wird. Sie kommt zunächst wieder zu den Waterfords, da Fred um seinen Ruf fürchtet. Serena aber hat genug davon, gute Miene zu machen, und brennt das Haus nieder. Für June bedeutet das zunächst die Rückkehr ins Red Center, doch ein neuer Kommandant wartet bereits auf sie.

Planlos und zum Scheitern verurteilt

„Night“ fehlt ein bisschen die Kraft bisheriger Season-Opener, und das liegt vor allem daran, dass June ziemlich offensichtlich keinen Plan hat. Als sie im Finale der zweiten Staffel Emily ihr Baby gab, um stattdessen in Gilead zu bleiben und auch ihre andere Tochter zu befreien, war das eine große Geste. Doch es stellt sich heraus, dass sie nie über die bloße Idee hinaus gedacht hat. So ist ihr Ausflug zu den Mackenzies am Ende von schmerzhafter Kürze.

Nick: „You’re so fucking selfish! There won’t be another chance, do you know that? You’re never getting out. You’re gonna fucking die here.“
June: „I know that. Don’t you think I fucking know that?“

Zerfall von innen heraus

Fast könnte man sogar meinen, dass wir den Bogen schlagen und June einmal mehr am Anfang steht. Dazu aber ist sie längst zu weit gegangen. Es ist von vornherein klar, dass sie nicht mehr Teil des Waterford-Haushalts sein kann. Fred mag noch glauben, dass er auf diese Weise Schadensbegrenzung betreiben kann, doch June ist längst nicht mehr die Einzige, die sich ihm entgegenstellt. Auch Serena hat genug – von Fred, ihrer Ehe, wahrscheinlich auch von Gilead.

Das Feuer ist nur ein Vorgeschmack darauf, was diese Gesellschaft erwartet. Die Zeit, auf Hilfe von außen zu warten, ist vorbei, das Feuer wird sich von innen heraus ausbreiten. Freds Worte könnten sich als wahrer herausstellen, als er im Augenblick denkt: „Things will be normal again, Serena. Back to the way they were. I promise.“

Ein neues Zuhause für June

Ist es Fluch oder Segen, dass June am Ende bei Kommandant Lawrence landet? Er hat Emily geholfen, doch nur, wie er selbst sagt, weil er sie mochte. Vielleicht auch, weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Schließlich ist er für die Kolonien verantwortlich, wo Emily beinahe gestorben wäre. Aber das ist der Punkt: Lawrence ist einer von denen, die Gilead erschaffen haben. Eine gute Tat ist noch lange kein Beweis dafür, dass er auf der Seite des Widerstands steht. Wir wissen gar nichts über seine Beweggründe, June aufzunehmen. Sie hatte ihre Chance, er wird sicher kein zweites Mal das Risiko eingehen, ihr zu helfen. Andererseits, er kann auch kaum ernsthaft glauben, dass sie jetzt einfach stillhält.

June: „Do you know Commander Mackenzie? He has a daughter. Her name is Agnes. I need you to take me there, and then we can head north.“
Lawrence: „A daughter?“
June: „I can’t leave without her.“
Lawrence: „You can.“
June: „I won’t.“

Emily ist frei

Doch auch wenn in Gilead weiterhin alles offen ist, ein kleines Happyend beschert uns „Night“ dann doch: Emily und Nichole erreichen Kanada. (Nicht ohne uns Zuschauer zuvor einen furchtbar langen Moment damit zu quälen, dass sie ertrunken sind.) Dass die Leute im Krankenhaus ihr applaudieren, ist geradezu surreal. In ihren Augen ist Emily eine Heldin, dabei wollte sie einfach nur überleben.

Aber natürlich ist das hier noch immer Junes Geschichte. Deshalb ist es nur logisch, dass wir uns anschließend zunächst Luke widmen, dem Emily erzählt, dass June sie gerettet hat. Ich gebe offen zu, dass ich viel lieber ihr Wiedersehen mit ihrer Ehefrau und ihrem Sohn gesehen hätte. Das wird uns dann aber hoffentlich noch nachgeliefert.

Kleine Beobachtungen

• Seltsam, dass die Folge „Night“ heißt – exakt wie das Finale der ersten Staffel.
• Nick ist zurecht sauer, dass June zurückgekehrt ist, dennoch fand ich ihren Umgang miteinander seltsam. Keiner scheint sich für den jeweils anderen noch sonderlich zu interessieren, nachdem zuvor immer von großer Liebe die Rede war.
• Im Center erfährt June von einer anderen Magd, dass Emily sicher in Kanada angekommen ist.

3 ½ von 5 von der Strömung mitgerissenen Bananen.

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