The Handmaid’s Tale | Mary and Martha (3×02)

„Strange to finally be invisible. One of the reasons they chose red was the opposite. We’re easy to catch because we’re easy to see. Like blood on snow.“

June hilft einigen Marthas dabei, eine der ihren zu schmuggeln. Doch das Unternehmen läuft nicht wie geplant. Spoiler!

The Marthas don’t trust us – who does?

Während sich June langsam bei Lawrence eingewöhnt, platzt sie mitten in eine Konspiration der Marthas. Obwohl diese ihr nicht wirklich trauen, möchte June helfen und wird selbst als Martha verkleidet, um eine ehemalige Chemielehrerin zu einer Widerstandszelle zu schmuggeln. Unterdessen in Kanada hadert Luke damit, dass er nun zwar Junes Baby hat, nicht aber seine Frau. Auch Emily befindet sich im emotionalen Ausnahmezustand und bringt nicht den Mut auf, sich bei ihrer Frau zu melden.

Jenseits der Angst

Ich erinnere mich noch an meine Begeisterung darüber, dass es damals Marthas waren, die June und ihrem Baby zur Flucht verhalfen. Das war ein wichtiger Schritt, denn so lange jede Gruppierung für sich bleibt, wird der Widerstand nie groß genug sein, um wirklich etwas ausrichten zu können. „Mary and Martha“ zeigt, dass das ein Einzelfall war. Marthas trauen den Mägden nicht, was sicherlich ganz im Sinne ihrer Unterdrücker ist.

Aber es ist auch offensichtlich, dass die Lage langsam kippt. Waren rebellische Frauen wie June zu Beginn der Serie noch die Ausnahme, sind es nun solche wie ihre neue Einkaufspartnerin Ofmatthew, die an das System Gilead glaubt oder schlicht zu große Angst hat. June ist jenseits jeder Angst. Selbst auf die Gefahr hin, Lawrence gegen sich aufzubringen, bietet sie ihm die Stirn, um ihren Willen durchzusetzen.

„They also serve who stand and wait, Aunt Lydia said. She also said, not all of you will make it through. Some of you will fall on dry ground or thorns. Some of you are shallowrooted. Think of yourselves as seeds. What kind of seed will you be, girls? I pretend I’m a tree. And I wait.“

Widerstand der Frauen

Überhaupt ist Lawrence eine interessante Figur – widersprüchlich und undurchschaubar. Glaubt er an Gilead? Zweifelhaft. Unterstützt er den Widerstand? Ganz sicher nicht. Fast scheint es so, als wolle er sich am liebsten einfach aus allem raus halten. Er spielt das Spiel mit und tut nach außen hin, was von einem Mann seines Standes erwartet wird. Aber im Privaten setzt er es nicht um und verzieht sich lieber in sein Arbeitszimmer, während die Marthas und Mägde tun und lassen können, was sie wollen.

Der Widerstand ist eine Angelegenheit der Frauen, und das ist erzählerisch eine aufregende Entscheidung. Nicht, dass ich großer Fan des neuen Trends bin, Männer in eine der beiden Kategorien Bösewicht oder Feigling zu stecken und die Frauen auf der anderen Seite zu überlebensgroßen Heldinnen zu stilisieren. Aber angesichts dessen, dass es hier um die Unterdrückung von Frauen geht, scheint es nur richtig, dass es auch die Frauen sind, die aufbegehren. Die sich nicht darauf verlassen, von Männern gerettet zu werden, sondern ihr Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen. Und dazu passt auch, dass Lawrences Frau Eleanor auf der Seite der Marthas und Mägde zu sein scheint. Auch sie hilft ihnen (noch?) nicht aktiv, deckt sie aber, wenn es nötig ist.

Beth: „Alison’s not going to Canada. She’s going deeper in. A resistance cell out west somewhere. She’s valuable.“
June: „A chemistry teacher?“
Beth: „She makes bombs.“

Übergang in ein neues Leben

Eine Kritik von letzter Woche muss ich indes zurücknehmen, denn wir haben Emilys Wiedersehen mit ihrer Frau Sylvia nur deshalb nicht gesehen, weil es noch gar nicht stattgefunden hat. Ich glaube, so richtig kann Emily noch gar nicht glauben, dass sie in Freiheit ist, nachdem sie so viel erlebt hat. Am offensichtlichsten wird das bei ihrem Gespräch mit der Ärztin, die sich um ihre Cholesterin-Werte sorgt, was einfach nur surreal wirkt. Das sind Dinge, die in Gilead keine Rolle gespielt haben, weil ihr Körper dort nicht ihrer war, sondern nur ein Gefäß. Es ist, als verstünde sie erst mit ihrer neuen Brille wirklich, dass sie wieder sie selbst ist – Emily und nicht jemandes Magd.

Interessant ist natürlich Lukes Reaktion auf Emilys Zögern. Er scheint es nicht zu verstehen, doch ich denke, das tut er sehr wohl. Ihm wird vielmehr gerade klar, dass auch June nach ihrer Rückkehr nicht mehr die Frau sein wird, die er einst geheiratet hat. Dass auch sie nicht nur damit Probleme haben wird, sich an die Freiheit zu gewöhnen, sondern auch mit den Menschen aus ihrem alten Leben.

Kleine Beobachtungen

• Angesichts dessen, dass in der Folge keine Maria vorkommt, liegt nahe, dass der Titel auf eine Episode aus der Bibel anspielt. „Jesus bei Maria und Marta“ (Lukas 10, 38-42) wird gewöhnlich so interpretiert, dass spirituelle Angelegenheiten wichtiger sind als materielle.
• Tante Lydia lebt! Damit hab ich tatsächlich nicht gerechnet – und sie ist noch immer die Tyrannin, die wir kennen und hassen.
• Ein paar Szenen der Folge waren definitiv zu dunkel. Ich meine, wir wissen alle, dass das eine düstere Serie ist, aber ich will sie doch gerne sehen

4 von 5 Bananen ganz ohne Cholesterin.

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