Im Schnelldurchlauf | Serien im Februar & März

„What is that? Why is the ship beeping?“ (Captain Clark, „Avenue 5″)

Februar und März waren im Hinblick auf Serien überraschend abwechslungreich, von der langerwarteten Fortsetzung von „Altered Carbon“ bis zum Überraschungshit „I am not okay with this“.  Was sich gelohnt hat und was eher nicht, erfahrt ihr auch diesmal wieder in meinem Schnelldurchlauf. Spoiler!

Altered Carbon (Staffel 2)

Takeshi Kovacs wird von einem Met als Beschützer engagiert und nach Harlans Welt transferiert. Doch als er in seinem neuen Kampf-Sleeve erwacht, ist der Met bereits tot – und er selbst wird von Quellcrist Falconer angegriffen! Takeshi verschanzt sich mit seiner KI Poe in einem alten Hotel und findet heraus, dass Quell hinter den Gründern von Harlans Welt her ist und sich nur bruchstückhaft an ihre Vergangenheit erinnert. Derweil setzt Colonel Carreras eine vor langer Zeit gespeicherte Version Takeshis in dessen Geburts-Sleeve auf den älteren Takeshi an.

Anfangs tat ich mich ein wenig schwer, wieder in das Universum von „Altered Carbon“ hineinzufinden. Was aber erstaunlicherweise nicht daran liegt, dass die erste Staffel so lange zurückliegt, sondern daran, dass eine völlig neue Geschichte aufgemacht wird, die kaum auf dem aufbaut, was wir bisher wussten. Die acht Folgen sind spannend und düster wie gehabt, dennoch wollte der Funke diesmal nicht so recht überspringen. Schön war allerdings, dass Poe diesmal spürbar mehr Raum erhalten hat.

3 von 5 doppelt gesleevten Bananen.

I am not okay with this (Staffel 1)

Sydney Novak ist eine Außenseiterin mit Wutproblemen, die sich auf den Nachbarsjungen Stan einlässt, obwohl sie eigentlich in ihre beste Freundin Dina verliebt ist. Dina aber ist mit Schulschwarm Brad zusammen, den Syd verabscheut. Und zu allem Überfluss stellt sie plötzlich fest, dass sie Superkräfte entwickelt, wenn sie wütend ist oder Angst hat. Stan, den sie als Einzigen einweiht, möchte diese Fähigkeiten austesten und trainieren, doch Syd fürchtet, dass sie wie ihr Vater endet, der sich erst vor kurzem das Leben genommen hat.

„I am not okay with this“ kam praktisch aus dem Nichts. Ich habe nicht das Gefühl, dass Netflix viel Werbung für die Serie gemacht hat, und auch ich stolperte mehr durch Zufall über den Trailer. Das Ganze ist eine Variation von „Carrie“, die vor allem deshalb so gut funktioniert, weil die Serie ihre eigene Verschrobenheit voll anerkennt und konsequent durchzieht. Und Sophia Lillis als Syd ist einfach nur genial. Einziger Wermutstropfen: 7 Folgen à 20 Minuten sind verdammt wenig.

5 von 5 wütenden Bananen.

Avenue 5 (Staffel 1)

Das Luxus-Raumschiff Avenue 5 befindet sich auf einer achtwöchigen Kreuzfahrt um den Saturn, als eine Fehlfunktion dazu führt, dass sich die Reisezeit auf drei Jahre verlängert. Captain Clark, der in Wirklichkeit gar kein Captain ist, sondern nur ein Schauspieler, hat fortan alle Hände voll damit zu tun, die Passagiere bei Laune zu halten – während sich die Ausfälle und Missgeschicke häufen.

Die Prämisse von „Avenue 5“ ist schnell umrissen, dennoch braucht die Serie eine Weile, um ihren Rhythmus zu finden. Sind jedoch erst einmal alle Figuren und ihre Macken bekannt, macht es einen Heidenspaß, ihnen dabei zuzusehen, wie sie von einer Katastrophe in die nächste stolpern. Da schwenken einige ins All bestattete Leichen ebenso in eine Umlaufbahn um das riesige Schiff wie die versehentlich abgelassenen Exkremente, da führt ein nervtötendes Piepsen zu Schlafentzug, und dann glauben die Passagiere plötzlich auch noch, sie seien gar nicht im Weltraum. Und Hugh Laurie ist in Hochform!

4 von 5 Bananen mit Toupet.

Locke & Key (Staffel 1)

Nach dem gewaltsamen Tod des Vaters zieht die Familie Locke wieder ins alte Familienanwesen in Matheson. Bode, der jüngste Sohn, macht die Bekanntschaft einer Frau im Brunnen, die ihm von magischen Schlüsseln erzählt. Als er den ersten findet, haut sie ihn jedoch übers Ohr und verlangt, dass er weitere Schlüssel für sie sucht. Bode weiht seine Geschwister Tyler und Kinsey ein, und gemeinsam suchen sie nach den anderen Schlüsseln und ergründen deren Geheimnisse.

Die Kollegen vom „Serienweise“-Podcast nannten das Prinzip der Serie in Anlehnung ans berühmte „Monster of the Week“ sehr treffend „Key of the Week“. Denn so interessant die zugrundeliegende Idee von „Locke & Key“ auch ist, entwickelt die Serie leider doch recht schnell eine repetitive Erzählweise, von der sie sich erst gegen Ende wieder lösen kann. Zudem ist „Locke & Key“ mit ihren Themen eine typische Teenie-Serie, und das muss man dann wohl einfach mögen.

2 ½ von 5 Bananen hinter der Tür.

Shameless (Staffel 9)

Angefixt von ihren Erfolgen, investiert Fiona in eine geplante Seniorenresidenz und steckt schon bald bis über beide Ohren in Schulden. Als sie alles verliert und wieder bei den Gallaghers einziehen muss, ertränkt sie ihren Kummer in Alkohol – sehr zum Ärger von Lip, der endlich auf einem guten Weg ist und sogar die Vormundschaft für die Tochter einer Drogenabhängigen übernehmen will. Frank will als „Hobo Loco Man“ Social-Media-Karriere machen, Carl bewirbt sich bei der West Point Academy, Debbie entdeckt, dass sie lesbisch ist, und Ians Kreuzzug als „Gay Jesus“ bringt ihn letztendlich ins Gefängnis.

Dass das Emmy Rossums letzte Staffel ist, wurde mir tatsächlich erst in der letzten Folge bewusst, als Fiona ihren Koffer packt. Bis dahin war Fionas Absturz streckenweise schwer zu ertragen, weil sie wirklich jedem die Schuld dafür gibt – außer sich selbst. Dafür ist mir Debbie ganz überraschend ans Herz gewachsen, nachdem ich sie früher oft nervig fand. Doch sie ist mittlerweile eine echte Macherin, die Sachen anpackt. Größter Minuspunkt der Staffel: Lips neue Freundin Tami, die völlig unberechenbar ist und gefühlt dreimal pro Folge wegen Nichtigkeiten ausrastet.

3 ½ von 5 Bananen, die sich verspekulieren.