Im Schnelldurchlauf | Serien im September

„Bin ich Ijon Tichy. Raumpilot, galaktisches Diplomat, Entdecker, Held von Kosmos.“ („Ijon Tichy“)

Gerade wollte ich sagen, welch bunte Mischung an Serien ich hier doch habe, tatsächlich aber spielt mehr als die Hälfte davon im Weltraum. Nun ja, kann wenigstens keiner behaupten, ich sei nicht konsequent. Was schaut ihr gerade so? Ach, und wie immer gilt: Spoiler!

Noch nie in meinem Leben … (Staffel 1)

Nach dem Tod ihres Vaters und einer kurzzeitigen, unerklärlichen Lähmung beschließt die indisch-amerikanische Teenagerin Devi, dass das neue Schuljahr ganz anders werden soll. Das Problem: Sie und ihre besten Freundinnen Eleanor und Fabiola sind unbeliebte Nerds. Um die erste Stufe auf der Hierarchieleiter ihrer Highschool zu erklimmen, wollen sie sich alle einen Freund zulegen. Devi hat dazu Sportler Paxton auserkoren, der allerdings noch nicht mal weiß, wer sie ist.

Obwohl sich die Prämisse nach dem Rezept für eine weitere peinliche Teenager-Komödie anhört, ist „Noch nie in meinem Leben …“ eine der charmantesten Coming-of-Age-Geschichten der letzten Jahre. Zugeben, die Zusammenstellung des Casts entstammt offenbar direkt dem Lehrbuch für Diversität, doch gerade die kulturellen Besonderheiten von Devis Elternhaus und ihr typisch amerikanisches Benehmen sind einer der Gründe, warum die Serie so gut funktioniert. Ein großes Highlight ist die besondere Erzählweise mit Tennis-Star John McEnroe als Kommentator von Devis Leben (mit einem Intermezzo von Andy Samberg, der das Leben von Devis Erzfeind Ben kommentiert).

5 von 5 Bananen, die noch nie …

Futurama (Staffel 1-10)

Pizzabote Fry wird am Silvesterabend 1999 versehentlich eingefroren und erst 1.000 Jahre später wieder aufgetaut. Er kommt bei seinem einzigen noch lebenden Verwandten, dem verrückten Professor Farnsworth, unter, der nebenbei den Lieferdienst „Planet Express“ führt. Zusammen mit seinen Kollegen liefert Fry Pakete in die gesamte Galaxis, erlebt wilde Abenteuer mit seinem neuen besten Freund, dem Roboter Bender – und verliebt sich in die einäugige Mutantin Leela.

Einmal nach dem Unterschied zwischen den beiden Serien gefragt, erklärte Matt Groening: „‘Futurama‘ is real, and ‚The Simpsons‘ is fiction.“ Ich war nie ein „Simpsons“-Fan, doch „Futurama“ liebte ich von der ersten Folge an. Jetzt habe ich die Serie erstmals komplett und am Stück geschaut, dazu auch erstmals im englischen Original, und sie hat nichts von ihrer Genialität eingebüßt. Viele der Geschichten berühren tatsächlich aktuelle Themen, einige sind komplett abgedreht, und regelmäßig werden bekannte Sci-Fi-Klassiker referenziert. Einzig, dass Bender so oft im Mittelpunkt steht, nervt ein bisschen. Dass die letzte Folge die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten erzählt, ist dagegen der beste Abschluss, den sich ein Fan wünschen kann.

4 ½ von 5 Bananen von Omicron Persei 8.

Leela: „Listen Fry … whatever it was that you and I had together …“
Fry: „Goulash?“
Leela: „No! Well … I don‘t know. Maybe it was Goulash.“
(„Futurama“)

Curon (Staffel 1)

Auf der Flucht vor ihrem Ex-Mann kehrt Anna mit ihren Zwillingen Daria und Mauro in ihr Heimatdorf Curon zurück. Nicht nur ihr Vater Thomas ist davon wenig begeistert, die Bewohner glauben, dass die Familie für den Fluch von Curon verantwortlich ist. Als Mauro versehentlich die böse Doppelgängerin seiner Mutter befreit, die Thomas siebzehn Jahre lang versteckt hat, scheinen sich die Befürchtungen zu bewahrheiten. Und Anna ist bei weitem nicht die Einzige mit einem bösen Schatten.

„Curon“ versucht spürbar, auf der Erfolgswelle von „Dark“ mitzuschwimmen, ist aber leider doch nur ein billiger Abklatsch. Die Handlung reicht kaum für die sieben Folgen, die sich dadurch teilweise zäh wie Kaugummi ziehen. Dazu kommt, dass wirklich keine einzige der Figuren zur Identifikation dient, Erwachsene wie Teenager sind durch die Bank griesgrämig und unsympathisch. Am Ende bleibt schließlich ungeklärt, was es eigentlich mit dem Fluch und den Doppelgängern auf sich hat, einzig die kühle Szenerie mit dem halb versunkenen Kirchturm im Reschensee, der Aufhänger des Ganzen ist, dürfte länger im Gedächtnis bleiben.

2 von 5 doppelten Bananen.

Away (Staffel 1)

Commander Emma Green tritt mit einer internationalen Crew den ersten Flug zum Mars an. Bereits auf dem Weg zur Mondbasis kommt es zu einem Zwischenfall, der die Mannschaft spaltet. Kurz darauf erleidet Emmas Ehemann Matt auf der Erde einen Schlaganfall und Tochter Lex ist mit der Situation völlig überfordert. Emma tritt die drei Jahre dauernde Reise dennoch an, bis sie aber den Mars erreichen, warten noch etliche weitere Herausforderungen auf die Astronauten.

Serien wie diese haben immer einen gewissen Beigeschmack von Werbefilm der NASA, doch selbst unter diesen Voraussetzungen ist „Away“ definitiv eine der besten Produktionen der letzten Jahre. Viele der gezeigten Probleme einer so langen Reise wirken sehr authentisch, vor allem aber wird die psychologische Komponente nicht ausgeklammert, sondern spielt stattdessen eine prominente Rolle. So hält die Serie über ihre zehn Folgen die Spannung konstant hoch und zeigt dabei beide Seiten: die der Astronauten, und die der Menschen, die sie auf der Erde zurücklassen.

5 von 5 dehydrierten Bananen.

Ijon Tichy: Raumpilot (Staffel 1+2)

Weltraum-Abenteurer Ijon Tichy fliegt in seiner 3-Raum-Rakete durch die Galaxis und genießt das Leben. Um nicht immer am Steuer sitzen zu müssen, sondern auch mal in Ruhe sein Omelette essen zu können, konstruiert er eine hochkomplexe „holografische Maschinegerät“: die Analoge Halluzinelle. Die aber hat ihren eigenen Kopf und sieht gar nicht ein, Dienstbotin oder gar Putzfrau für den Herrn Tichy zu spielen. Gemeinsam trotzen Sie amoklaufenden Inspektionsrobotern, nervtötenden Zeitschleifen und mörderischen Selbstbau-Möbeln.

Ich sah „Ijon Tichy“ damals bei Erstausstrahlung im Fernsehen und war sofort hingerissen von dem billigen DIY-Charme der Kulissen und Aliens. Das begeistert auch heute noch, lediglich einige der Storys wirken inzwischen etwas angestaubt. Dass praktisch jedes Abenteuer damit beginnt, dass Tichy zum Eierplaneten Eggman fliegen will, um seinen Vorrat an Eiern für Omelettes aufzufüllen, ist dafür zum Kugeln. Größter Wermutstropfen: Die längere Laufzeit und die Ergänzung des sprechenden Hunds Mel in der zweiten Staffel schadet der Serie mehr als es ihr nützt.

3 von 5 Bananen mit Knurrmagen.