„I don’t care what you think. And you can say whatever you want. You can think absolutely anything. I will do anything if you just allow me … to save your lives.“
Der Doctor konkurriert mit Social Media um die Aufmerksamkeit einiger junger Leute, die unbemerkt von Monstern gefressen werden. Spoiler!
I am not lowering my Bubble!
Für Lindy Pepper-Bean ist es ein Tag wie jeder andere in Finetime. Umgeben von ihrer Bubble, ist sie im ständigen virtuellen Austausch mit ihren Freunden und Followern. Da ist der Doctor, der sich in ihren Feed schmuggelt und sie vor einer Gefahr zu warnen versucht, nur eine kleine Unannehmlichkeit. Erst Ruby dringt zu ihr durch, und als sie ihre Bubble schließlich abschaltet, bietet sich ihr ein Bild des Grauens: Die Leute um sie herum werden von schneckenähnlichen Monstern gefressen! Um zu überleben, muss Lindy zu einem unterirdischen Tunnel gelangen, der aus der Stadt herausführt.
Gutes Thema oberflächlich behandelt
„Dot and Bubble“ ist faszinierend – und wahnsinnig öde. Ein bisschen scheint sich die Serie hier selbst den Spiegel vorzuhalten, denn sie ist mittlerweile genauso oberflächlich wie die Bewohner von Finetime. Bunt und flashy und ohne tieferen Sinn. Ich bezweifle stark, dass das Russell T. Davies’ Intention war, was es nur umso amüsanter macht. Denn die Sache ist die, die Folge hat eine Menge echt guter Ideen, lässt aber keinen einzigen Gedanken ausreichend sacken.
„Imagine. If that Dot has achieved sentience, and then it has to spend all day hovering and listening to you lot chattering away. I’m not being rude, but I think it’s learnt to hate you.“
Social Media böse, Mensch gut?
Subtilität brauchen wir freilich nicht zu erwarten, „Dot and Bubble“ verschwendet keine Zeit, uns wissen zu lassen, dass wir diese Woche Social Media kritisieren. Ich meine, hey, sie nehmen sogar das mit der eigenen Bubble absolut wörtlich. Manches ist klar überspitzt, denn dass diese Leute eine KI brauchen, die ihnen sagt, dass sie mal pinkeln müssen, unterstreicht nur ihre völlige Entkoppelung von der realen Welt. Die Botschaft kommt an, wir verlassen uns doch alle auf das vermeintlich allumfassende Wissen des Internets.
In diesem Szenario entwickelt die KI nun also ein Bewusstsein und erkennt, wie hohl die Menschen sind. Und beschließt, etwas dagegen zu tun. Das ist die Geschichte, der Kern, auf den man sich hätte konzentrieren sollen, um tatsächlich so etwas wie Gesellschaftskritik zu üben. (Was „Doctor Who“ aber nicht mehr will.) Gerade jetzt, wo dieser Hype ausgebrochen ist und KI geradezu als Heilsbringer gefeiert wird, hat diese Vorstellung eine wahnsinnige Schlagkraft. Überlegt nur mal, welch Abgründen die KI im Internet ausgesetzt ist.
Die Oberschicht lässt sich nicht von irgendwem retten
Aber egal, wie lassen diesen Gedanken hinter uns, weil wir noch etwas über Elitarismus referieren wollen. Und Rassismus, denn das geht immer. Versteht mich nicht falsch, auch das ist eine super spannende Thematik, sie passt nur irgendwie nicht hier rein. Als wäre Social Media nicht schon Filter genug (siehe eigene Bubble), sind Lindy und ihre Freunde auch Upperclass und natürlich alle weiß. Also für alle, die es immer noch verstanden haben, hauen wir jetzt noch mal mit dem Holzhammer drauf.
Das vielleicht Ärgerlichste ist, dass man auch hier einige richtige Töne trifft, was es so schwer macht, die Folge zu hassen. Diese Leute sind so besessen davon, in ihrer eigenen Bubble zu bleiben, dass sie es ablehnen, vom Doctor gerettet zu werden, nur weil er in ihren Augen unter ihnen steht. Mehr noch, sie bemitleiden ihn fast dafür, dass er ihnen nicht helfen darf. Der Doctor ist blind für diese Nuancen, ihn trifft einzig und allein, dass er diese Leute in den sicheren Tod gehen lässt.
„It is our God-given duty to maintain the standards of Finetime.“
Die wahren Monster
Sprechen wir zum Schluss noch kurz über das Monster. Oder sind, wie ein anderer Reviewer schrieb, am Ende die Leute von Finetime die wirklichen Monster und die Schneckenviecher einfach nur Schneckenviecher? Optisch waren die ziemlich cool, muss ich zugeben. Es ist fast traurig, dass man sie für diese Folge verschwendet hat, denn letztendlich spielten sie keine große Rolle.
Um aber auf den Gedanken zurückzukommen: Wenn Lindy ihren Schwarm Ricky opfert, um ihr eigenes Leben zu retten, ist das vielleicht der wichtigste Moment der Folge. Das ist etwas zutiefst Menschliches, das keinerlei Verbindung zu irgendeinem der vielen Plots dieser Folge hatte. Denn nein, Lindy ist nicht die Ausnahme, ich bin der festen Überzeugung, dass fast jeder in dieser Situation so handeln würde.
Dot and Notes
• In einem entscheidenden Punkt ist die Social Media von „Dot and Bubble“ unglaubwürdig: Es gibt keine Werbung.
• Obligatorisches Gen-Z-Bashing: „We all work two hours a day. Two long hours!“
• Der Doctor und Ruby merken, dass sie immer wieder die gleiche alte Frau in verschiedenen Kontexten sehen. Früher hätte ich da mitgerätselt, heute denke ich mir nur: meh.
3 von 5 Bananen in alphabetischer Reihenfolge.