Disney’s Doctor Who | Rogue (1×06)

„This is what we came for. The gossip, the romance, the scandal.“

Der Doctor und Ruby wollen 1813 eigentlich nur ein bisschen tanzen, als ein paar Formwandler die Party sprengen. Spoiler!

Oh, this is so Bridgerton!

Der Doctor und Ruby besuchen Bath im Jahre 1813, um ein bisschen Regency-Luft zu schnuppern und an einem Ball teilzunehmen. Doch sie sind nicht die Einzigen, die einen Narren an der Epoche gefressen haben – auch eine Gruppe von Chuldur treibt sich auf der Party herum. Die aber wollen nicht nur zusehen, sondern kopieren das Aussehen einzelner Gäste und töten diese dann. Und noch jemand ist ungeladen da: der fesche Kopfgeldjäger Rogue. Während er und der Doctor heftig miteinander flirten, entwickeln sie einen Plan, um die Chuldur in eine Falle zu locken

Period Drama light

Dafür, dass ich mit „Bridgerton“ überhaupt nichts anfangen kann, fand ich „Rogue“ tatsächlich ganz unterhaltsam. Die Geschichte ist solide erzählt und kommt mit der Lösung auch nicht erst zum Schluss um die Ecke, sondern baut sie kontinuierlich auf. (Ich weiß, das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, bei „Doctor Who“ aber weiß Gott nicht die Regel.) Manches wirkt leider trotzdem etwas erzwungen, was aber vielleicht mehr über den kruden Aufbau der Staffel sagt als über die Folge selbst.

„We’re going to cosplay this planet to death!“

Ringelpiez Cosplay mit Anfassen

Nehmen wir an dieser Stelle kurz die vom Whocast angemahnte Verwirrung bezüglich Cosplay und LARP zur Kenntnis. Da das nicht meine Szene ist, kann ich nichts Substanzielles dazu beitragen und bleibe deshalb bei der Bezeichnung Cosplay, wie sie auch in der Folge verwendet wird. Und wisst ihr was? Ich finde die Idee klasse. Macht der Doctor mit seinen Companions im Kern nicht genau das? Sie verkleiden sich und tun so, als gehörten sie dazu, weil sie die Epoche am eigenen Leib erleben wollen.

Womit ich nicht sagen will, dass die Reisen des Doctors in irgendeiner Weise mit dem vergleichbar sind, was die Chuldur machen. An diesem Punkt ist mir die Story aber auch ein bisschen zu messy, denn wieso die eigentlich die Menschen, die sie spielen, töten, wird nie erklärt. Und dass sie anschließend gleich die ganze Welt cosplayen (und folglich zerstören) wollen, ist auch wieder so ein typischer „Doctor Who“-Move und zudem völlig unnötig.

Show, don’t tell!

Die größten Probleme macht „Rogue“ jedoch, dass hier Gefühle vorausgesetzt werden, deren Entstehung uns nie gezeigt wurde. Ich stutzte beispielsweise schon, als der Doctor Ruby zu „my best friend“ erklärt, denn faktisch haben wir sie in den letzten zwei Folgen keine fünf Minuten miteinander agieren sehen. Tatsächlich aber benehmen sich alle beide permanent so, als seien sie schon Monate, wenn nicht gar Jahre zusammen unterwegs und hätten sonst was erlebt.

Aus Zuschauersicht fühlt sich das nicht verdient an, aber ich verstehe natürlich, dass nicht jeder Autor bei null anfangen will. Das geht auf Russell T. Davies’ Kappe, denn es wäre seine Aufgabe gewesen, die Grundlagen zu schaffen. Am Ende leidet darunter auch die ach so tragische Entscheidung, die der Doctor treffen muss: Opfert er Ruby, um die Menschheit zu retten? Sorry, aber den Gewissenskonflikt nehme ich ihm nicht ab, obwohl sich Ncuti Gatwa alle Mühe gibt, ihn uns zu verkaufen.

„Okay, Rogue. You’re tall, you’re handsome, you’re arrogant, you look great in that jacket. So there’s one thing I have to ask- Is that a shoe?“

Flirten kann tödlich sein

Was mich dann aber endlich zu Rogue bringt. Hach, der wunderbare Jonathan Groff, der in „Mindhunter“ einfach nur großartig war. Wahrscheinlich ist Groff auch der einzige Grund, warum Rogue überhaupt funktioniert, denn auf dem Papier ist die Figur ein billiger Abklatsch von Jack Harkness. Will man jetzt ernsthaft alles kopieren, was früher schon mal gut beim Publikum ankam?

Interessant fand ich, dass er und Gatwa jede Menge Chemie haben, solange sie noch unverbindlich miteinander flirten. Der Kuss hingegen? Das hab ich schon glaubwürdiger gesehen. Ich weiß nicht, woran es lag, vielleicht fehlte wirklich nur Zeit für die Charakterentwicklung, ich fand es einfach nicht glaubhaft, dass er sein Leben für einen harmlosen Flirt opfert. Das gesagt, wünsche ich mir trotzdem, dass der Doctor Rogues „find me“ ernst nimmt und wir ihn eines Tages wiedersehen.

Roguish Notes

• Entschuldigt, aber über den eigentlich echt schlechten Witz „my name is bond, molecular bond“ musste ich extrem lachen.
• Außerdem: „Can’t get you out of my Head“. Dankeschön, ich habe einen Ohrwurm.
• Als der Doctor und Rogue tanzen und alles um sie herum verschwindet, das ist ja wohl eins zu eins aus der Joe-Wright-Verfilmung von „Pride and Prejudice“ geklaut. Und da hat es auch besser funktioniert.
• Wäre der Doctor nur noch ein paar Meter weitergegangen, um sich zu vergewissern, dass da wirklich Rubys Leiche liegt, hätte man sich das ganze Drama natürlich sparen können.

4 von 5 verkleideten Bananen in Flirtlaune.

Vorherige Folge
Nächste Folge
Zurück zur Staffelübersicht