„Die Welt ist ungefähr neunzehn Mal mehr am Arsch als sich das irgendjemand vorstellen kann.“
(„Paradise“)
Ein gewisser Überhang im Dystopischen und Apokalyptischen lässt sich diesen Monat nicht leugnen. Genau das Richtige für den Sommer! 😝 Was sonst noch so los war, erfahrt ihr im bewährten Schnelldurchlauf. Spoiler!
Paradise (Staffel 1)
Cal Bradford wird für eine zweite Amtszeit als Präsident gewählt und macht den Geheimdienstagenten Xavier Collins zu seinem neuen Sicherheitschef. Als der Cal vor einer Kugel rettet, weiht er ihn in das größte Geheimnis der Menschheitsgeschichte ein: Die Welt wird untergehen. Bald. Drei Jahre später leben 25.000 Menschen in der unterirdischen Stadt Paradise, als Xavier den Präsidenten eines Morgens tot auffindet. Bei der Suche nach dem Mörder stochert er jedoch in Dingen herum, die die Geldgeber und wirklichen Machthaber lieber geheim halten wollen.
Immer wieder ein Erlebnis, wenn einem eine Serie schon in der ersten Folge unvermittelt den Boden unter den Füßen wegzieht und man nur noch denkt: WTF?! Im Grunde ist „Paradise“ wie „Silo“ – bevor die Leute ihre Vergangenheit vergessen haben. Für die mentale Gesundheit der Bevölkerung ist es entscheidend, dass die Illusion erhalten bleibt, doch dafür muss jedes Wissen um den Status der Außenwelt unterdrückt werden. Ein spannendes Szenario, dessen Details wir durch die nicht-chronologische Erzählung erst nach und nach erfahren. Hier steckt viel Potenzial drin!
4 von 5 Bananen, die nie „Stirb langsam“ gesehen haben.
The stolen Girl (Miniserie)
Weil sie in Eile ist, stimmt Elisa Blix zu, dass ihre Tochter Lucia mit zu ihrer neuen Freundin Josie darf. Als Lucia drängelt, erlaubt sie ihr schließlich auch eine Übernachtung – obwohl sie Josies Mutter Rebecca gerade erst kennengelernt hat. Am nächsten Tag ist das Luxushaus leer und Rebecca samt den Mädchen verschwunden. Während der Suche nach Lucia kommt nicht nur die Affäre von Elisas Ehemann ans Licht, auch ihre eigene Vergangenheit wird gründlich durchleuchtet. Reporterin Selma Desai ist besonders hartnäckig, denn sie glaubt, dass Elisas Tochter nicht zufällig ausgewählt wurde.
„The stolen Girl“ landete ehrlicherweise nur auf meinem Radar, weil Disney+ geradezu penetrant Werbung dafür machte. Letzten Endes erfindet die Miniserie das Genre nicht neu, ist aber ganz gut gemacht. Trotz einiger Logiklöcher gelingt es, in jeder Folge genug preiszugeben, um den Zuschauer zweifeln zu lassen, dass er den Fall wirklich schon geknackt hat. Bei nur fünf Folgen gelingt das ganz solide und zudem ohne größere Längen. Das Ende ermöglicht theoretisch eine Fortsetzung, ich persönlich fände das aber dumm, weil es so, wie es ist, gerade funktioniert.
3 von 5 Bananen mit Muttermal.
„We are meant to guide the Imperium, not rule it.“
(„Dune: Prophecy“)
Dune: Prophecy (Staffel 1)
Als Mother Superior Raquella stirbt, sorgt Valya Harkonnen dafür, dass ihr Plan zur Züchtung eines perfekten Herrschers fortgeführt wird. 30 Jahre später ist Valya selbst zur Mother Superior der Bene Gesserit aufgestiegen. Prinzessin Ynez, die Tochter des Imperators, soll nun erstmals eine Ausbildung bei der Schwesternhaft erhalten – und so zu einer wichtigen Verbündeten im Herrscherhaus werden. Doch nachdem die Wahrsagerin des Imperators eine schreckliche Vision hatte, wird der Verlobte der Prinzessin getötet. Der Täter: Soldat Desmond Hart, der gerade von Arrakis zurückgekehrt ist.
Die Serie spielt 10.000 Jahre vor Paul Atreides, und die wollen mir ernsthaft erzählen, dass sich die Technologie in dieser Zeit kein bisschen verändert? Leider setzt man allzu sehr auf die bekannte Optik aus den Filmen, obwohl „Dune: Prophecy“ das gar nicht nötig hätte. Es geht vor allem um Politik, dessen sollte man sich bewusst sein, aber dafür wiederum fand ich den Plot überraschend fesselnd. Keine der Figuren ist zudem wirklich sympathisch, auch das ist durchaus reizvoll. Nur die vielen Sexszenen hätten nicht sein müssen, das ist hier schließlich nicht „Game of Thrones“.
3 ½ von 5 Bananen, die den gleichen Alptraum haben.
The Bear: King of the Kitchen (Staffel 4)
Die durchwachsene Kritik in der Chicago Tribune hat die Stimmung im „Bear“ eingetrübt. Uncle Jimmy setzt noch einen drauf und gibt ihnen zwei Monate, um ein Wunder zu vollbringen, bevor er das Restaurant verkauft. Das Wunder, das Carmy vorschwebt, ist immer noch ein Stern. Richie engagiert daraufhin Jessica und ihr Team vom „Ever“, um den Service auf Vordermann zu bringen. Sydney aber ist hin und her gerissen, ob sie auf dem offensichtlich sinkenden Schiff bleibt oder Shapiros Angebot annimmt.
Ich blick es nicht mehr, war die vierte nicht mal als die letzte Staffel von „The Bear“ angekündigt worden? Aber nach diesem komischen Ende war eigentlich klar, dass es weitergehen muss. So richtig weiß ich auch nicht, ob das Konzept für mich noch funktioniert, ich mag den Küchenalltag, die kreative Energie, aber das wird immer mehr verdrängt von allgemeiner Gesprächstherapie. Das ist punktuell zwar auch interessant, um die Charaktere zu vertiefen, wird mir aber ehrlich gesagt langsam etwas zu viel.
3 ½ von 5 Bananen, die der Sand sind, verdammt!
„People say survivors forget things to protect themselves because they were so horrible, but I think we can’t or won’t remember it clearly because we recognize, deep down, that we were having so much fun. That’s the terrible truth.“
(„Yellowjackets“)
Yellowjackets (Staffel 3)
Seitdem ihre Hütte abgebrannt ist, haben sich die Mädchen selbst Behausungen gebaut. Inzwischen ist Frühling und fast so etwas wie Alltag eingekehrt, sie halten sogar eigene Tiere. Als sie Coach Scott finden, von dem einige glauben, dass er die Hütte angezündet hat, kommt es jedoch zu Spannungen in der Gruppe. Ein Gerichtsverfahren soll das Problem lösen. In der Gegenwart versuchen die Frauen, jede auf ihre Art, mit dem Tod von Natalie umzugehen. Shauna glaubt, dass es jemand es auf ihr Leben abgesehen hat.
Erzählerisch war es ein Fehler, die Monate nach dem Brand zu überspringen, denn wie sie den Rest des Winters überlebt haben, wäre die interessantere Geschichte gewesen. Trotzdem erreicht man einen spannenden Punkt, an dem die Wildnis so sehr Teil der Mädchen und ihrer „Mythologie“ geworden ist, dass sie eigentlich gar nicht mehr gerettet werden wollen. Das größte Problem der Serie ist nach wie vor der Plot in der Gegenwart, der irgendwie ziellos mäandert. Die Teile möchte ich am liebsten immer überspringen.
4 von 5 Visionen von Bananen.
The Last of Us (Staffel 2)
Fünf Jahre sind seit dem Vorfall im Krankenhaus der Fireflies vergangen. Joel und Ellie leben mittlerweile in Jackson, doch ihre Beziehung ist angespannt. Ellie fühlt sich eingeengt und Joel kommt mit ihrer Ablehnung nicht gut klar. Was beide nicht ahnen: Abby, die Tochter des Arztes, den Joel damals erschossen hat, ist auf der Suche nach ihm, um ihn zu töten. Bei einer Patrouille entdeckt Ellie eine neue Art von Infizierten, die offenbar intelligent jagen. Als bei Arbeiten an alten Rohren scheinbar tote Pilzwurzeln beschädigt werden, macht sich eine gewaltige Horde von Infizierten auf den Weg nach Jackson.
Die zweite Staffel von „The Last of Us“ beginnt wesentlich ruhiger als die erste und konzentriert sich mehr auf das gemeinschaftliche Leben in Jackson. Doch keine Sorge, es gibt auch diesmal wieder mehr als genug Action und spannende neue Gegner. Ein wichtiger Plotpunkt wurde mir leider schon im Vorfeld gespoilt, da er dann aber unerwartet früh in der Staffel kam, hat er mich doch überrumpelt. Mein Highlight ist die Bottle-Episode „The Price“, die einfach nur eine schöne (und schmerzhafte) Geschichte über das Erwachsenwerden ist. Natürlich ist die Staffel viel zu kurz und der Cliffhanger fies.
5 von 5 Bananen on a fucking dinosaur!