Star Trek: Strange new Worlds | Wedding Bell Blues (3×02)

„When humans reunite after a long absence, is it not tradition to make a grand romantic gesture?“

Durch einen unvorsichtigen Wunsch von Spock stecken sie alle plötzlich in einer Realität, in der Spock und Chapel heiraten werden. Spoiler!

I can do anything I want! I am a wedding planner!

Die Enterprise hat die letzten drei Monate für Reparaturen bei Starbase One verbracht, nun bereitet man sich auf die Feierlichkeiten des 100. Geburtstags der Föderation vor. Für Spock steht noch ein weiteres wichtiges Ereignis an: Christine Chapel kehrt endlich von ihrer Weiterbildung zurück. Doch zu seinem Entsetzen bringt sie Dr. Roger Korby mit – ihren neuen Freund. Nachdem er dem Barkeeper sein Leid geklagt hat, erwacht Spock in einer neuen Realität, in der seine Hochzeit mit Chapel bevorsteht. Nur einer erinnert sich daran, wie es eigentlich sein sollte: Dr. Korby.

In guter alter Tradition

Oh, ich ahne schon, dass „Wedding Bell Blues“ die Fans spalten wird. Und zugegeben, auch ich bin nicht ganz glücklich damit, dass die jährliche Spock-Comedy-Folge nun offenbar ein offizielles Subgenre ist (ähnlich der jährlichen Lassen-wir-den-Chief-leiden-Folge damals bei „Star Trek: Deep Space Nine“). Ungeachtet dessen aber fühlte ich mich gut unterhalten und finde, man hat hier einen guten Schlusspunkt für die Spock/Chapel-Romanze gefunden – wenn man ihn denn auch als solchen nutzt.

Spock: „We have not spoken since she left for her fellowship.“
La’an: „But we all know what absence does to the heart …“
Spock: „The absence of a heart would be quite fatal.“

Für Kenner und Neulinge gleichermaßen erzählt

Doch bevor wir uns einmal mehr der (offenkundig nicht sehr komplexen) Gefühlswelt von Spock widmen, müssen wir natürlich über den geheimnisvollen Wunscherfüller sprechen. Der ganz bewusst nie einen Namen erhält, auch wenn IMDb so forsch ist, ihn als „Trelane“ zu führen. Denn auf genau diese Figur aus der Originalserie will die Folge ganz offensichtlich hinaus, mit dem Sahnehäubchen eines Voice-Cameos von John de Lancie, der zusätzlich noch die Verbindung zu Q ziehen soll.

Interessant ist, dass viele Fans der Serie genau diese Uneindeutigkeit zum Vorwurf machen, während ich finde, dass das die einzig richtige Art ist, wie sie es machen konnten. Das Negativbeispiel ist meiner Meinung nach nämlich die Disney-Neuauflage von „Doctor Who“. Da warf man wild mit Namen wie Sutekh, Rani und Omega um sich, die nur Fans der alten Serie etwas sagten, während Neuzuschauer komplett verwirrt dasaßen und keinen Plan hatten, was das Ganze eigentlich soll.

Für Serien mit langer Tradition ist es immer ein Drahtseilakt, wie viel erklärt werden muss und welche Eastereggs man einbauen kann, ohne Neueinsteiger zu langweilen. „Wedding Bell Blues“ macht es genau richtig, weil die, die sich an Trelane erinnern, die Verbindung sowieso ziehen und sich dann darüber freuen können. Mir wiederum, die ich die alte Serie seit Jahren nicht gesehen habe, ist es am Ende völlig egal, wer der Wunscherfüller ist, weil er auch ohne Namedropping funktioniert.

Die richtige Person zur falschen Zeit

Lasst mich den nächsten Teil meiner Review damit beginnen, dass ich ein Riesenfan der Figur Spock bin. Schon immer gewesen, man möge psychologisch daraus lesen, was man möchte. Die Idee eines jüngeren, noch nicht so gefestigten Spocks ist für mich einer der reizvollsten Aspekte von „Star Trek: Strange new Worlds“, und wahrscheinlich bin ich auch deshalb ein bisschen enttäuscht, dass sich die Autoren so auf das Thema Liebeskummer eingeschossen haben. Als gäbe es nicht mehr als genug andere Gefühle, die er erforschen könnte!

Dass „Wedding Bell Blues“ dennoch seine Berechtigung haben könnte (sofern sie jetzt konsequent sind), liegt daran, dass alles an der Geschichte nach einem Ende klingt. Ich werde nie verstehen, warum Chapel Spock erst anhimmelt und dann fallen lässt, sobald er Interesse zeigt. Aber zumindest Spock erkennt endlich, warum er nicht der Richtige für sie ist und auch nie sein wird. Korby bietet Chapel eine Stabilität, die Spock für sich selbst erst noch finden muss. Das ist eine traurige, aber irgendwie auch erlösende Erkenntnis.

Es hilft, dass Korby furchtbar sympathisch ist. Cillian O’Sullivan gelingt es, der Figur innerhalb kurzer Zeit Profil zu geben und dabei nicht wie der unwillkommene Eindringling zu wirken. Er ist zu keinem Zeitpunkt neidisch auf Spock, weil er weiß, dass dies kein Kampf mehr ist, Chapel hat sich längst entschieden. Er ist im Gegenteil sehr rücksichtsvoll und will Spock nicht unnötig Schmerz bereiten. Innerhalb der Welt der nervigen Dreiecksgeschichten ist das eine unerwartet erwachsen gehandhabte Variante.

„And the person worthy of your love, they must be courageous. They cannot be drowning. They cannot be unsure or at the mercy of their own emotional storms. They must be a safe harbor. They must have the ability to hold space for you. To see you. Just you.“

Liebe hat viele Gesichter

Und gerade, als ich so bei mir dachte, wie traurig es doch ist, dass Spock scheinbar keinen guten Freund hat, dem er sich anvertrauen kann, setzt sich La’an zu ihm. Es ist so offensichtlich, dass ich überrascht bin, dass die Autoren nicht schon früher etwas daraus gemacht haben. Wohlgemerkt rein freundschaftlich, Spock braucht wahrlich keine weitere Liebelei. Aber in ihrer reservierten Art sind sich die Beiden schon sehr ähnlich, und hinzu kommt, dass La’an genau weiß, wie es sich anfühlt, abgewiesen zu werden. Also ja, mehr davon, bitte!

Mehr möchte ich auch grundsätzlich immer von Pike und Batel sehen. Die Szene zu Beginn war auf so vielen Ebenen fantastisch, weil wir hier eine Beziehung sehen, die ganz ohne Drama auskommt. Pike, der damit kämpft, seine Gefühle auszudrücken, aber unverkennbar schwer verliebt ist. Batel, die über seine vielen Haarprodukte frotzelt. (Ehrlich, mein größter Lacher in dieser ohnehin gaglastigen Folge.) Die gezeigte Intimität, die etliche Serien noch nicht mal mit einer Sexszene hinkriegen. Wow.

Nachwehen der Gorn-Begegnung

Was ich von der letzten Einstellung halten soll, in der Ortegas im Fenster die Spiegelung eines Gorns sieht, weiß ich noch nicht so recht. Auf den ersten Blick sieht es danach aus, als wolle man mit ihr noch mal das Thema PTSD durchkauen, was ich ein bisschen einfallslos finde, weil wir das im Wesentlichen ja schon mit La’an hatten. Aber ich lasse mich überraschen, letzten Endes ist es ja ein gutes Zeichen, dass man die Ereignisse nicht wortlos unter den Tisch fallen lassen will. (Ein Counselor an Bord wäre jetzt schon eine feine Sache.)

Wedding Bell Notes

• So viele kleine Details in dieser Folge, dass ich sie gar nicht alle aufgreifen kann: Spocks Tanzunterricht, Pike und seine vielen Orden, Ortegas’ Bruder, der mit Uhura flirtet, „no one likes your moustache“, Scotty im Kilt, Pikes wirklich, wirklich schlechte Rede am Ende …
• Dinge von äußerster Wichtigkeit: Spock hat seine Brustbehaarung wieder.
• Ich hab es immer noch nicht verstanden: Ist Batel nun geheilt oder nicht? Es war die Rede davon, dass die Gorn-Embryos von ihrem Körper „fully reabsorbed“ seien. Außerdem: Ieuh!
• Ich finde ja, wie brauchen Unangenehme-Konfrontationen-im-Transporterraum als neues Subgenre. Also ich würde eine ganze Folge davon gucken.
• Bekannte Popsongs in Science-Fiction machen mich immer irgendwie nervös. So was altert gewöhnlich übelst schlecht.

4 ½ von 5 Bananen, aber mit bequemen Schuhen.

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