„Ich bin kein gewalttätiger Mensch. Ganz im Gegenteil. Ich hab mich zum Beispiel in meinem ganzen Leben noch nie geprügelt. Und den ersten Menschen hab ich auch erst mit 42 umgebracht.“
(„Achtsam morden“)
Ein unerwartet starker Serienmonat, und dann habe ich auch noch beschlossen, meinen Rewatch von Dr. House fortzusetzen. (Seien wir gespannt, wie weit ich diesmal komme.) Spoiler!
Achtsam morden (Staffel 1)
Rechtsanwalt Björn Diemel ist das geworden, was er nie sein wollte: ein Arschloch, das Verbrecher verteidigt und vor lauter Arbeit keine Zeit für seine Familie hat. Als seine Frau ein Achtsamkeits-Seminar vorschlägt, findet er das zunächst lächerlich. Doch er lässt sich darauf ein und merkt, dass sein Leben viel besser ist, wenn er sich nicht von anderen herumschubsen lässt. Wie zum Beispiel von Gangsterboss Dragan, der ständig seine Aufmerksamkeit verlangt – und im Fleischwolf endet.
Warum nur fühlen sich deutsche Serien immer so furchtbar steif an? Ich erreiche da nie den Punkt, wo ich nicht mehr denke, das sind nur Schauspieler, die ihren Text aufsagen. Wäre die Story von „Achtsam morden“ nicht so absurd komisch, ich hätte mir das keine acht Folgen lang angetan. Aber wie ein Anwalt, der einfach nur seine Ruhe will, quasi selbst zum Gangsterboss wird, ist einfach nur herrlich schräg. Da es auch mehrere Bücher gibt, hoffe ich auf noch viele Staffeln.
4 von 5 Bananen und einmal Chicken Nuggets, bitte!
Nobody wants this (Staffel 1)
Joanne, die mit ihrer Schwester Morgan einen Podcast zum Thema Dating und Sex produziert, lernt bei einer Party den Rabbi Noah kennen. Noah hat sich gerade von seiner Verlobten Rebecca getrennt und wird von seiner Familie gewaltig unter Druck gesetzt, die Beziehung zu kitten. Obwohl wirklich alles dagegen spricht, werden Joanne und Noah ein Paar. Und als Noah die Chance kriegt, zum Oberrabbiner seiner Gemeinde zu werden, landet schließlich auch das Thema Konvertierung zum Judentum auf dem Tisch.
Keine Frage, „Nobody wants this“ ist der neue Goldstandard für Rom Coms. Es gibt keine albernen Verwechslungen, niemand verschweigt wichtige Informationen – und trotzdem ist das interessant und berührend und sexy! Hier sind zwei erwachsene Menschen, die durch eine Beziehung zwischen verschiedenen Kulturen navigieren, die ehrlich miteinander sind und sich verletzlich zeigen, und das alles ist dazu noch wahnsinnig humorvoll erzählt. Kristen Bell und Adam Brody sind außerdem großartig. Mehr davon!
5 von 5 Bananen mit Prosciutto. Ach, das ist Schwein?
Joanne: „Welchen Duft du auch trägst, ich mag ihn.“
Noah: „Das ist Weichspüler.“
(„Nobody wants this“)
The Survivors – Der Sturm (Miniserie)
Fünfzehn Jahre nach einem gewaltigen Sturm kehrt Kieran Elliott mit Freundin und Baby in seine Heimatstadt Evelyn Bay zurück. Beim Versuch, Kieran zu retten, ertranken damals sein Bruder Finn und dessen Freund Toby – etwas, was ihm die Leute im Ort nie vergeben haben. Auch die 14jährige Gabby kam mutmaßlich in dem Sturm um, doch ihre Leiche wurde nie gefunden. Die junge Künstlerin Bronte versucht herauszufinden, was mit Gabby wirklich geschah – und wird kurz darauf selbst tot am Strand gefunden.
Wie schon letzten Monat „The stolen Girl“ erfindet auch „The Survivors“ das Genre nicht neu, rollt aber eine ganz spannende Geschichte auf. Der Tod der zwei jungen Männer lastet wie ein kollektives Trauma auf Evelyn Bay, und Kieran, der damals in die Stadt floh, um den ständigen Anklagen zu entgehen, wird erneut mit seiner Schuld konfrontiert. Aber die Dinge sind wesentlich komplizierter und viel mehr Menschen haben zu dem Unglück ihren Teil beigetragen, das fängt die Miniserie gut ein.
3 von 5 Bananen in den Höhlen.
Sirens (Miniserie)
Als Devon DeWitt eine Cocktailparty der superreichen Michaela „Kiki“ Kell sprengt, um ihre Schwester Simone nach Hause zum demenzkranken Vater zu holen, erkennt sie sie kaum wieder. Zurechtgemacht wie ein Püppchen, spielt Simone für Kiki die devote Assistentin und will von Devon nichts wissen. Doch die sektenhaften Züge der Vogelrettungsorganisation der Kells bereitet Devon Sorge, deshalb spielt sie Kiki vor, selbst Teil davon werden zu wollen, um übers Wochenende in der Strandvilla bleiben zu können.
„Sirens“ entzieht sich jeder Genre-Zuordnung. Das, was man im Laufe der Zeit über die Vergangenheit der Schwestern erfährt, ist absolut tragisch, gleichzeitig scheint das Leben der Kells völlig abgekoppelt von der normalen Welt. Die Reichen und Mächtigen leben auf einem ganz anderen Planeten. Als Zuschauer ist man hin und her gerissen, vieles ist so lächerlich, anderes bitter, dann wieder ist man einfach nur wütend. Geld macht keine besseren Menschen aus uns (oft im Gegenteil), das ist die ernüchternde Erkenntnis.
4 ½ von 5 Bananen-Smoothies.
House: „Is he dancing or seizing?“
Kutner: „Seizing.“
(„Dr. House“)
Dr. House (Staffel 4)
Nachdem ihn sein komplettes Team im Stich gelassen hat, will House am liebsten alleine weitermachen. Nur, damit Cuddy endlich Ruhe gibt, lädt er schließlich vierzig Bewerber ein und lässt sie gegeneinander antreten – nicht unbedingt zum Nutzen der Patienten. Nach und nach aber lichtet sich das Feld. Foreman verliert derweil seinen neuen Job schon wieder und wird von allen anderen Krankenhäusern abgelehnt, so dass er notgedrungen zum Princeton Plainsboro zurückkehren muss.
Das Konzept der Serie hatte sich zuletzt totgelaufen, doch die 4. Staffel von „Dr. House“ wirkt wie eine Frischzellenkur. Durch den Wettbewerb wird der ansonsten doch sehr repetitive Aufbau der Folgen aufgelockert, und es macht auch viel Spaß, die neuen Figuren kennenzulernen. (Die Kürze der Staffel durch den damaligen Autorenstreik tut übrigens auch ganz gut.) Und der niederschmetternde Zweiteiler „House’s Head“/“Wilson’s Heart“ wird auf ewig meine absolute Lieblingsfolge bleiben.
4 ½ von 5 Bananen, die sich mit dem Defibrillator selbst ausknocken.