„I don’t need options. I don’t need chattering voices. What I need is to clear my head.“
In einer Krisensituation muss Kirk das Kommando über die Farragut übernehmen, doch das ist mehr Verantwortung als er schultern kann. Spoiler!
I am so deeply bored
Die U.S.S. Farragut unter Captain V’Rel untersucht einen Planeten, als ein unbekanntes Schiff auftaucht und seine Oberfläche komplett zerstört. Die angeschlagene Farragut bleibt hilflos zurück, doch zum Glück ist die Enterprise in der Nähe und evakuiert die Crew, während ein kleines Team dem Ersatz-Captain Kirk helfen soll. Da kehrt der Angreifer zurück und sammelt auch die Enterprise ein, um sie auszuschlachten. Sie finden heraus, dass das nächste Ziel ein bewohnter Planet ist, Kirk muss also nicht nur die Enterprise retten, sondern auch verhindern, dass eine weitere Welt zerstört wird. Verantwortung, die ihn ein wenig überfordert …
Origin Story à la „Star Trek“
Wenn „The Sehlat who ate its Tail“ uns davon überzeugen sollte, dass wir dringend eine neue Serie mit Kirk brauchen (Backdoor-Pilot *hust*), weeeeeiß ich nicht, ob das so wirklich gelungen ist. Versteht mich nicht falsch, die Folge ist extrem spannend, sie lässt eine Menge Figuren glänzen und verzichtet komplett auf Romantikkram oder übertriebenen Humor. Aber irgendwas sitzt nicht richtig, vielleicht ist es zu gewollt oder es passiert einfach zu viel in nur einer Folge. Beim zweiten Schauen fand ich die Story besser, aber überzeugt bin ich trotzdem nicht.
„I’ve been flying by the seat of my pants this whole time, making call after call with no clue where they’d lead us, hoping I’d luck into the right one, and all I did was put us belly up in the path of the ultimate destroyer.“
Captain werden ist nicht schwer …
Was der Folge indes hervorragend gelingt, ist die klare Differenzierung zwischen Pikes und Kirks Führungsstil. Es gibt diese großartige Szene, als Spock, Scotty, Uhura und Chapel auf der Brücke der Farragut verschiedene Optionen diskutieren, wie sie das auch bei Pike machen. Wir kennen das inzwischen, er ermutigt das, er fragt seine Crew ständig nach Vorschlägen. Das ist kein Zeichen von Schwäche oder Unvermögen, sondern fördert den Zusammenhalt und das gegenseitige Vertrauen.
Kirks Reaktion darauf zeigt zweierlei. Zum einen, und das wissen alle, die die Originalserie gesehen haben, hat er tatsächlich einfach einen anderen Kommandostil. Er ist jemand, der die Dinge selbst durchdenkt und dann eine Entscheidung trifft. Auch das ist letztendlich nicht verkehrt, man kriegt kein Kommando, wenn man sich nicht entsprechend hervorgetan hat. Und für eine Crew kann es sicher auch ermutigend sein, einen so selbstsicheren und entschieden handelnden Captain zu haben.
Hier aber unterstreicht es zusätzlich Kirks Unerfahrenheit. Er ist in dem Moment einfach überfordert, eben auch, weil er glaubt, der Crew beweisen zu müssen, dass er zurecht das Kommando hat. Captain wird man nicht mal eben über Nacht, und wir dürfen nicht vergessen, dass Kirk auch seinen aktuellen Posten als Erster Offizier erst seit kurzem hat. Seine Unsicherheit ist realistisch und tut der Figur meiner Meinung nach extrem gut, weil sie dadurch zugänglicher wird.
Vergeudeter Gegner
Was für mich weniger gut funktioniert, ist der Gegner. Ich habe seit jeher ein Problem damit, wenn Serien gute Ideen wie Einweggeschirr behandeln, also für einen bestimmten Effekt nutzen und dann wegwerfen statt sie weiter zu nutzen. Erst bauschen sie die Bedrohung zu Beginn wahnsinnig auf, mit all den Namen, die das Schiff in 200 Jahren von verschiedenen Völkern erhalten hat. Und dann vernichten sie es innerhalb von Sekunden mit lächerlichen drei Torpedos. Entschuldigung, darauf ist 200 Jahre lang keiner gekommen?
Die große Enthüllung am Ende verpufft ebenfalls und dient spürbar nur dazu, so was wie eine Moral in die Geschichte zu popeln. Sind die Verbrechen dieser Leute plötzlich weniger verurteilenswert, weil es Menschen waren? Wiegt ihr Tod deshalb schwerer? Genau das impliziert man hier. Abgesehen davon, dass es viel interessanter gewesen wäre, mehr über das Schiff und seine Besatzung zu erfahren. Was haben sie erlebt, dass sie zu Räubern geworden sind und nie den Kontakt zur Erde gesucht haben? Kannten sie ihre Ursprünge überhaupt noch?
Pike: „I’d take a step back.“
La’an: „If it explodes, it will take out the entire engineering hull.“
Pike: „Big step back, then?“
Wireless wird überbewertet
Kommen wir noch zum Enterprise-Teil der Handlung, bei dem ich eher zweigeteilter Meinung bin. Ich hatte meine helle Freude an der Zusammenarbeit zwischen Pike und La’an. Die meisten Ensemble-Serien entwickeln mit der Zeit eine Vorliebe für bestimmte Figurenkonstellationen, und da ist es immer erfrischend, wenn einzelne Autoren daraus auch mal ausbrechen. Und generell habe ich definitiv eine Schwäche für „competence porn“.
Der ganze Part mit der Verkabelung des Schiffs, um per Telefon miteinander kommunizieren zu können, fühlte sich hingegen mehr nach Gimmick an. Es war lustig, aber der Folge hätte ohne das nichts gefehlt. Es unterstreicht leider nur den Eindruck, dass Pelia als reine Comic-Figur geschrieben ist. (Nichtsdestotrotz fand ich ihr Quartier toll und bin mir sicher, dass man dort etliche Eastereggs entdecken kann.)
The Sehlat who ate its Notes
• Hm, gab es da einen merkwürdigen Blick zwischen Kirk und La’an? Selbst Spock ist es aufgefallen.
• Von den Interaktionen innerhalb der TOS-Crew fand ich die zwischen Kirk und Scotty tatsächlich am besten. Das Gespräch mit Spock war eher nicht die große Offenbarung, obwohl der Episodentitel dort seinen Ursprung hat.
• War Ortegas’ „personal massager“ jetzt ein Vibrator-Witz oder lese ich da zu viel rein? Ich hab jedenfalls gelacht, aber ich bin ja auch sieben Jahre alt.
• Kein Fan des Schiff-Designs der Angreifer. Das Überdimensionierte, irgendwie Bullige passte schon, aber das „Maul“ mit Zähnen war einen Ticken zu viel.
3 ½ von 5 Bananen, die ohne Warpgondeln nach Hause kommen.