Im Schnelldurchlauf | Serien im September

„Es ist sehr einfach, einen Gott zu töten. Du musst nur aufhören, an ihn zu glauben.“
(„The Sandman“)

Erzählte ich schon, dass Netflix bei meiner letzten Kündigung mein komplettes Konto gelöscht hat? Inklusive zehn Jahre Daten, was mich interessiert? Jo, der Algorithmus bringt mir aktuell rein gar nichts, ich bin sehr auf Empfehlungen anderer angewiesen. Immerhin, dadurch habe ich schon ein paar schöne Sachen entdeckt. Spoiler!

Handbuch einer Anstandsdame (Staffel 1)

Madrid in den 1880ern. Elena Bianda ist eine gefragte Anstandsdame, die beste in der Stadt, wünscht sich jedoch eine langfristigere Anstellung. Mit viel Raffinesse erlangt sie einen Posten bei den Mencías, wo sie gleich drei Töchtern eine gute Partie verschaffen soll. Doch das ist gar nicht so leicht, denn Sara, die Älteste, möchte viel lieber Medizin studieren als heiraten, während die mittlere, Cristina, ihr Herz an einen jungen Mann verliert, der bereits anderweitig verpflichtet ist. Und dann verliebt sich auch noch einer der Anwärter in sie!

Es ist schade, dass die Serie durch ihre vorzeitige Absetzung nun auf einer traurigen Note endet, denn eigentlich ist „Handbuch einer Anstandsdame“ sehr, sehr fröhlich. Der Vergleich mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ist naheliegend, dennoch ist der Stil ein anderer und alles einen Ticken überdrehter. Fast ein bisschen zu sehr, ich zumindest fühlte mich zeitweise in eine Telenovela versetzt, mit einer schicksalhaften Wendung alle paar Minuten. Und doch, die Serie ist wahnsinnig charmant und hätte eine Fortsetzung mehr als verdient.

3 ½ von 5 heiratswilligen Bananen.

The Sandman (Staffel 2)

Destiny ruft die Geschwister zusammen, um eine kryptische Botschaft der Moiren mit ihnen zu teilen. Desire erinnert Dream daran, dass er einst seine große Liebe Nada in die Hölle verbannt hat, woraufhin er beschließt, sie endlich zu befreien. Doch in der Hölle erwartet ihn eine Überraschung: Luzifer hat gekündigt und überreicht Dream den Schlüssel zur Unterwelt. Schon bald stehen die Götter und Dämonen vor den Toren des Traumreichs Schlange, um die Hölle für sich zu beanspruchen.

Obwohl auch bei der zweiten Staffel von „The Sandman“ mancher Plot etwas wahllos wirkt, fühlte sie sich für mich kohärenter an. Vielleicht liegt es daran, dass Morpheus diesmal stärker im Mittelpunkt steht, es geht tatsächlich um ihn. Das ist in der ersten Hälfte der Folgen noch etwas abstrakt, steigert sich jedoch. Ein Highlight war für mich übrigens Delirium, aber es war insgesamt schön, diesmal mehr von den Geschwistern zu sehen. Nur das Ende war mir ehrlich gesagt zu rührselig.

4 von 5 Bananen, die sich nicht ändern.

„It’s funny. I’ve leaned on friends in the past. Never leaned so far my tongue fell into their mouths.“
(„Dr. House“)

Dr. House (Staffel 5)

Nach Ambers Tod braucht Wilson eine Auszeit, verlässt das Klinikum und kündigt die Freundschaft mit House auf. Der aber will nicht so leicht aufgeben und engagiert den Privatdetektiv Lucas, der bei der Gelegenheit auch gleich Cuddy und sein Team ausspioniert. Dabei erfährt House, dass Cuddy ein Baby adoptieren will, was die widersprüchlichsten Gefühle in ihm auslöst. Dreizehn nimmt wegen ihrer Huntington-Erkrankung an einer Studie teil, bei der auch Foreman mitarbeitet.

Jahre, nachdem ich die Serie das erste Mal geschaut habe, verblüfft mich heute vor allem, wie viele schräge Krankheiten es gibt. Ein wahres Eldorado für Hypochonder. Ansonsten aber bietet die fünfte Staffel nicht wirklich viel, etliche Plots sind gerade mal für eine Folge gut, andere wiederum drehen sich nur noch im Kreis. Staffelfinale aber können sie, das muss man ihnen lassen, diesmal sind es drei Folgen, die Houses langsamen Abstieg in den schmerzmittelinduzierten Wahnsinn dokumentieren.

2 ½ von 5 Bananen, die ganz bestimmt vom Toilettensitz schwanger sind.

Black Doves (Staffel 1)

Helen Webb arbeitet als Spionin für den privaten Informationshändler Black Doves und ist gleichzeitig mit dem britischen Verteidigungsminister verheiratet – eine Goldgrube. Als ihr heimlicher Geliebter Jason erschossen wird, steht plötzlich nicht nur ihre Tarnung auf dem Spiel, sondern bald auch ihr Leben und das ihrer Familie. Zusammen mit dem Auftragskiller Sam Young macht sich Helen auf die Suche nach den Verantwortlichen. Währenddessen kriselt es nach der Ermordung eines chinesischen Botschafters in der Regierung.

So ganz kann ich das überschwängliche Lob für „Black Doves“ nicht nachvollziehen, aber vielleicht ist das auch nur der Nähe von Spionagegeschichten zu Krimis geschuldet. Nach zwei Folgen habe ich jedenfalls schon nichts mehr verstanden und wurde von den Protagonisten quasi mitgeschleift. Die gute Besetzung ist auch das Einzige, was mich einigermaßen bei Laune gehalten hat, ehrlicherweise fand ich die sechs Folgen nämlich ziemlich langatmig. Zweite Staffel ist wohl schon bestellt, ich bin dann voraussichtlich raus.

2 von 5 genderneutralen Killerbananen.

„Meine Mutter ist kein Mafiaboss. Sie ist ’ne einflussreiche Frau mit kriminellen Eigenschaften.“
(„Black Doves“)

Eternauta (Staffel 1)

Juan Salvo und seine Freunde spielen gerade Karten, als offenbar durch einen EMP sämtliche Technik in Buenos Aires lahmgelegt wird. Kurz darauf fängt es an zu schneien und jeder, der mit diesem Schnee in Kontakt kommt, stirbt auf der Stelle. Die Gruppe verbarrikadiert sich zunächst, doch Juan will dringend Ex-Frau und Tochter suchen, also basteln sie einen provisorischen Schutzanzug. Der Schnee ist aber nicht das einzige Problem, offenbar ist auch das Magnetfeld der Erde außer Kraft gesetzt.

Mit einem aussagekräftigeren Titel und einem interessanteren Plakat würde „Eternauta“ sicher mehr Zuschauer locken. Ich jedenfalls wäre ohne persönliche Empfehlung nie drauf gekommen und wusste nicht, worauf ich mich da eigentlich einlasse. Ohne zu viel zu verraten: Es ist eine Invasions-Geschichte. Ruhig erzählt, sehr auf das Zwischenmenschliche fokussiert und teilweise sehr düster. Im Finale werden dann alle Register gezogen, und keine Sorge, eine zweite Staffel ist bestellt!

4 von 5 eingeschneiten Bananen.