Es ist still geworden in meiner Nähstube. An Ausreden mangelt es freilich nie, im Sommer war es mir zu heiß, jetzt im verregneten Herbst sind die Lichtverhältnisse schlecht. Ich hoffe dennoch, dass ich bald wieder produktiver werde, und erzähle euch bis dahin von zwei kleinen Resteverwertungen des Spätsommers.
Erfolg auf dem letzten Meter
Wer selbst näht, weiß, es gibt eigentlich nur zwei Arten von Stoffresten: die kleinen Fitzelchen, die bestenfalls noch als Kissenfüllung taugen, und der halbe Meter. Der halbe Meter ist mein Fluch. Weil ich beim Stoffkauf grundsätzlich großzügig bin, um bei Fehlern genug Spielraum zu haben, bleibt von jedem meiner Projekte in der Regel ein gutes Stück Stoff übrig. Zu viel, um es wegzuwerfen, aber zu wenig, um daraus noch irgendwas Substanzielles zu nähen. (Denn nein, ich brauche keine Millionen Scrunchies.)
Vor allem in den ersten zwei Jahren dieses Hobbys habe ich viele sehr expressiv gemusterte Stoffe gekauft. Dahinter stehe ich auch weiterhin, aber nun zeigt sich leider, dass genau diese Stoffe schwer zu kombinieren sind. Deshalb musste ich für diese beiden Shirts auch jeweils einen neuen, einfarbigen Stoff kaufen, was die ganze Idee der Resteverwertung ein bisschen torpediert, um ehrlich zu sein. Ich hoffe einfach darauf, dass ich sie irgendwann noch mal mit etwas kombinieren kann.






Fürs Design der Shirts habe ich das Schnittmuster von „Valentina“ gehackt. Da ich hier jeweils einen Webstoff mit einem Jersey kombiniert habe, brauchte ich ein Muster, das an Ausschnitt und Armen ohne Stretch funktioniert. Die Abwandlung mit Rundhalsausschnitt hatte ich ja schon mal gemacht, jetzt habe ich das Vorderteil nur noch geteilt und den unteren Part breiter gemacht, um eine leichte Raffung zu erzielen. Das Rückteil funktioniert ähnlich, hier habe ich jedoch auf die Raffung verzichtet.
Fehlstart in den Herbst
Konkrete Pläne für die kalten Monate habe ich übrigens noch nicht. Aktuell arbeite ich zwar endlich an dem Sixties-Kleid, fürchte aber, dass ich das nicht mehr fertig kriege, bevor es zu kalt wird, um es dieses Jahr noch zu tragen. Bislang komme ich nämlich nur sehr schleppend voran, da ich erfolgreich verdrängt hatte, was für eine fundamentale Katastrophe Viskosejersey ist. Und, siehe oben, wie dunkel manche Herbsttage.
Ob ich dazu komme, mir wie erhofft einen zweiten Winterrock zu nähen, kann ich auch noch nicht sagen. Es scheitert bislang am passenden Stoff, denn ich hätte gerne entweder einen Baumwollsamt (sehr schwer zu finden, meist ist es Polyester) oder einen karierten Flanellstoff, im Idealfall zumindest mit einem Wollanteil. Leider ist die Farbauswahl derzeit sehr deprimierend und wird von Grautönen dominiert. Die Suche geht also erst mal weiter.
8
Das Walshirt gefällt mir echt gut, der Musselin passt farblich perfekt.
Toitoitoi für dein Kleid! Viskosejersey klingt aber auch fies.
Ich hab mir auch eine Art neues „Projekt“ vorgenommen, noch eine Interpretation meines Mantels. Aber noch ist nicht sicher, obs überhaupt kommt. Mehr im nächsten Brief, wenn ich dann mehr weiß. 😉
Oje, ich weiß noch, dass ich gerade mit dem Brief dran bin, kann aber nicht versprechen, dass ich vor meinem langen Dezember-Urlaub dazu komme. 🙈 Sieh es positiv, bis dahin ist der Mantel vielleicht schon fertig und du kannst stolz davon berichten, hehe.
Hätte ich den Stoff nicht günstig als Rest gekriegt, hätte ich jedenfalls freiwillig keine Viskose mehr genommen. Der ist beim Nähen nur mit jeder Menge wasserlöslichem Vlies beizukommen, weil sie sonst ständig von der Maschine „gefressen“ wird.