Star Trek: Strange new Worlds | New Life and new Civilizations (3×10)

„What if they are the evil that predates doing evil? What if they are evil itself?“

Die Enterprise stellt sich dem entflohenen Vezda. Dabei scheint Marie Batel eine entscheidende Rolle im Kampf Gut gegen Böse zu spielen. Spoiler!

After all, isn’t this what we’re fighting for?

Bei einer Routineüberprüfung des medizinischen Transporters stellt Scotty fest, dass der Vezda offenbar die gespeicherten Daten von Gamble heruntergeladen hat. Die Spur führt zum Planeten Skygowan, wo Dr. Korby gerade weitere archäologische Forschungen zu den Vezda betreibt. Einem Außenteam gelingt es, sich an den Tempelwachen vorbei zu mogeln, doch Gamble erwartet sie bereits und benutzt M’Benga, um durch ein Quantentor in den Tempel auf Vadia IX zurückzukehren. Gleichzeitig setzt bei Batel eine Veränderung ein, und sie erkennt, dass sie schon immer dazu ausersehen war, die Vezda in ihrem Gefängnis zu bewachen.

Emotional, aber inhaltlich viel Chaos

Es ist für mich in dieser Staffel ein durchgängiges Phänomen: Mein Fan-Herz ist begeistert, doch mein rationales Reviewer-Gehirn windet sich in Qualen. Was soll man daraus machen? „New Life and new Civilizations“ trifft emotional exakt die richtigen Töne, aber inhaltlich ist die Folge komplett überfrachtet und setzt seltsame Akzente. Vielleicht wäre ein Zweiteiler hier nicht verkehrt gewesen, um einfach etwas Ruhe ins Geschehen zu bringen. Auf der anderen Seite: Ist es nicht genau das passende Finale für diese unebene Staffel?

Pike: „What, you’re saying Marie is somehow connected to the Beholder statue on Vadia Nine?“
Chapel: „No. According to this … She is the statue. The statue is her.“

Undifferenzierter Fantasy-Quatsch

Einer meiner größten Kritikpunkte in den späteren Staffeln von „Star Trek: Deep Space Nine“ war seinerzeit das zunehmende Abdriften in Fantasy-Gefilde. Dass man die Propheten stets wissenschaftlich schlüssig erklären konnte, trug viel zum Charme der Serie bei, doch spätestens mit „The Reckoning“ schien das vergessen. Ganz ähnlich fühle ich nun bei den Vezda, die nicht einfach nur Gegner oder meinetwegen Feinde sind, sondern aus dem Nichts als das ultimativ Böse bezeichnet werden. Noch biblischer ging es wohl nicht?

„Star Trek: Strange new Worlds“ tappt damit in die gleiche Falle wie schon bei den Gorn, die quasi aus dem Stand zu Monstern erklärt und nie wirklich rehabilitiert wurden. Ganz davon abgesehen, dass wir mit den Vezda viel zu wenig Zeit verbracht haben, um sie wirklich zu verstehen, wird der Kampf gegen sie mal eben zum schicksalshaften Gut gegen Böse hochstilisiert, um das gesamte Universum zu retten. Die Menschen sind dabei natürlich die Guten. Ach ja, und Liebe ist die Antwort. Logisch.

Es geht um Batel – und irgendwie auch nicht

So richtig mag sich „New Life and new Civilizations“ auch nicht entscheiden, ob es eine plotgetriebene oder eine emotionale Folge sein will. Zu Beginn folgt die Handlung dem Schema „und dann geschah das“. Das heißt, man hangelt sich irgendwie von einem Punkt zum nächsten, ohne dass der Zusammenhang für den Zuschauer nachvollziehbar ist. Abschiedsparty, Korby, Gamble, dann sind sie auch schon auf Skygowan und M’Benga meint, es sei sein Schicksal, doch daran will sich später sowieso keiner mehr erinnern.

Der emotionale Kern ist natürlich das Schicksal von Marie Batel, auch wenn der Effekt letztendlich schwach ausfällt. Die Figur wurde eigentlich immer nur auf „Pikes Freundin“ reduziert, selbst diese Staffel thematisierte mehr ihre Heilung von der Gorn-Infektion als sie als Person. Ironischerweise passt dadurch sogar die abgeklärte Art, mit der sie sich in ihr Schicksal als „Beholder“ fügt. Hey, ich hab sowieso keinen eigenen Charakter, also kann ich mich auch gleich auf eine reine Funktion reduzieren lassen.

Das Einzige, was in diesem Zusammenhang funktioniert, ist die … ich nenne es mal Traumsequenz. Die Illusion eines Lebens, das Pike und Batel hätten haben können. Auch hier hat man sich wieder bei „Star Trek: The Next Generation“ bedient (namentlich die Folge „The Inner Light“), doch warum man uns nicht schon vorher mehr von der Beziehung gezeigt hat statt sich so auf Spocks Liebesleben zu fokussieren, wissen wohl auch nur die Autoren. Vor allem, da die Staffel ja mit Blick auf genau dieses Ende geschrieben wurde.

„The Beholder’s biosignature is mine. Because I am the sentry. I have always been. Effect before cause, remember? Everything that happened to me was so I could do this. So I could be this. So I could stand where I have always stood. It’s my destiny.“

Mal eben schnell die Welt retten

Ich frage mich tatsächlich, ob das Drehbuch ursprünglich nicht viel ausführlicher war und einige Szenen der Schere zum Opfer gefallen sind. Anders kann ich mir nicht erklären, dass manches so extrem gehetzt wirkt, anderes in die Länge gezogen wird und teilweise ganze Zwischenschritte wegfallen. Wieso zum Beispiel verplempert man so viel Zeit mit diesem Tandem-Stunt der Enterprise und der Farragut (inklusive Geistesverschmelzung), um eine Tür zu öffnen?

Im Gegenzug vergisst man, zu erzählen, wie Pike und M’Benga wieder aus dem Gefängnistempel auf Vadia IX rausgekommen sind, tja. Vor allem am Ende geht ihnen spürbar die Zeit aus. Nach der langen Traumsequenz besiegt Batel die Vezda innerhalb weniger Sekunden, indem sie mal eben mit den (leuchtenden) Armen wedelt. Und da wollt ihr uns weismachen, dass sie das ultimativ Böse sind, die älteste Macht im Universum?

Pikes Reaktion auf Batels Verlust möchte ich übrigens bewusst hervorheben, denn allzu oft simplifizieren Shows den Trauerprozess. Ich interpretiere das so, dass er noch gar nicht wirklich erfassen kann, was passiert ist. Natürlich wäre das nachvollziehbarer, wenn die Folge mehr als zwei Minuten dafür aufbringen könnte. Und dieser merkwürdige Epilog auf der Brücke hätte nicht mal sein müssen, das Ende davor war perfekt.

„Living our lives like this, we got lucky. You’ve given me everything I needed. And more than I could’ve hoped for. I needed to have this first. So I can say goodbye and still remember you. Still remember us.“

Die dritte Staffel: Romcom mit Spezialeffekten

Wie immer bleibt an dieser Stelle nur noch der kritische Blick auf die gesamte Staffel, und kritisch muss ich da in der Tat sein. Mehr als je zuvor erweckt „Strange new Worlds“ den Eindruck, als wisse es nicht recht, was es sein will. Während die erste Staffel stark auf Charakterfolgen setzte und damit äußerst erfolgreich war, versuchte man in der zweiten stärker plotbasiert zu arbeiten. Das führte damals zu einigen sehr gelungenen Folgen, fühlte sich in der Summe aber sprunghaft und beliebig an.

Die dritte Staffel sollte diese beiden Extreme offenbar vereinen, doch alles, was den Autoren zu den Charakteren einfiel, waren Liebeleien und Beziehungsdrama. Da ist keine persönliche Entwicklung mehr erkennbar, die Figuren treten auf der Stelle und reagieren nur noch auf äußere Umstände. Am problematischsten finde ich jedoch die zunehmende Fixierung auf Gimmick-Folgen – seien es Zombies, Holodeck oder Dokumentation –, die reiner Selbstzweck sind und nicht mehr dazu dienen, eine Geschichte zu erzählen.

Damit will ich nicht sagen, dass alles an dieser Staffel schlecht war. Im Großen und Ganzen war sie durchschnittlich, aber das ist etwas wenig für „Star Trek“. Was mir dabei am meisten Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die vierte Staffel bereits abgedreht war, bevor die dritte vollständig gesendet wurde. Was immer wir auch kritisiert haben, ein Umsteuern ist nun nicht mehr möglich. Und so sehr ich mich auf die Muppet-Episode auch freue, sie unterstreicht letztendlich nur meine Kritik.

Was würde ich mir wünschen? Weniger Experimente, dafür mehr klassisch erzählte Geschichten mit guten Plots und/oder interessanten Charakterentwicklungen. Deutlich weniger Liebeskram. (Ernsthaft jetzt.) Bessere Erklärungen dafür, warum Kirk auch diese Woche wieder vorbeischaut? Bitte kein Vulkanier-Bashing mehr. Sybok? Oh, mehr originale Storys wären auch toll, obwohl ich natürlich weiß, dass alles schon mal erzählt wurde. Aber dann klaut wenigstens nicht immer nur bei euch selbst, sondern auch mal bei anderen. 😏

New Notes and new Civilisations

• Was genau der Titel dieser Folge mit ihrem Inhalt zu tun hat, hat sich mir übrigens nicht erschlossen.
• Großartiger Rückbezug zu „Children of the Comet“: Diesmal wird Newbie Scotty reingelegt und erscheint in formaler Kleidung (aka im Kilt) zur Party bei Pike.
• La’an hat von Spock den vulkanischen Nackengriff gelernt und Chapel ist neidisch. Ja, ja, was Vulkanier wohl noch so alles mit ihren Fingern anstellen können, ähem …
• Wir lernen aus Batels llusion: Nicht etwa ein eigenes Kommando ist ihre Vorstellung vom perfekten Glück, sondern Hausfrauendasein und Mutterschaft. Das kam unerwartet.
• Ihr kennt meine Einstellung zu Popsongs in Sci-Fi, aber man hätte es schlechter treffen können als mit „Wait“ von M83. (Ich stelle mir gerade das runtergenudelte „Run“ von Snow Patrol zu der Montage vor.)

3 von 5 schicksalsergebenen Bananen.

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