„I had problems with other human beings before I was shot.“
(„Dept. Q“)
Ich gebe zu, ich hetze gerade ein bisschen durch „Dr. House“, weil ich’s irgendwie auch hinter mich bringen will (die späteren Staffeln sind echt nicht so dolle). Aber etwas Raum für neue Sachen blieb trotzdem – und es waren wieder ein paar klasse Highlights dabei. Spoiler!
Das Reservat (Miniserie)
Das philippinische Au-pair Ruby verschwindet eines Tages spurlos aus dem Haus ihrer wohlhabenden Gastfamilie. Die ärgert sich vor allem über die Unannehmlichkeiten und meldet das Verschwinden erst zwei Tage später. Nachbarin Cecilie glaubt nicht, dass Ruby abgehauen ist, denn am Abend vorher hatte das Mädchen sie noch um Hilfe gebeten. Als sie eine Mülltonne untersucht, bei der sie Ruby zuvor noch gesehen hatte, findet sie die Verpackung eines Schwangerschaftstests – der Grund für ihr Verschwinden?
Ich tat mich anfangs etwas schwer mit dem unterkühlten dänischen Charme der Serie. Doch je mehr Details zu Tage treten, desto spannender wird „Das Reservat“, auch wenn ich recht früh einen Verdacht hatte, der sich dann auch bewahrheitete. Während „Sirens“ die Upperclass noch als exzentrische Traumtänzer charakterisierte, versteht diese Miniserie keinen Spaß und zeichnet ein schonungsloses Bild empathieloser Egomanen, die glauben, ihre Angestellten seien ihr Besitz. Starke Serie.
5 von 5 heimlich gefilmten Bananen (ohne Schale).
Dr. House (Staffel 6)
House bringt erfolgreich seinen Entzug hinter sich, will zunächst aber nicht in die Klinik zurückkehren, weil er glaubt, die Arbeit sei die Ursache seiner Sucht. Doch das ganze Gegenteil ist der Fall, und während House auf seine Wiederzulassung wartet, übernimmt zunächst Foreman das Team. Weil er dabei massiv den Chef raushängen lässt, leidet seine Beziehung mit Dreizehn, bis er sie schließlich feuert. House versucht nun ernsthaft, mit Cuddy anzubandeln, doch die ist mittlerweile mit Privatdetektiv Lucas zusammen.
Die 6. Staffel von „House“ ist schwierig. Der Eingangszweiteiler in der Reha ist meisterhaft, ein richtiger kleiner Film. Auch die neue Dynamik, als House bei Wilson einzieht, damit der ein Auge auf ihn haben kann, und die Spannungen mit Cuddy machen viel Spaß. Doch die Fälle sind bis auf wenige Ausnahmen einfach austauschbar und dienen nur noch als Kulisse für den Beziehungskram. Zumindest erinnere ich mich langsam wieder daran, warum ich damals irgendwo in der nächsten Staffel ausgestiegen bin …
3 von 5 Bananen, die Mord einer Fehldiagnose vorziehen.
Liam: „I heard you were dead.“
Mørck: „Only on the inside.“
(„Dept. Q“)
Dept. Q (Staffel 1)
Detective Carl Mørck kehrt an seinen Arbeitsplatz zurück, nachdem er und sein Partner bei einer Schießerei verletzt wurden. Keiner ist so richtig glücklich über seine Rückkehr, und als die Regierung eine neue Einheit bilden will, schiebt Chefin Jacobson kurzerhand Mørck dahin ab. Im Keller untergebracht, ohne Budget (das gibt Jacobson lieber selbst aus) und nur mit dem zivilen Angestellten Akram an seiner Seite soll Mørck ungelöste Fälle wieder aufrollen, um die Aufklärungsrate der Behörde aufzupolieren. Ihre Wahl fällt auf die vor vier Jahren spurlos verschwundene Staatsanwältin Merritt Lingard.
Mensch, werdet ihr jetzt sagen, wieso um alles in der Welt schaust du „Dept. Q“, wo du doch bei jeder Gelegenheit betonst, wie sehr du Krimis hasst? Die Wahrheit? Matthew Goode. Und meine morbide Faszination für kaputte Figuren. (Wieso, glaubt ihr, würde ich sonst „Dr. House“ gucken?!) Auch wenn mir der Kriminalfall nicht so wahnsinnig viel gab, hatte ich meine helle Freude mit der schottischen Schnodderigkeit (Originalfassung lohnt sich hier) und den eigenwilligen Typen. Zweite Staffel ist zum Glück schon bestellt und braucht hoffentlich nicht so lange!
4 ½ von 5 Bananen, die niemandes fucking Mentor sind!
Wednesday (Staffel 2)
Die Sommerferien hat Wednesday Addams besten genutzt, um ihre übersinnlichen Fähigkeiten zu trainieren und einen Serienmörder zu überführen. Doch bei ihrer Rückkehr an die Nevermore Academy wird sie zu ihrem Leidwesen wie ein Star gefeiert. Nach einer Vision, die ihr den Tod ihrer Zimmergenossin Enid zeigt, verliert Wednesday ihre Fähigkeit und muss mit guter alter Detektivarbeit herausfinden, wie sie Enid retten kann. Ihre Recherchen führen zur psychiatrischen Anstalt Willow Hill.
Wie schrieb ich seinerzeit zur ersten Staffel? „Wednesday“ macht nicht viel falsch, überrascht einen aber auch nicht wirklich. Das Urteil gilt weiterhin, auch diese zweite Staffel unterhält, spielt mit typischen Klischees von Gute und Böse, und setzt voll auf sein buntes Potpourri schräger Charaktere. Die große Idee aber bleibt aus, zumal die wenigen ernsthafteren Töne schnell wieder im allgemeinen Trubel untergehen. Für Netflix ein Erfolgsrezept, wie es scheint, die nächste Staffel ist schon bestellt.
2 ½ von 5 Bananen im dunklen Tunnel am Ende des Lichts.
„The only time you’re afraid is when you’re happy. You don’t expect it to last.“
(„Dr. House“)
Dr. House (Staffel 7)
House und Cuddy sind jetzt ein Paar und nehmen die Sache – allen Unkenrufen zum Trotz – ausgesprochen ernst. Doch das erfordert nicht nur privat eine gewisse Anpassung, sondern auch beruflich, denn Cuddy fällt noch immer die Aufgabe zu, House im Zaum zu halten. Weil Dreizehn für unbekannte Zeit die Klinik verlassen hat, braucht das Team eine Vertretung für sie, und Cuddy überredet House, der genialen Medizinstudentin Martha Masters eine Chance zu geben. Die aber ist eine Verfechterin radikaler Ehrlichkeit.
Ich nehme es den Autoren der Serie bis heute übel, dass sie zu feige waren, House und Cuddy ein Happyend zu gönnen. Zumal die Probleme hausgemacht sind, denn außer Sex und Kabbeleien sehen wir von der Beziehung faktisch null. Und die Staffel hätte mehr bitter nötig gehabt, denn der Klinikalltag und die Fälle retten auch nichts. Da ist keine Geschichte dabei, die heraussticht, und Masters ist leider auch kein adäquater Ersatz für Dreizehn. Damals bin ich hier ausgestiegen, diesmal werd ich mir auch die finale Staffel antun.
2 ½ von 5 Bananen beim Kuchenwettessen.
Adolescence (Miniserie)
Am Morgen, nachdem die Schülerin Katie Leonard brutal erstochen wurde, stürmt die Polizei das Haus von Familie Miller und nimmt den 13jährigen Jamie fest. Obwohl der Junge seine Unschuld beteuert, ist er der Hauptverdächtige, da öffentliche Kameras festgehalten haben, wie er Katie am Abend zuvor körperlich angegriffen hat. Bei der Suche nach der Tatwaffe und dem Motiv erfahren die Ermittler, dass Katie Jamie offenbar in den sozialen Medien als „Incel“ angeprangert hat.
Selbst, wenn die Story nicht sauspannend wäre, hätte „Adolescence“ allein aufgrund seiner Produktionsart einen Ehrenplatz unter den besten Serien der letzten Jahre verdient. Vergesst die gelegentliche ungeschnittene Szene, hier wurden alle vier Folgen jeweils am Stück und ohne einen einzigen Schnitt gefilmt. Und das ist bei weitem nicht nur Angeberei um seiner selbst willen, sondern führt zu einem ungeahnt rohen und unmittelbaren Seherlebnis. Vor allem Jamies Gespräch mit der Gutachterin in Folge 3 ist eine Wucht.
4 ½ von 5 Bananen und ein Käsesandwich mit Gurke.