„If you can guarantee their safety, we could begin to suggest voluntary repatriation of the refugees pending international monitoring by the UN.“
Commander Lawrence und Serena rühren die Werbetrommel für New Bethlehem. Nick hilft June dabei, Luke und Moira aufzuspüren. Spoiler!
We broke this country, and now we have to fix it
In New Bethlehem findet eine große Werbeparty statt, zu der auch Vertreter anderer Nationen eingeladen sind. Die sind zunächst noch etwas reserviert, klingen die Versprechen doch alle ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Doch Serena erweist sich als echtes Verkaufstalent und zieht die Besucher auf ihre Seite. Nick, der eigentlich auch bei der Veranstaltung sein sollte, trifft sich derweil mit June und erklärt sich bereit, ihr bei der Suche nach Luke und Moira zu helfen. Unterdessen erfährt Aunt Lydia, dass Janine und andere in Ungnade gefallene Mägde bei den Jezebels gelandet sind.
Durchwachsene Folge
„Devotion“ ist nicht die originellste aller Folgen, in vielerlei Hinsicht dreht sich „The Handmaid’s Tale“ durch die lange Laufzeit mittlerweile nur noch im Kreis. So fand ich die Befreiungsaktion in No Man’s Land inklusive neuerlicher Gesprächstherapie zwischen June und Nick eher ermüdend. Wesentlich interessanter ist New Bethlehem, bei dem ich nach wie vor auf den großen Haken warte. (Es muss ihn geben, oder?) Und bei Lydia arbeitet man jetzt leider auch sehr plump in Richtung Spin-off. Kein Glanzstück.
Nick: „It shouldn’t be a hard sell. Other countries are dying to get rid of our refugees.“
Lawrence: „Well, sending your people to a country that routinely slaughters its own citizens isn’t a good look for them. We need to show these diplomats we’re as safe as Disneyland.“
Eine Aufsteigerin und eine Verliererin
Lasst mich kurz etwas in die Runde werfen, was ihr ganz sicher erst mal total lächerlich findet: Serena und Lydia sind sich sehr ähnlich. Doch hört mich an, denn tatsächlich ist es ein sehr interessantes Detail, dass die Frauen in Gilead mehrheitlich gläubiger sind als die Männer. Sowohl Lydia als auch Serena zeichnet die tiefe Überzeugung aus, dass Gott über sie wacht, und dass Gilead im Kern der richtige Weg ist.
Aber, und hiermit hole ich euch hoffentlich wieder ab, Serena macht sich nichts mehr vor, was die Degeneration der Männer angeht. Lydia hingegen legt ein Maß an Naivität an den Tag, das geradezu lächerlich wirkt. Wie kann sie seit so vielen Jahren Mägde ausbilden und die Augen davor verschließen, dass sie von ihren „Herren“ wie Tiere behandelt werden? Wie kann sie ernsthaft glauben, dass sie in irgendeiner Weise für ihren Dienst „belohnt“ werden?
Wenn wir zurückdenken, schien Lydia einst sogar eine höhere Stellung zu haben als Serena. Sie hatte eine gewisse Macht über die Commander und ihre Ehefrauen, und machen wir uns nichts vor, sie hat das mehr als einmal auch ausgenutzt. Aber irgendwann hat sich das Blatt gewendet, und während es Serena geschafft hat, sich mehr Einfluss zu erkämpfen, ist Lydia zur Bittstellerin geworden.
Ein Utopia oder die nächste Falle?
Wie ich schon sagte, ist New Bethlehem ein interessantes Konzept, weshalb ich diesen Plot gerade auch so aufregend finde. Es klingt alles verdächtig gut, und so stellt sich zwangsläufig die Frage: Was an New Bethlehem ist eigentlich noch Gilead? Wenn Frauen dort lesen, schreiben und arbeiten dürfen und die Bewohner keine Mägde haben, was unterscheidet diesen Ort eigentlich von jedem anderen auf der Welt? Vielleicht hängt alles an einer Frage, die bislang auffallend niemand stellt: Können die Leute auch wieder gehen, wenn es ihnen nicht gefällt?
Ich frage mich zunehmend, welche Motive Lawrence hat. Er als „Architekt“ Gileads fühlt womöglich eine Verpflichtung, die Idee so weit zu verwässern, dass sie für beide Seiten gerade noch so funktioniert. Das Problem ist, dass – wie die Vergangenheit bereits gezeigt hat – viele Commander ihre Macht nicht einfach so wieder hergeben werden. Wharton dämpft die Erwartungen nicht umsonst, er weiß, dass das Projekt bei den Männern auf wenig Gegenliebe stößt.
Serena auf der anderen Seite ist wie eine gesprungene Schallplatte und erzählt was von sauberer Luft und sauberem Wasser. Das ist das Gilead, das sie der Welt verkaufen will. Dass etliche Kinder nur deshalb geboren werden, weil Frauen regelmäßig rituell vergewaltigt werden, spielt in ihrer kleinen Fantasiewelt keine Rolle. Übrigens: Sind euch die „Bediensteten“ in New Bethlehem aufgefallen? Ich frage mich, ob das wohl Marthas sind …
„And, also, my son would not exist if it were not for the measures that Gilead had taken. Gilead cleaned the water, we cleaned the air. Our women are getting pregnant, and our children are thriving. And that is not something that any of you can say on behalf of your countries. We all need … the world needs New Bethlehem to work and to grow and to thrive.“
Alle lieben June
Junes Rettungsaktion für Luke und Moira ist im Grunde ein bisschen lächerlich, weil sie so unkompliziert verläuft, dass man sich fragt, warum man ausgerechnet sie dafür brauchte. Ja, ja, ich weiß schon, Nick. Der macht mich mittlerweile echt fertig, weil er die Seiten öfter wechselt als seine Unterhosen. Glauben wir, dass er Tuellos Anrufe künftig wieder annehmen wird? Nope. Er kam eindeutig nur wegen June.
Und ich muss sagen, ich bin diese Dreiecksgeschichte mittlerweile auch einfach leid. June liebt Nick, hat sich aber für Luke entschieden, weil der jahrelang auf sie gewartet hat? Was für eine irre Sichtweise. Und Nick liebt June, aber bleibt bei Rose, weil …? Ich fand es fast unfreiwillig komisch, dass Luke gerade darüber lamentiert, was für ein Versager er ist, als auch schon June mit Nick im Schlepptau zur Rettung anrückt.
Blessed be the fruit
• Serena spricht Lawrence darauf an, dass er offenkundig nicht an Gott glaubt. Der Witz ist, dass sie trotzdem glaubt, Gott handle durch ihn.
• Ich werde mich nie daran gewöhnen, wie besessen in dieser Welt alle von Babys und Schwangeren sind.
• Okay, helft mir mal: Wieso lügt Lawrence für Nick, als der nicht bei der Werbeparty auftaucht? Ahnt er, dass es mal wieder mit June zu tun hat?
3 von 5 Bananen, die die Werbetrommel rühren.