The Handmaid’s Tale | Promotion (6×04)

„Well, let’s get this party started!“

Während June nach Alaska zurückkehren will, melden sich Luke und Moira erneut für eine gefährliche Mission in Gilead. Spoiler!

If you wanna fight, then let’s fight together

Mayday plant den Großangriff: Zuerst wollen sie die Commander bei den Jezebels töten, anschließend mehrere Bomben in Gilead zünden. Dass Luke die Bomben selbst platzieren will, passt June überhaupt nicht, sie dachte, sie kehren sofort gemeinsam nach Alaska zurück. Als sich dann auch noch Moira für die Jezebels-Mission meldet, will June die Sache selbst in die Hand nehmen. Währenddessen feiert Lawrence seine Beförderung zum High Commander. Bei den Jezebels trifft er Janine wieder, die ihn bittet, ihre Tochter Angela zu beschützen.

Noch mehr Exposition statt Action

„Promotion“ finde ich ein bisschen schwierig. Wir befinden uns fast in der Mitte der Staffel, doch nach wie vor fühlt sich alles nur wie Vorgeplänkel an. Ich erkenne aber an, dass sie hier wohl einen der größeren Plots einleiten, nämlich den Anschlag auf Gilead, um ein paar der schlimmsten Commander zu töten. Den Konflikt zwischen June, Luke und Moira fand ich persönlich etwas konstruiert – wieso, werde ich später noch erklären. Die Folge rückt jedenfalls viele Figuren an neue Plätze, was hoffentlich bedeutet, dass es nächste Woche endlich mal zur Sache geht.

Naomi: „The High Commanders share a very specific set of priorities.“
Lawrence: „I know their priorities.“
Naomi: „They derive their sense of power from their virility.“
Lawrence: „Power will come from reform.“

Der komplizierte Commander Lawrence

Ich muss sagen, ich finde es fast ironisch, dass die Aktion von Mayday Commander Lawrence am Ende sogar nützen könnte. Er kämpft mit seinen „liberalen“ Plänen schließlich genau gegen jene Hardliner an, die sie nun töten wollen. Eigentlich bin ich sogar überrascht, dass sie ihn zum High Commander ernannt haben, allerdings habe ich seine Position innerhalb der Hierarchie Gileads ohnehin nie so recht verstanden. Vielleicht denken sie, sie kriegen ihn mit Partys und teuren Uhren schon irgendwie weichgeklopft.

Trotz allem war der Plot um Lawrence der, der mich hier am meisten interessiert hat. Seine Abmachung mit Janine ist entscheidend, angefangen bei der Zeichnung von Angela, die er ihr mitbringt, bis hin zu der Szene, wo er dem Mädchen aus Frances Hodgson Burnetts „A little Princess“ vorliest. Ich glaube, das Problem mit Lawrence ist, dass er vieles nur abstrakt betrachtet, sein Gilead war ein reines Konstrukt, ohne Blick auf die Menschen. Angela aber ist konkret, Janine hat sie ihm quasi persönlich anvertraut.

Streit um des Streitens willen

Was mich an „Promotion“ am meisten irritiert, ist Junes defensive Haltung, die völlig aus dem Nichts kommt. Will sie Luke und Moira ernsthaft einen Vorwurf machen, weil sie kämpfen wollen? Nachdem sie es selbst Mal um Mal abgelehnt hat, einfach ihre Freiheit zu genießen? Entschuldigung, aber hat sie nicht erst letzte Woche zu Holly gesagt, sie werde die Marke an ihrem Ohr erst entfernen lassen, wenn alle Frauen aus Gilead befreit sind?

Ich verstehe schon, dass man darauf hinaus will, dass sie sich darum sorgt, dass sie bei der Sache draufgehen. Aber Luke und Moira ging es ja nicht anders, wann immer June mal wieder eine ihrer Anwandlungen hatte. Wenn man bedenkt, was die alle schon durchgemacht haben, hätte ich ein wenig mehr gegenseitiges Verständnis erwartet. Oder zumindest die Bereitschaft, einander erst mal zuzuhören, bevor man sich anschreit.

June: „You don’t think I want to see those Commanders dead? You don’t think I want to hurt Gilead?“
Luke: „Yeah, you have. Many times. This is my turn.“

New Bethlehem schafft mehr Probleme als es löst

Bleibt noch New Bethlehem. Obwohl die anderen sie davor gewarnt haben, fährt Rita nun doch hin und wird ausgerechnet von Serena begrüßt. Nachdem Sie nun endlich wieder mit ihrer Schwester vereint ist, beschließt sie, in New Bethlehem zu bleiben – aber nur, bis Nick ihre ganze Familie rausgeholt hat, wie sie betont. Womit die Frage erneut auf dem Tisch liegt: Dürfen sich die Bewohner New Bethlehems frei bewegen und entsprechend auch wieder aus Gilead fortziehen?

Tatsächlich wirft die Existenz New Bethlehems eine Reihe weiterer ethischer Fragen auf. Wir wissen, die Stadt ist ausschließlich für Rückkehrer gedacht, also Leute, denen die Flucht aus Gilead gelungen ist. Keine Magd und keine Martha kann einfach sagen, cheerio, Leute, ich ziehe nach New Bethlehem. Wie aber will man weiterhin die Versklavung von Frauen rechtfertigen, wenn Rückkehrer „freier“ in Gilead leben dürfen? (Das meinte ich mit Lawrences abstrakter Sicht auf Dinge. Ich wette, dieser Widerspruch ist ihm noch nicht mal aufgefallen.)

Blessed be the fruit

• Dass Lukes Anklage so mir nichts, dir nichts fallengelassen wird, war eine ziemlich bequeme Drehbuchentscheidung. Ich dachte, Kanada will die diplomatischen Beziehungen zu Gilead normalisieren. Jetzt sind sie insgeheim doch froh, wenn Mayday Commander tötet?!
• Täusche ich mich oder flirtet Commander Wharton mit Serena? Ihm könnte diese Ehe vielleicht sogar nützen, aber ist Serena dumm genug, sich erneut darauf einzulassen, zum Besitztum eines Mannes zu werden?

2 ½ von 5 Bananen und eine goldene Uhr.

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