The Handmaid’s Tale | Janine (6×05)

„Your guilt, your feelings, your friends, your trauma. You, you, you. Do you have any idea how fucking sick of you I am?“

June und Moira schleichen sich als Marthas bei den Jezebels ein, um Janine in den Plan von Mayday einzuweihen. Spoiler!

If we start comparing our suffering, then those fuckers have won

Luke bringt June und Moira als Marthas getarnt zu den Jezebels. Dort erfahren sie, dass sich die hochrangigen Commander im Penthouse vergnügen, und verschaffen sich mit einer Lüge Zugang dazu. Sie finden Janine, die ihnen vom geheimen Aufzug erzählt und den Code dafür verrät, bevor sie zu Commander Lawrence zurückkehren muss, um keinen Verdacht zu erregen. Als June und Moira zum Treffpunkt mit Luke zurückkehren wollen, werden sie jedoch von einem Guardian aufgehalten. Währenddessen hat Serena ein weiteres Date mit Commander Wharton, der ihr einen Heiratsantrag macht.

Die Sache kommt ins Rollen

Okay. Ja. Find ich tatsächlich schwer zu bewerten, weil die Folge viele spannende Wendungen bereithält, mir aber wiederum zu sehr in diese Schuld-Schiene rutscht. Doch wie ich schon letzte Woche vermutet habe, kommt immerhin etwas Bewegung in die verschiedenen Plots. Vor allem die Rolle von Commander Lawrence könnte noch interessant werden, nun, da er weiß, dass die anderen Commander ihn eigentlich nur „aushalten“, um ihre Vorstellung von Gilead durchzusetzen.

„We need to bring back as many people as we can first. Re-absorb the populace. Close down New Bethlehem and its offshoots. Close the borders. Reinstitute tradition. Lawrence will be the unwitting father of the second biggest coup in modern history.“

New Bethlehem als trojanisches Pferd

Lasst mich auch gerade dabei bleiben. Ich schrieb schon mehrfach, dass New Bethlehem in jeder Hinsicht zu gut klingt, um wahr zu sein. Die Ironie aber ist, dass es vermutlich tatsächlich so gut wäre, läge es denn allein in den Händen von Lawrence. Ich weiß auch nicht, ist er wirklich so naiv? Er kennt schließlich die Commander, er weiß, dass Männer wie Bell nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

Lawrence ist nicht mehr als eine Marionette, das freundliche Gesicht einer Kampagne, die ihm längst entglitten ist. Die Commander unterstützen New Bethlehem nur aus einem Grund: Um die Menschen in Sicherheit zu wiegen und so viele wie möglich nach Gilead zu locken, bevor sie die Grenzen dicht machen und das Spiel von vorne beginnen. Ich muss zugeben, das ist so perfide, dass es schon wieder genial ist.

Wer hat in Gilead die Macht?

In dem Zusammenhang habe ich mir aber auch zum ersten Mal die Frage gestellt, wer in Gilead eigentlich die Macht hat. So richtig erklärt wurde das politische System nie, oder? Sind die Commander eine Art Parlament, in dem abgestimmt wird, oder gibt es auch ein Äquivalent eines Präsidenten, der letztendlich die Entscheidungen fällt? Die Frage stellt sich ja schon, wie viele Commander Lawrences Ideen ehrlich unterstützen und dementsprechend mit ihm untergehen werden.

Ich spreche das an, weil ich das Gefühl habe, dass Commander Wharton so jemand ist. Entweder das oder er ist ein ziemlich guter Schauspieler. Wäre das nicht „The Handmaid’s Tale“, ich fände seinen Heiratsantrag tatsächlich süß. Was er zu Serena sagt, klingt alles aufrichtig, doch nicht nur angesichts der Pläne der anderen Commander frage ich mich, ob Serena nicht gerade dabei ist, ihr nächstes Gefängnis auszuwählen. (Andererseits, als Singlemutter stünde sie noch schlechter da, wenn die Falle wieder zuschnappt.)

Lydia: „Commander Wharton is exactly the kind of political support we need. He is also a single man with a good fortune in want of a wife.“
Serena: „You do realize that Austen quote is the ultimate example of irony.“

Schuld und Sühne, die Fünftausendste

Kommen wir zu dem Teil der Folge, den ich ein bisschen uninspiriert fand. Der Plan und alles, das funktioniert gut, und ich hab mich so gefreut zu sehen, dass Janine prompt und überlegt handelt. Ganz anders June, die direkt mal wieder von Schuld übermannt wird und sie mitnehmen will. Was, wie Moira absolut richtig bemerkt (ich finde, das sollte noch mal betont werden), komplett bescheuert wäre, weil man anschließend sofort die Sicherheitsmaßnahmen verstärken würde.

Und genau hier verlieren sie mich dann, weil ich den ganzen Streit darüber, wer mehr gelitten hat, so unnötig fand. Ich sah regelrecht die Outline für diese Folge vor mir, da hat man verzweifelt noch irgendeinen Vorwand gesucht, warum die beiden nicht sofort nach dem Treffen mit Janine den Rückweg antreten. Dass sie erwischt werden, war so klar und riss mich direkt aus der Geschichte raus. Rückblickend wäre es vielleicht doch klüger gewesen, nur Moira zu schicken, June hat es diesmal voll verkackt.

Blessed be the fruit

• Die Szene im Krankenhaus, wo Nick schon beruhigt gehen will, weil der verletzte Guardian ihn offenkundig nicht erkennt, und dann doch umkehrt, war äußerst effektiv.
• Hört mich an, ich wünsche mir, dass Wharton einer von den Guten ist. In der Hinsicht bin ich vorbelastet, ich mag Josh Charles, altes Erbe von „The Good Wife“.
• Was für ein Glück, dass es bei den Jezebels zufällig eine Verbrennungsanlage gibt, um den toten Guardian darin zu entsorgen.
• Junes Gottvertrauen muss man einfach bewundern. Sie hat keine Ahnung, ob sie Lawrence überhaupt noch trauen kann, und steigt ohne Zögern in dessen Kofferraum.

3 ½ von 5 Bananen, die mehr gelitten haben als du.

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