Im Schnelldurchlauf | Serien im November

„With great power comes great micromanaging.“
(„Dr. House“)

Es liegt Liebe in der Luft. Und Monster, aber reden wir nicht über den Komplettreinfall „The Witcher“. Ich habe endlich das Finale von „Dr. House“ gesehen, gelernt, dass zweite Staffeln oft schwierig sind, und die schönste Serie über Freundschaft geschaut. Ich nenne das einen unterhaltsamen Monat. Spoiler!

Dr. House (Staffel 8)

House hat die Strafe für seine Amokfahrt in Cuddys Wohnzimmer bereitwillig akzeptiert und sitzt seine Zeit im Gefängnis ab. Doch da Foreman (jetzt Klinikchef) dringend seine Expertise braucht, holt er House auf Bewährung raus. Nur: Im Princeton Plainsboro ist nichts mehr wie es war, Cuddy ist weg, sein Team ist weg, selbst sein Büro wurde neu vergeben. Dank der Spende eines Patienten kann House die Abteilung aber schließlich wieder öffnen und holt Chase und Taub zurück.

Die Serie muss damals wahnsinnig Geld abgeworfen haben, dass man ihr diesen Unfall von Staffel gewährt hat. Selbst Hugh Laurie schien nicht mehr wirklich Bock auf die Figur zu haben, der Tiefgang voriger Staffeln ist nur noch eine blasse Erinnerung. Die finale Staffel ist somit genau das, was man der Serie stets zu Unrecht vorgeworfen hat, es gibt den Fall der Woche™ und das war’s. Das neue Team ist zudem eine Katastrophe und strahlt weder Kompetenz noch Verantwortungsbewusstsein aus. Was für ein würdeloser Abgang.

1 ½ von 5 Bananen, die mutwillig das Klo verstopfen.

Zwei an einem Tag (Miniserie)

Der Schwerenöter Dexter und die idealistische Emma lernen sich am 15. Juli 1988 bei der Abschlussfeier ihrer Uni kennen. Was eigentlich als One-Night-Stand gedacht ist, endet ganz ohne Sex mit Gesprächen und einer Wanderung am Folgetag. Danach gehen beide getrennte Wege, bleiben aber in Kontakt. Dexter wird als Fernsehmoderator bekannt und lebt im permanenten Alkoholrausch. Emma hingegen landet zunächst in einem miesen Kellnerjob, bevor sie Lehrerin wird und währenddessen zu schreiben versucht.

Ich habe irgendwann vor Jahren mal den Film gesehen, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Vielleicht ist das ganz gut, denn die Serien-Adaption von „Zwei an einem Tag“ erzählt eine zauberhafte Geschichte, die zeigt, dass sich die Lebenswege von Menschen nicht vorhersagen lassen. Gleichzeitig erhalten wir Ausschnitte einer wunderbaren Freundschaft, die über die Jahre nicht ohne Härten ist, aber immer ehrlich bleibt. PS: Leo Woodall ist toll, ihn möchte ich gerne in noch viel mehr sehen.

5 von 5 Bananen, die keine Fußnote sind.

„Du bist so kompliziert wie ein zweiteiliges Puzzle. Aus dickem Holz.“
(„Zwei an einem Tag“)

Nobody wants this (Staffel 2)

Noah hat sich für Joanne entschieden, doch das kostet ihn die Beförderung zum Oberrabbiner. Während die Beziehung gut läuft, muss er nun herausfinden, was er mit seinem Leben anstellen will. Morgan, die noch immer kein gutes Haar an Noah lässt, ist plötzlich mit ihrem Therapeuten Dr. Andy zusammen und macht nun all die kitschigen Dinge, über die sie sonst immer gelästert hat. Zwischen Esther und Sasha kriselt es derweil, denn Sasha hätte gerne noch ein Kind, während Esther sich nicht sicher ist.

„Nobody wants this“ ist das Paradebeispiel für eine Serie, die man nach der perfekten ersten Staffel einfach in Ruhe hätte lassen sollen. Dabei ist die zweite nicht mal schlecht, sie ist nur komplett einfallslos und voller Klischees, die man anfangs noch so meisterhaft vermieden hat. Am meisten hat mich allerdings irritiert, dass man sich offenbar nicht entscheiden konnte, ob man das Judentum nun auf die Schippe nehmen oder einen extralangen Werbespot dafür drehen will. Ja, nee, war überflüssig.

3 von 5 Bananen auf dem Sachen-Turm.

Resident Alien (Staffel 2)

Weil sich Max auf seinem Raumschiff versteckt hat, muss Harry zur Erde zurückkehren und legt dabei eine Bruchlandung hin. Damit es nicht entdeckt wird, vernichtet er das Schiff schweren Herzens. Doch da ist noch ein anderes Problem: Nachdem er die Erde nicht zerstört hat, wird sein Volk jemand anders schicken, der das erledigt. Und irgendwie mag Harry Asta nun doch ganz gerne und möchte, dass sie am Leben bleibt. Leider will die aber, dass er die ganze Erde rettet statt nur sie.

Sicher doch, macht eine Alien-Serie, in der das Alien kaum vorkommt, das klingt vernünftig. Ich wollte der Kritik im Vorfeld nicht glauben, aber die zweite Staffel von „Resident Alien“ ist wirklich eine Enttäuschung. Etliche Folgen fühlen sich wie eine beliebige Dramaserie über eine Kleinstadt an, weil es nur um Wohl und Wehe der Bewohner geht, ohne dass Harry überhaupt vorkommt. Erst im letzten Drittel gewinnt die Handlung etwas an Fahrt und rettet die Staffel so ein bisschen. Trotzdem, das war schwach.

2 von 5 Bananen im geheimen Bunker.

„Eine Geburtstagsfeier ist nichts weiter als eine Teilnehmerurkunde.“
(„Resident Alien“)

Romantics Anonymous (Staffel 1)

Chocolatier Hana Lee leidet unter Scopophobie und kann es nicht ertragen, von anderen angeschaut zu werden. Als der Besitzer der Confiserie Le Sauveur stirbt, für den Hana anonym Pralinen kreiert hat, verliert sie auch ihre einzige Bezugsperson. Sosuke Fujiwara, Sohn eines Schokoladenmagnats, übernimmt Le Sauveur und will den anonymen Chocolatier daraufhin persönlich kennenlernen. Doch Sosuke hat selbst ein Problem: Er kann niemanden berühren. Seltsamerweise jedoch spielen ihre Handicaps zwischen ihnen beiden keine Rolle.

Hand aufs Herz, ohne persönliche Empfehlung wäre ich nie auf „Romantics Anonymous“ gekommen. Dabei ist die Geschichte wirklich zuckersüß, und das nicht nur wegen der Pralinen, die hier tatsächlich fast die Hauptrolle spielen. Den Stil muss man sicher mögen, ich fand die übertriebene Höflichkeit manchmal etwas anstrengend, die ist aber vermutlich normal für japanische Produktionen. Disclaimer: Da ich Untertitel nicht ab kann, hab ich das Ganze in der englischen Synchro geschaut, und die war … durchschnittlich.

4 von 5 schokolierten Bananen.

The Witcher (Staffel 4)

Getrennt voneinander machen sich Geralt und Yennefer auf die Suche nach der verschwundenen Ciri. Dabei begegnet Geralt nicht nur etlichen Monstern, sondern schart auch neue Reisegefährten um sich, darunter den mysteriösen Apotheker Regis. Yen stößt bald an ihre Grenzen, da Vilgefortz die Portale kontrolliert. Sie und die letzten Überlebenden Aretuzas rüsten sich deshalb für den großen Kampf gegen ihn. Ciri schließt sich derweil den „Ratten“ an, einer Diebesbande, die zu ihrer neuen Familie wird.

Wäre ich gegenüber Liam Hemsworth weniger kritisch, wenn er von Anfang an dabei gewesen wäre? Wahrscheinlich. So aber hält er dem Vergleich leider nicht stand, ihm fehlt einfach die stoische Präsenz von Henry Cavill (und definitiv sein wohlgeformtes Gesäß). Außerdem quatscht Geralt nun ununterbrochen. Abgesehen davon krankt die vierte Staffel von „The Witcher“ aber an denselben Problemen wie immer: zu viele Figuren, zu viel Plot. Seit der letzten Staffel sind zwei Jahre vergangen, die meisten Personen konnte ich schlicht nicht mehr einordnen.

1 von 5 ausgeweideten und gevierteilten Bananen.