Irgendwann erwähnte ich schon mal die seltsame, sporadisch auftretende Treffsicherheit des YouTube-Algorithmus. Auf diese Weise habe ich dieses Jahr zum Beispiel zwei neue YouTuber eingesammelt, die in dieser sehr speziellen Nische gemütlicher Thrifting- und Crafting-Videos aufgetaucht sind (inklusive Katzen-Content, den ich immer zu schätzen weiß). Vor ein paar Tagen schlug er mir aus heiterem Himmel dieses Video vor:
Ich meine: Wow? Das ist eine richtige kleine Dokumentation, sticht aber auch so perfekt in eine meiner Interessen, dass ich mich wirklich frage, wie YouTube das aus den Katzen- und Bastelvideos abgeleitet hat, die ich sonst so konsumiere. Sehr mysteriös …
Doch lasst uns über hässliche Architektur reden, die heute überall auf der Welt gleich aussieht. Die Idee von „form follows function“ wurde in den letzten Jahrzehnten völlig pervertiert, denn irgendwie ist darüber das Verständnis verloren gegangen, dass „effizient“ nicht gleich „schmucklos“ heißt. Natürlich soll sich Architektur in erster Linie am Nutzen orientieren, aber ist Ästhetik nicht ebenso ein menschliches Grundbedürfnis? Bitte diskutieren.
Cooles Video. Ein anregendes Thema und dazu noch in einer schönen Sprache vorgetragen.
Hm. Ich weis nicht ob ich da viel dazu beizutragen habe. Vielleicht ein paar Gedanken.
Die Lampen sind ein gutes Beispiel für so vieles. Ihr wollt Licht? Bitte da habt ihr Licht. Und dazu ist noch alles durchökonomisiert und durchrationalisiert und gewinnmaximiert bis zum beinahe geht nicht mehr. Bei manchen Dingen ist es einfach diese lieblose Kälte welche diese ausstrahlen, im wahrsten Sinne des Wortes. Also mir tut das manchmal sehr im Herzen weh. Licht. Aber zu welchem Preis könnte man jetzt böse fragen. Mehr. Billiger. Kapital fragt nicht nach Ästhetik. Was gewinnt man, was verliert man? Jenseits von jeder Kosten-Nutzen Rechnung.
Ästhetik ist nicht verzichtbar. Ein essenzielles Spurenelement für das Menschsein. Meiner Meinung nach ist das tief in unser Dasein eingeschrieben. Formen, Farben Muster, Symmetrie. Einfach etwas in sich selbst zutiefst stimmiges. Wenn man es sieht, fühlt, riecht, schmeckt, hört oder denkt erkennt man es, weis es und erfährt es.
Einfach eine Meinung. Da könnte man wohl noch viel und auch kontrovers diskutieren.
Es ist vor allem auch ein Verlust kultureller Identität. In den verschiedenen Stilepochen der Vergangenheit gab es zwar steht verbindende Elemente, die überall auf der Welt vorkamen, aber es waren doch lokale Interpretationen. Heute ist alles Gleichmacherei. Wir brauchen ein neues Gebäude? Lasst uns einen grauen Kasten hinstellen!
Ich hab ja damals meine Magisterarbeit über Jacques Tatis „Playtime“ geschrieben, der schon in den 1960ern erschreckend präzise vorausgeahnt hat, wie die Stadt der Zukunft aussehen wird. Es gibt da gleich zu Beginn des Films eine Szene, wo ein paar Touristen in Paris ankommen und sich verwirrt umschauen, weil sie die gleichen Hochhäuser sehen wie bei sich zu Hause. Erst als sie den Eiffelturm erblicken, wissen sie, ach ja, doch, wir sind in Paris. Im Laufe des Films gibt es noch einen Running Gag mit Reiseplakaten verschiedener Städte, auf denen die immer gleichen Wolkenkratzer zu sehen sind – plus irgendein Wahrzeichen. Letzten Endes spielt es keine Rolle mehr, wo man ist, die Architektur ist nur noch effizient und keine Kunstform mehr.