The Handmaid’s Tale | Shattered (6×07)

„That’s the legacy? That’s the way June Osborne’s last chapter in Gilead ends?“

Nach der Schließung von Jezebels steht Mayday wieder am Anfang. June macht sich Vorwürfe. Und Serena plant ihre Hochzeit. Spoiler!

Let the Revolution begin

Bei der Schließung von Jezebels werden alle Frauen getötet – mit Ausnahme von Janine, die Commander Bell kurzerhand als Magd annektiert. Der Vorfall wirft Mayday gewaltig zurück, vor allem aber fühlt sich June schuldig, weil sie es war, die Nick von dem Plan erzählt hat. Da trifft Commander Lawrence bei Mayday ein, um einen neuen Plan zu entwickeln. Er erzählt von Serenas geplanter Hochzeit, die als gewaltiger Staatsakt inszeniert werden soll und der perfekte Anlass für einen Anschlag ist. Vor allem dank der Mägde, die ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend sein sollen.

Der Anlauf zum finalen Schlag

Ja, ja, verdammt noch mal ja! So habe ich mir diese Staffel vorgestellt! Endlich kommt hier mal Bewegung in die Sache, „Shattered“ ist eine tolle Folge. June wird mit den unmittelbaren Folgen ihrer Gedankenlosigkeit konfrontiert, Gilead zeigt plötzlich seine Zähne, und Serena verfällt in alte Muster. Dazu kommen so viele kleine, aber vielsagende Momente, dass ich wahrscheinlich gar nicht auf alles eingehen kann. Zum ersten Mal in dieser Staffel bin ich wirklich gespannt auf die nächste Folge.

„He’s a Commander in Gilead. He doesn’t give a shit about the Resistance. He doesn’t want us to win! The only thing he ever cared about is you. And because of that, you’re gonna run around like he’s some hero? Like he’s this fucking savior that you’ve been pining for ever since you got back.“

Gilead bestraft wie immer die Falschen

„The Handmaid’s Tale“ war immer eine Serie, die einen Schritt weitergeht. Sie überspitzt gesellschaftliche Tendenzen und regt auf diese Weise zum Nachdenken an. Das freilich ist immer schwerer geworden, je länger sie läuft. Nicht nur, weil sich unsere Gegenwart punktuell der Dystopie annähert, sondern auch, selbst wenn es bitter klingt, weil ein gewisser Gewöhnungseffekt einsetzt. Was in der ersten Staffel noch schockierte, entlockt einem heute nur noch ein müdes Achselzucken.

Das macht es natürlich auch schwieriger, den Zuschauer noch emotional zu investieren. Ich bin sicher nicht die Einzige, der Hannah mittlerweile irgendwie egal ist, weil sie zu einem Abstraktum geworden ist, einem bloßen Schlagwort für die Grausamkeit Gileads. Aber wir sind auch nicht länger in Gilead, und obwohl das nötig war, um die Geschichte voranzubringen, fehlt uns nun doch der Bezug zum alltäglichen Horror dort. Wir betrachten das alles nur noch von außen, aus der Distanz.

Worauf ich letzten Endes hinaus will, ist die Szene am Anfang, die uns zeigt, was Whartons simples „I shut it down“ tatsächlich bedeutet. Gilead bestraft wie üblich nicht die Täter, sondern die Opfer. Und es sind die parallel dazu geschnittenen Bilder von Serena, Wharton und Baby Noah im jungen Familienglück, die die Botschaft vermitteln. Die einen wollen es nicht wissen, den anderen ist es egal, und ein paar führen nur Befehle aus. Klassiker.

Realitätscheck für June

Die Sprachlosigkeit, die im Anschluss zwischen June und Nick herrscht, fühlt sich extrem realistisch an, auch wenn ich immer noch fassungslos bin, dass June so lange gebraucht hat, um es zu verstehen. Nick hat ihr nie etwas vorgemacht, das muss man ihm zugutehalten, es war immer June, die ihn verklärt hat. Und doch scheint ihn ihre Ablehnung mehr zu treffen, als er zugeben will. Sein „the only person you should count on is yourself“ zu Rita deute ich mehr als Selbstaufgabe denn als Ratschlag.

Den Monolog der Woche aber darf Luke für sich beanspruchen. Obwohl ich ehrlich nicht weiß, ob ich mich freuen oder sauer sein soll, dass er fast die gleichen Worte verwendet wie ich, die ich mir hier seit Jahren den Mund fusselig rede. Weil, so sehr June es gebraucht hat, dass ihr mal jemand den Kopf geraderückt, für uns Zuschauer ist das längst ein alter Hut. Dadurch fühlt es sich ein bisschen so an, als fasse man jetzt noch die Moral von der Geschichte für uns zusammen – und das ist unnötig.

Serena: „The Wives were so dismissive today. They mocked my ideas. They think New Bethlehem is a folly.“
Wharton: „Which Wives?“
Serena: „All of them.“
Wharton: „Well, you’re the future Mrs. Wharton. They will treat you with respect.“

Der Gratismut der Serena Joy

Serena auf der anderen Seite bleibt ein Enigma. Neben den anderen Ehefrauen, die jeden Satz mit „my husband says“ beginnen, wirkt sie wahnsinnig progressiv. Sie fragt sogar herausfordernd nach ihrer Meinung, was die Frauen regelrecht beschämt. Mein persönlicher Knaller war aber deren „can’t be safe with them just milling about unsupervised“ bezüglich der Flüchtlinge in New Bethlehem. Ja, nee, ist klar, die sind ja keine Menschen. Ich frage mich ernsthaft, was in den Köpfen dieser Frauen vorgeht. Sind die wirklich alle so hohl?

Und dann haben wir aber auch jene Serena, die ihrem Verlobten petzt, dass die anderen Frauen doof zu ihr waren, und sich eine pompöse Hochzeit wünscht, zu der ganz Gilead zu erscheinen hat. Natürlich auch die Mägde, wogegen sie nur ganz kurz und sehr kleinlaut protestiert. Ist das der Fortschritt, von dem sie die ganze Zeit faselt? Inzwischen bin ich mir übrigens fast sicher, dass Wharton auch nur eine Arschgeige ist, immerhin kam die Sache mit den Mägden und Marthas von ihm.

Blessed be the fruit

• Dass Bell Janine zu seiner Magd macht, ist die reinste Farce und sollte endlich auch Lydia klar machen, dass diese Frauen nur Sexsklaven sind und keine „holy vessels“.
• Die „hot enough“-Unterhaltung zwischen Moira und June war in der Situation komplett absurd, aber auch herzerwärmend normal.
• Wussten wir eigentlich schon, dass diese eine Tante im Red Center zum Widerstand gehört? Also ich war total überrascht.
• „And please, dear God, give us the strength to murder those goddam motherfuckers.“ Hell, yeah!

4 von 5 Bananen, die nicht heiß genug sind.

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