„We took the clothes they used to enslave us to liberate us.“
June und Moira nutzen die Wharton-Hochzeit, um die Mägde zu bewaffnen. Und Serena merkt, dass sie einen großen Fehler gemacht hat. Spoiler!
I was so stupid to do this again!
Die pompöse Hochzeit von Serena und High Commander Wharton steht an – und die Mägde sind bestens vorbereitet. June und Moira sorgen dafür, dass sie alle mit Messern ausgestattet werden, während Rita der Hochzeitstorte Schlafmittel beigemischt hat, um die Commander außer Gefecht zu setzen. Doch Tante Lydia kommt früher als erwartet aus Washington zurück und merkt schnell, dass irgendetwas im Busch ist. Unterdessen erlebt Serena ein böses Erwachen, als sie erkennt, dass ihr frisch gebackener Ehemann auch nicht besser ist als all die anderen Commander.
Junes Armee formiert sich
„Exodus“ ist eine Folge, die vor allem visuell großartig ist. Die Anonymität ihrer Kleidung schützt die Mägde und verwandelt sie, auch dank ihrer Ausbildung, in eine perfekt synchronisierte Masse. Sie bewegen sich wie ein einziges Wesen, das ist genial in Szene gesetzt. Wenn June sie am Ende eine Armee nennt, ist das keine Übertreibung. Erzählerisch dient die Folge vor allem der Spannungssteigerung: Was klappt, was geht schief, wie geht es weiter?
Lydia: „You did this.“
June: „No, Aunt Lydia. You did it. You trained us to be like this. After you beat us and after you mutilated us, after you tortured us. After you took our children away. You did this.“
Gileads Machthaber fühlen sich zu sicher
Wenn ein System wie Gilead lange genug existiert, passieren zwei Dinge: Die Machthaber werden selbstgefällig und nachlässig. Und die Zahl derer, die sich (im Geheimen) dagegen auflehnen, wächst. Letztendlich lässt sich nur so erklären, wieso der Plan von Mayday bisher nahezu ohne Probleme umgesetzt werden kann. Die Commander schwelgen in ihrer Macht, während in den kritischen Bereichen vermeintliche Verbündete längst übergelaufen sind, siehe Tante Phoebe im Red Center.
Natürlich kommt im Falle der Hochzeit auch noch Serenas ausgeprägte kognitive Dissonanz hinzu. Wie lächerlich bitteschön war ihre Rede zu den Mägden, dass sie und June mittlerweile Freundinnen seien? Aber es gehört schon ein gerüttelt Maß an Narzissmus dazu, um jemandem wie Rita die Verantwortung für etwas zu überlassen, das alle auf dieser Hochzeit essen werden. Das zeigt, dass sie die Gefühle anderer nicht nur nicht versteht, sondern auch nicht interessieren.
Serena war wie immer zu gierig
Und doch, am Ende ist Serena ebenso Opfer wie Täter, das macht es so schwer, über sie zu urteilen. Nicht, dass ich Mitleid mit ihr habe, denn in diese Lage hat sie sich ganz allein hineinmanövriert. Wharton hat sich zwar auch als hervorragender Schauspieler herausgestellt, aber am Ende war es allein ihr Stolz, der sie darauf hat reinfallen lassen. Die Vorstellung, die Ehefrau eines mächtigen High Commander zu sein, war eben doch zu verlockend.
Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit gehabt, um Wharton kennenzulernen, denn sein Wandel wirkt nun natürlich leicht überstürzt. Vor allem ist nicht ganz klar, was alles gespielt war. Ich glaube tatsächlich, dass er Ehefrauen mehr Rechte zugestehen möchte, Frauen an sich aber trotzdem als „Besitz“ betrachtet, über den er frei verfügen kann. Solche Männer sind tatsächlich gefährlicher als jemand wie Commander Bell, der einfach nur ein Arschloch war.
Wharton: „Now, I have continually indulged you, compromised, accommodated. I have made radical changes to my life, I have bent to your liberal attitudes, but I will not turn my back on God.“
Serena: „You think God wants this abomination of a marriage?“
Deus Lydia ex machina
Das einzige Problem, das ich mit der Folge habe, ist die Sequenz mit Tante Lydia im Red Center. Allein die Tatsache, dass sie plötzlich auftaucht, ohne Erklärung, wieso sie schon zurück ist, fand ich erzählerisch billig. Nur, um am Schluss noch eine Hürde einzubauen, an der der Plan scheitern könnte. Und da sich die Serie mittlerweile über so viele Jahre hingezogen hat, kann ich mich ehrlich gesagt nicht mal mehr erinnern, wie June und Lydia eigentlich auseinandergegangen waren.
Jedenfalls, okay, es fühlt sich wie eine ganz solide Entwicklung an, wenn June sie schließlich davon überzeugt, sie gehen zu lassen. Wir haben in dieser Staffel erlebt, wie oft Lydia gegen Wände gelaufen ist, wann immer sie für „my girls“ eintreten wollte. Aber was zum Teufel ist mit diesem Soldaten los? Der war ja wohl komplett nutzlos. Er hat eine Waffe in der Hand und lässt die Frauen trotzdem abziehen? Lustigerweise ist er in der letzten Einstellung selbst auch verschwunden, also wer weiß, wohin der sich jetzt verkrümelt. Das war albern.
Blessed be the fruit
• Ich war überrascht, dass Wharton Serena gehen lässt. Andererseits, wo will sie schon hin? Sie ist legal mit ihm verheiratet, damit hat sie alle Rechte verloren, die sie vorher vielleicht mal hatte.
3 ½ von 5 Stück Bananenkuchen mit Schlafmittel.