Im Schnelldurchlauf | Serien im Dezember

„Was genau stellen Sie mit Ihrer Hüfte an, dass sich Ihr Penis wie eine Banane anfühlt?“
(„Ted Lasso“)

Ich weiß nicht, warum ich mich nach so vielen Jahren immer noch so schwertue, Serien aus weniger geliebten Genres eine Chance zu geben. Oftmals sind da die wahren Perlen versteckt. Diesen Monat also drei tolle Neuentdeckungen und eine überraschende Enttäuschung. Spoiler!

Ted Lasso (Staffel 1)

Rebecca Welton kriegt nach der Scheidung von ihrem Ehemann dessen mittelmäßigen englischen Fußballclub AFC Richmond. Sie engagiert den amerikanischen Football-Trainer Ted Lasso, der von Fußball keine Ahnung hat und von Presse und Fans in der Luft zerrissen wird. Doch Ted ist optimistisch, dass er den ungleichen Haufen zu einer echten Mannschaft zusammenschweißen kann. Was er nicht ahnt: Rebecca hat ihn in der Hoffnung angestellt, dass er versagt und den Club vollends ruiniert, um ihrem Exmann eins auszuwischen.

Ich habe mich jahrelang um „Ted Lasso“ herumgedrückt, weil ich mit Sportserien wirklich nichts anfangen kann und insbesondere Fußball furchtbar öde finde. Doch die anhaltenden Lobeshymnen haben mich schließlich doch weichgeklopft – und zurecht. Teds positive Einstellung, die sich am Ende immer auszahlt, ist in einer zunehmend zynischen Serienwelt wunderbar erfrischend. Zumal es trotzdem auch ernste Töne gibt. Vor allem aber muss man absolut kein Sportfan sein, um „Ted Lasso“ zu genießen.

5 von 5 Bananen und zwei Tage altes Nudelwasser.

Pachinko (Staffel 1)

1915 wird Kim Sunja im japanisch besetzten Korea geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von Diskriminierung und Angst, doch ihr Vater versucht, ihr auch die schönen Seiten des Lebens zu zeigen. Jahre später lässt sie sich auf den Fischgroßhändler Koh Hansu ein. Der aber ist bereits verheiratet und lässt sie sitzen, als sie schwanger wird. 1989 führt es Sunjas Enkel Solomon von New York nach Tokio, wo er einer Koreanerin ihr Grundstück abkaufen soll, damit seine Firma dort ein Hotel bauen kann. Sein Besuch bei seiner Familie wühlt viele alte Erinnerungen auf.

Es ist nahezu unmöglich, „Pachinko“ in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Die Generationen übergreifende Geschichte springt zwischen den verschiedenen Epochen und Figuren hin und her und enthüllt die Zusammenhänge wie ein Puzzle erst nach und nach. Es lohnt sich also, dranzubleiben, mich packte es auch erst ab der dritten Folge. Etwas anstrengend, aber durchaus clever gelöst ist die Mehrsprachigkeit der Serie: Die deutsche Synchro übersetzt das Koreanische und untertitelt Japanisch und Englisch in jeweils verschiedenen Farben.

4 ½ von 5 Bananen mit Kimchi.

The Studio (Staffel 1)

Nach der Entlassung von Patty Leigh als Leiterin der Continental Studios wird Matt Remick zu ihrem Nachfolger ernannt. Der Filmliebhaber schreibt es sich auf die Fahnen, Kunst und Kommerz zu verbinden, schafft es aber schon bei seinem ersten Projekt, sich Martin Scorsese zum Feind zu machen. Und es wird nicht besser, ob er nun Sarah Polley den One-Shot ruiniert oder sich nicht traut, Ron Howard ein ehrliches Feedback zu geben. Kollege Sal Saperstein und die frisch beförderte Quinn Hackett liefern sich derweil einen Kleinkrieg um begehrte Filmprojekte.

Na ja. Nach der überschwänglichen Kritik bei Veröffentlichung hatte ich irgendwie mehr erwartet. Teilweise hat sich mir der Humor von „The Studio“ echt nicht erschlossen, wen versucht man hier eigentlich auf die Schippe zu nehmen? Den Studioleiter, der sich als Künstler sieht und gern in der Dankesrede erwähnt werden will? Egozentrische Regisseure, die ihre Filme als Therapie nutzen? Oder Schauspieler, die nur nett zum Boss sind, weil sie Geld wollen? Die zwei abschließenden Folgen sind in ihrer Hektik und mit der ganzen Herumbrüllerei zudem kaum auszuhalten.

1 von 5 Bananen und einen grünen Saft.

The Morning Show (Staffel 1)

Nachdem ihr Co-Moderator Mitch wegen angeblicher sexueller Übergriffe gefeuert wurde, sitzt Alex Levy von jetzt auf gleich allein am Tisch der „Morning Show“. Durch Mitch erfährt sie, dass der Vorstand sie eigentlich ersetzen wollte und bereits nach anderen Moderatorinnen sucht. Um den Druck bei den Vertragsverhandlungen zu erhöhen, verkündigt Alex deshalb bei einer Preisverleihung kurzerhand, dass die etwas krawallige Kleinstadtreporterin Bradley Jackson ihre neue Co-Moderatorin wird. Ein Fehler?

„The Morning Show“ zeigt vor allem eines: die MeToo-Bewegung kennt keine Sieger, nur viele, viele Verlierer. Ich will euch nichts vormachen, ich war mir bis zur dritten Folge nicht sicher, ob ich die Serie weiter schauen will. Zu Anfang ist sie einfach anstrengend, denn es wird nur geschrien und gedroht und gejammert. Sobald sie aber ihren Stil gefunden hat, sind die Machtspielchen hinter den Kulissen extrem spannend. Und Jennifer Aniston und Reese Witherspoon sind in absoluter Bestform.

4 von 5 heißen Storys über Bananen.