The same Procedure as every Year | Der Jahresrückblick 2025

Machen wir es kurz, 2025 war nicht mein Jahr. Wenn ich darüber nachdenke, wie ab dem Sommer praktisch eine Katastrophe die nächste jagte, möchte ich diese Zeit am liebsten aus meiner Erinnerung streichen. Von den gesellschaftlichen Problemen, die sich immer mehr aufschaukeln, will ich da noch nicht mal anfangen.
Mit umso mehr Stolz kann ich auf dieses Blogjahr blicken, denn da war von all dem nichts zu spüren. Im Gegenteil, ich glaube, ich war so umtriebig wie lange nicht mehr. Ab April habe ich wieder wöchentlich eine Review veröffentlicht (und immer noch etliches auf Lager) und meistens auch einen weiteren Beitrag, darunter ein paar größere Essays.
Wie es weitergeht? Da halte ich mich an meine bewährte Strategie: immer eine Woche nach der anderen. So lange ich noch was zu sagen habe, werde ich auch weiter schreiben. Und weil das bereits Tradition hat, gibt es hier auch wieder exklusiv die:

Daten & Fakten

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Top-Kategorien: Serienreviews, Liebeshandlungen, Marke Eigenbau, Geknipst, Bibliowas?
Top-Schlagwörter: The Handmaid’s Tale, Amazon Prime, Lucifer, Netflix, Star Trek
Blogbeiträge: 85 eigene (+ 24× Blogmas), 5 Gastbeiträge, leider keine Kollaborationen

Meine Serien Top10

Ist die Serie tot? Es will in meiner Statistik partout nicht so aussehen, aber dieses Jahr habe ich tatsächlich ein, zwei Mal mit mir gehadert, welchen Streamingdienst ich abonnieren soll. Einfach, weil meine Listen kaum noch wachsen. Das heißt zwar nicht, dass ich am Ende nicht doch immer was finde, aber Serien, auf die ich mich wirklich freue, nehmen exponentiell ab. Ihr wisst das nicht, aber ich habe dieses Jahr so manche Lücke mit Rewatches gefüllt.
Meine Datenerfassung in Excel dürfte inzwischen jedenfalls annähernd wissenschaftliche Ansprüche erfüllen. Aber es ist eben auch unheimlich spannend, diese Zahlen zu verfolgen. Dieses Jahr habe ich demnach insgesamt 86 Serienstaffeln geschaut, darin sind die erwähnten Rewatches bereits enthalten. Das ergibt einen monatlichen Schnitt von 7,2 Staffeln. Das waren 858 Serienfolgen übers ganze Jahr, 71,5 pro Monat und 2,4 am Tag. Ich bin versucht, im kommenden Jahr auch die Folgenlängen zu erfassen, was denkt ihr?
Das meiste davon ist übrigens unmittelbar in Blogbeiträge geflossen. So habe ich dieses Jahr 54 Folgenreviews geschrieben, von denen ein Teil noch nicht mal veröffentlicht ist. Ähnlich beeindruckend ist der Schnelldurchlauf, dafür habe ich nämlich 60 Kurzkritiken verfasst. Und das neue Jahr bringt mit HBO Max noch einen weiteren Streaminganbieter, für den ich bereits eine Liste angelegt habe (unter anderem „The Pitt“ und „White Lotus“). Doch nun endlich zu meinen diesjährigen Highlights:

„Zwei an einem Tag“ hat es als letzte Serie auf meine Jahresliste geschafft und dennoch sofort die Spitzenposition erobert. Viele Geschichten fühlen sich heute irgendwie blutleer und glatt an, da stechen starke Gefühle natürlich umso mehr heraus. Ich möchte mehr fehlbare Charaktere sehen, die trotzdem als Identifikationsfiguren dienen können.

Dass „Andor“ in dieser Liste auftauchen würde, war vermutlich jedem klar, ich war allerdings lange unsicher, wie weit oben die Serie anzusiedeln ist. Die erste Staffel hatte die besseren Einzelfolgen, doch die zweite schnürt alles ganz wunderbar zusammen. So oder so ist das das Beste, was in den letzten Jahren unter dem Banner „Star Wars“ veröffentlicht wurde.

„Slow Horses“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass man manchmal auch Serien außerhalb seiner Komfortzone eine Chance geben sollte. („Ted Lasso“ ist ein weiteres.) Der Spionage/Krimi-Anteil ist dank der launigen Charaktere auch für mich gut verdaulich, und Jackson Lamb längst eine Kultfigur. Keine Frage, dass auch die 5. Staffel großartig sein wird.

Ich glaube, „Dark Matter“ liebt oder hasst man, zumindest hat das hier gezeigte Multiversum so gar nichts mit der weichgespülten Interpretation von Marvel zu tun. Nebenbei auf dem Handy scrollen ist bei dieser Serie nicht, sonst verliert man innerhalb von Minuten den Anschluss. Aufmerksamkeit hingegen wird mit vielen, vielen Aha-Momenten belohnt.

„Dept. Q“ fällt ebenfalls in die Kategorie „eigentlich nicht mein Genre“. Und ähnlich wie bei „Slow Horses“ war es auch hier der Hauptdarsteller, der mich initial dazu brachte, der Serie überhaupt eine Chance zu geben. Mit dem Kriminalfall kann ich jedenfalls leben, ich schalte dann eher fürs Charakterdrama und die äußerst blumige Sprache ein.

Im Grunde hätte „Shrinking“ auch höher in der Liste landen können. Doch da wir hier über eine 2. Staffel sprechen, wollte ich einigen Neuentdeckungen den Vortritt lassen. Dennoch, die Serie verteidigt ihren guten Ruf durch weiterhin starke Geschichten mit viel Ehrlichkeit und feinsinnigem Humor. Psychologie geht auch ohne peinliche Nabelbeschau.

Eine aufwendig produzierte Serie, die für mich einzig darunter litt, dass ich fast durchgehend Untertitel lesen musste. Dadurch ging die schöne Optik nämlich ein bisschen unter. Nichtsdestotrotz war „Shogun“ für mich eine echte Überraschung – in einem Genre, das ich bislang nicht auf dem Schirm hatte. Darauf sollte man sich unbedingt einlassen!

„Eternauta“ ist so ein bisschen unter dem Radar geflogen, weil sich unter dem Titel einfach niemand was vorstellen kann. Dabei braucht sich die argentinische Invasions-Serie wahrlich nicht hinter vergleichbaren Genre-Produktionen verstecken und findet doch ihren ganz eigenen Tonfall. Die ruhige Erzählweise ist zudem mal ganz angenehm.

Vielleicht bin ich hier voreingenommen, denn zweifellos hatte die „Daredevil“- Fortsetzung/Reboot/Remake (Zutreffendes bitte ankreuzen) ihre Schwächen, die ich in meinen Reviews ausführlich seziert habe. Aber irgendwie habe ich doch immer noch eine Schwäche für den selbstzerstörerischen Matt Murdock. Ich hoffe auf eine kohärentere 2. Staffel.

Über diesen Platz ließe sich wahrscheinlich diskutieren, „Dying for Sex“ ist eine schwierige Serie, die ich auch kein zweites Mal schauen würde. Doch dass man ein so ernstes Thema humorvoll aufbereiten kann und dabei trotzdem würdevoll bleibt, ist schlicht beeindruckend. Dennoch, ich kann jeden verstehen, der damit nichts anfangen kann.

Meine Lektüre inklusive Wertung

Erinnert ihr euch noch daran, wie ich an exakt dieser Stelle vor einem Jahr meinte, ich müsse meine Leseliste dringend wieder besser kuratieren? Nun ja. Zwei Dinge haben meine Lektüre dieses Jahr vor allem bestimmt: Die Entdeckung des englischsprachigen Project Gutenberg (ich kannte bisher nur die deutsche Variante), wo ich aus einer Fülle von Klassikern wählen konnte, und ein paar interessante Funde im öffentlichen Bücherregal. Von meiner eigenen Liste habe ich hingegen kaum etwas gelesen.
Das war nicht die schlechteste Strategie, versteht mich bitte nicht falsch. Viele Bücher haben die Höchstwertung erhalten, nur ein paar wenige waren Reinfälle. Aber es fehlte trotzdem dieses eine Werk, das mich total umgehauen hat. Oder überhaupt mal eins, bei dem ich mich inspiriert gefühlt hätte, eine Rezension zu schreiben. Ich denke, kommendes Jahr muss ich besser kuratieren, oder? 😅
  • Lucy Maud Montgomery | Anne of Green Gables *****
  • E. M. Forster | A Room with a View **(*)
  • Jack London | Der Seewolf ****
  • Jeffrey Eugenides | Middlesex ***(*)
  • Martin Andersen Nexø | Ditte Menschenkind *****
  • Alan Dean Foster | Das Schwarze Loch **
  • Octavia E. Butler | Parable of the Sower *****
  • Martha Wells | Tagebuch eines Killerbots *****
  • Carlos Ruiz Zafón | Der Schatten des Windes **(*)
  • Brian Aldiss | Report on Probability A *
  • Lisa Eckhart | Omama ***
  • Ray Nayler | Die Stimme der Kraken ****
  • Jodi Taylor | Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv *****
  • Pat Cadigan & William Gibson | Alien 3 ***
  • Frances Hodgson Burnett | The secret Garden *****
  • Janet Fitch | Weißer Oleander ****
  • Jane Austen | Sense and Sensibility **
  • Jonas Jonasson | Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ****
  • Peter Watts | Blindflug ***
  • Peter Cawdron | Habitat **