The Acolyte | Lost/Found (1×01)

„I have an unidentified Force-user.“

Osha Aniseya wird vorgeworfen, eine Jedi-Meisterin getötet zu haben. Beim Transport ins Gefängnis kommt es zur Revolte. Spoiler!

I’m here to kill you

Die Mechanikerin und frühere Padawan Osha Aniseya wird festgenommen, weil sie angeblich die Jedi-Meisterin Indara getötet hat. Da sie weiß, dass sie unschuldig ist, vertraut sie dem Urteil der Jedi und weigert sich, während des Transports nach Coruscant bei einem Ausbruch zu helfen. Die anderen Gefangenen ziehen den Plan trotzdem durch und lassen Osha auf dem abstürzenden Schiff zurück. Als Meister Sol, einer ihrer früheren Lehrer, davon hört, macht er sich selbst auf den Weg zur Absturzstelle auf Carlac, um Osha zu suchen.

Permission to speak freely?

Über die Jahre wurde so viel Gutes, aber auch so viel furchtbar Schlechtes unter dem Banner „Star Wars“ veröffentlicht. Und immer wieder lande ich hier, beim Versuch, das Ganze auch noch zu analysieren. Was also darf es bei „The Acolyte“ sein? Geht man nach den Kritiken, erwartet mich ein Tiefpunkt des Fandoms, und ich will ehrlich sein, die erste Folge tut nicht viel, um dieses Vorurteil zu entkräften. Also schauen wir mal, wo uns das hinführt, okay?

Mae: „You’re with me. I’m with you. Always one, but born as two. As above sits the stars and below lies the sea … I give you you …“
Osha: „… and you give me me.“

Das unerwartete Crossover

Lasst mich mit einer kleinen Anekdote beginnen. Im Sommer 1999 liefen die lang ersehnte „Episode I“ und ein unbekannter Film namens „Matrix“ zeitweise parallel in den deutschen Kinos. In ausgehungertem Fan-Wahn schaute ich mir den neuen „Star Wars“ sagenhafte zehnmal auf der großen Leinwand an – und glaubt mir, er wurde dadurch nicht besser. „Matrix“ hingegen sah ich erst Jahre später, als er im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Ich erzähle euch diese Geschichte, weil ich es irgendwie als verschmitztes Zwinkern in meine Richtung begriffen habe, dass Carrie-Anne Moss in „The Acolyte“ ausgerechnet eine Jedi spielt. Und bei der Gelegenheit einen Kampf ausfechten darf, der zwar bei weitem nicht die Klasse von „Matrix“ erreicht, aber doch an einigen Stellen stark daran erinnert. Ja, leider wird ihr Charakter in den ersten fünf Minuten dann auch abgemurkst, sie hätte vielleicht noch was retten können.

Zwei Seiten derselben Medaille

Immerhin, die Idee von Zwillingen auf unterschiedlichen Seiten ist … interessant? Ich meine, es ist recht schnell klar, dass Osha mit dem Tod von Indara nichts zu tun hat, und mein erster Gedanke war Gestaltwandler. Dass es keiner ist, ist eigentlich ziemlich erfrischend. Wie gut die Geschichte funktioniert, hängt aber zum größten Teil von Amandla Stenberg ab, die glaubwürdig zwei völlig verschiedene Personen verkörpern muss.

Über Osha wissen wir bisher nur, dass ihre ganze Familie bei einem Brand getötet wurde, und dass Indara und Sol sie daraufhin mit nach Coruscant genommen haben. Mit acht Jahren war sie eigentlich schon zu alt, um eine Ausbildung zur Jedi anzufangen (das kommt mir irgendwie bekannt vor), tatsächlich erfahren wir den Grund für ihren Abbruch aber (noch) nicht. Für mich sieht es stark nach mangelndem Talent aus.

Ihre Zwillingsschwester Mae wiederum soll für den Brand verantwortlich gewesen sein und wurde bislang ebenfalls für tot gehalten. Sol betont sogar, dass er sie damals hat sterben sehen, das ist also eine der noch offenen Fragen. Und ich bete, dass sie ihr eine gute Motivation geben, fürchte nach dem Ende dieser Folge aber, dass sie nur ausführende Hand für jemand anderen ist.

„The Jedi live in a dream. A dream they believe everyone shares. If you attack a Jedi with a weapon, you will fail. Steel or laser are no threat to them. But an Acolyte kills without a weapon. An Acolyte kills the dream.“

Gefühlt eine Laienproduktion

Viel mehr lässt sich über „Lost/Found“ eigentlich auch nicht sagen. Ich mag Meister Sol, er hat eine angenehm ruhige Art, doch darüber hinaus bleibt er recht blass. Padawan Jecki Lon fand ich zumindest amüsant, ihr ständiges „permission to speak freely“ ist ganz liebenswert. Yord Fandar sticht negativ heraus, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob’s an der Rolle oder dem Schauspieler liegt.

Überhaupt ist das einer meiner größten Kritikpunkte nach dieser ersten Folge: Es fühlt sich nicht wie „Star Wars“ an. Und zwar nicht, weil die Ausstattung oder die Kostüme schlecht wären, sondern weil die ganze Inszenierung hölzern wirkt. Wie etwas, was ein paar Fans ohne Schauspielausbildung an einem Wochenende in der Garage filmen. Die ungelenken Dialoge dürften George Lucas stolz machen.

Found Notes

• Den Serientitel muss man erklären, denke ich, vielleicht ist das Wort im englischen Sprachraum geläufiger. Ein Akolyth (bzw. Akoluth) bezeichnet in der römisch-katholischen Kirche einen Laien, der bei religiösen Ritualen hilft. Schaut man sich die mönchisch geprägte Hierarchie von Jedi und Sith an, ergibt das Sinn.
• Die Serie soll hundert Jahre vor „Episode I“ spielen, also während der absoluten Blütezeit der Republik. Ich hoffe, wir sehen auch mal noch was davon.

2 ½ von 5 bösen Bananen-Zwillingen.

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