„Do not alter this little girl’s destiny because you have formed an emotional attachment to her.“
Bei der Erforschung von Brendok entdeckt Sol den Coven von Osha und Mae – und will die Mädchen unbedingt „retten“. Spoiler!
We are looking for a vergence
Vor 16 Jahren auf Brendok, diesmal aus Sicht von Sol. Die Jedi sind im Forschungsauftrag unterwegs, da der Planet nach einer Katastrophe als tot galt, nun aber vor Leben nur so strotzt. Der Hohe Rat glaubt an eine Vergenz, eine Konzentration der Macht an einem Ort, und Sols Entdeckung der Zwillinge scheint diesen Verdacht zu bestätigen. Während Indara zu Zurückhaltung rät, drängt Sol darauf, sich einzumischen, da er um die Sicherheit der Mädchen fürchtet. Der Rat lehnt es zwar ab, sie zu Jedi auszubilden, doch die Ergebnisse des Bluttests sieht Torbin als Beweis für eine Vergenz und will sie auf eigene Faust holen.
Das Bild wird langsam runder
Erzählerisch ist „The Acolyte“ zumindest fragwürdig, weil uns einfach viele wichtige Informationen zu lange vorenthalten werden. Nichtsdestotrotz fand ich „Choice“ gerade als Spiegelbild zu „Destiny“ äußerst spannend. (Der Titel hätte mir angesichts der Vorliebe der Serie für Doppelungen eigentlich schon ein Hinweis sein müssen.) Es werden nicht einfach nur Lücken gefüllt, es wird tatsächlich eine erwachsenere Perspektive der Ereignisse gezeigt – inklusive all der falschen Entscheidungen, die die Jedi trotz (oder wegen?) ihrer guten Absichten getroffen haben.
„Someday, those noble intentions you all have will destroy every Jedi in the galaxy.“
Keine Grundlage für Maes Rachefeldzug
Die größte Ungereimtheit möchte ich trotzdem sofort ansprechen: Maes Hass auf die Jedi. Also Mehrzahl. Dass sie Sol hasst, kann ich irgendwie nachvollziehen, nachdem wir jetzt gesehen haben, dass er ihre Mutter Aniseya vor ihren Augen getötet hat. Das war zwar ein Versehen oder Missverständnis oder wie auch immer man es nennen will, aber es war eben genau das, was zur Eskalation einer Situation führte, in die sie gar nicht erst hätten geraten dürfen.
Aber genau das ist das Problem, denn die anderen Jedi haben sich eigentlich nichts zuschulden kommen lassen. Indara hat sogar die ganze Zeit darauf bestanden, dass sie sich raushalten und auf das Urteil des Hohen Rats vertrauen. Torbins unüberlegte „Rettungsmission“ war einzig seinem Heimweh geschuldet, welches Aniseya selbst bei ihrer ersten Begegnung in seinen Kopf gepflanzt hat. Und Kelnacca hat wirklich gar nichts getan und wurde von den Hexen wie eine Marionette benutzt.
Während Oshas „Erinnerungen“ im Lichte dieser Folge mehr Sinn ergeben, da sie tatsächlich vieles einfach nicht mitbekommen hat und somit auf Sols Erzählung vertrauen musste, passt Mae da nicht richtig rein. Das Feuer war nur ein Versehen, und sie ließ sich von Koril gegen die Jedi aufstacheln, bevor die irgendwas getan hatten. Wenn ich ehrlich bin, halte ich Qimir und die Sith an diesem Punkt für völlig überflüssig, die Geschichte ist so schon verworren genug.
Sol: „I believe she wants to leave with us.“
Indara: „Do not confuse what Osha wants with what you want.“
Eine Lüge und ihre Konsequenzen
Sol dagegen entwickelt sich immer mehr zu einer wahrhaft tragischen Figur. (So sympathisch ich Lee Jung-jae finde, ich wünsche mir immer mehr, sie hätten einen englischen Muttersprachler für die Rolle verpflichtet, denn der Darsteller kämpft leider sehr mit dem Dialog und hat dadurch wenig Gelegenheit, wirklich zu spielen.) Fühlte er damals tatsächlich eine Verbindung zu Osha oder war es nur sein eigenes Bedürfnis nach einem Padawan, das ihn antrieb?
Er ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass Lügen dazu tendieren, sich mit der Zeit zu verselbstständigen. Anfangs will Sol dem Hohen Rat noch sagen, was wirklich auf Brendok passiert ist, doch Indara hält ihn davon ab, um Osha nicht noch mehr zu nehmen. Und statt wenigstens ihr die Wahrheit zu sagen, als sie alt genug war, um seine Beweggründe zu verstehen, hat er die Lüge einfach immer weitergeschleppt. Man fragt sich unweigerlich, wie Oshas Leben verlaufen wäre, wenn er ehrlich zu ihr gewesen wäre.
Chosen Notes
• Irgendwie fand ich es wahnsinnig liebenswert, wie gelangweilt die Jedi aussehen, während sie Grashalme analysieren. Die Filme haben uns ein völlig falsches Bild vom Alltag der „Ritter“ vermittelt.
• Ein bisschen versöhnt mich die Folge auch mit dem Casting von Carrie-Anne Moss. Ich hatte hier erstmals das Gefühl, wirklich etwas von ihr und ihrer Figur gesehen zu haben.
• Wie genau die Hexen Osha und Mae gemacht haben, wissen wir jetzt aber immer noch nicht, oder? Eine Vergenz ist ja eher ein spontan auftretendes Ereignis.
• Gott, und ich hab so gelacht, als sie bei der Analyse des Bluts von „M-Count“ sprechen. Bloß nicht das böse Wort sagen! 🤣
4 von 5 Bananen, die Botanik auch öde finden und lieber Hexen jagen.