The Acolyte | The Acolyte (1×08)

„If it was an accident then why didn’t you tell Osha? Why did you lie to her? Why did you blame it on me?“

Auf Brendok kommt es zum Showdown zwischen Sol und Qimir, während Mae sich mit Osha zu versöhnen versucht. Spoiler!

You and Osha are not twins

Sol fliegt zurück nach Brendok, doch kurz vor dem Ziel kann Mae fliehen und erreicht ihr altes Zuhause vor ihm. Auch Qimir und Osha landen kurz darauf auf dem Planeten. Während sich zwischen Sol und Qimir ein Kampf entwickelt, versucht Mae, Osha die Wahrheit über die Vernichtung des Covens zu erzählen. Doch die glaubt es erst, als Mae Sol dazu bringt, zuzugeben, dass er es war, der ihre Mutter getötet hat. Daraufhin wendet sich Osha gegen ihren alten Meister und schafft, was Mae nie konnte: Sie tötet einen Jedi ohne Waffe. Doch Vernestra ist bereits mit einem Team unterwegs zu ihnen.

Ein unbefriedigender Abschluss

Ich will nicht unfair sein, manches an diesem Serienfinale, das eigentlich nur ein Staffelfinale sein wollte, ist ganz okay. Aber es gelingt der Geschichte bis zum Schluss nicht, offensichtliche Ungereimtheiten aufzuklären und den Figuren eine glaubwürdige und vor allem konsistente Motivation zu geben. Ich denke, man hat hier einfach zu sehr auf den Namen „Star Wars“ vertraut und am Ende nur einen Prolog erzählt, was in Summe natürlich unbefriedigend ist.

Senator Rayencourt: „I think the Jedi are a massive system of unchecked power, posing as a religion, a delusional cult that claims to control the uncontrollable.“
Vernestra: „We don’t control the Force.“
Senator Rayencourt: „Not the Force. Your emotions. You project an imagine of goodness and restraint, but it’s only a matter of time before one of you snaps.“

Den Jedi fehlt es an Demut

Einer der interessantesten Aspekte, den man vielleicht stärker in den Vordergrund hätte stellen sollen, ist der innere Zerfall des Jedi-Ordens. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet ich das mal sage, aber die politischen Differenzen, die hier angedeutet werden, sind fast das Spannendste an der ganzen Folge. Wir wissen, dass der Zusammenbruch erst später erfolgt, wenn Palpatine die Bühne betritt, aber schon hier zeigt sich, dass das Misstrauen von Senator Rayencourt nicht unbegründet ist.

Die Jedi wurden zu lange zu wenig behelligt und haben dadurch Strukturen herausgebildet, die tatsächlich etwas Kultisches angenommen haben. Und längst nicht nur Außenstehende werden mit Lügen abgespeist, auch intern nimmt man es mit der Wahrheit nicht mehr so ernst. Das beginnt mit Indara, die ihre Gruppe damals zu Verschwiegenheit verpflichtete und so gleich vier Leben ruinierte. Und es endet mit Vernestra, die die Morde an den Jedi kurzerhand Sol anhängt, damit der Senat Ruhe gibt.

Sol sei an dieser Stelle keinesfalls von dem Vorwurf ausgenommen. Ich möchte ihm zugestehen, dass er vor sechzehn Jahren zu jung und unerfahren war, um Indara zu widersprechen. Aber er hatte anschließend viel Zeit und Gelegenheit, Osha die Wahrheit zu sagen. Mag sein, dass sie ihn dann trotzdem wie eine heiße Kartoffel fallengelassen hätte, aber das ist doch genau der Punkt. Die Jedi haben vergessen, was es heißt, aufrichtig zu sein, ungeachtet der Konsequenzen.

Wozu genau war Qimir noch mal gut?

Wie gesagt, davon hätte ich gerne mehr gesehen, denn der ganze Quark mit den Zwillingen, die eigentlich eine Person sind, und einem Sith, der kaum mehr als Requisite ist, war einfach nur öde und unlogisch. Ich denke ständig, ich müsste meine Kritik abmildern, weil die Geschichte so offensichtlich auf mehrere Staffeln ausgelegt war, aber nein, das entschuldigt nicht das Fehlen eines ordentlichen Handlungsbogens. „The Acolyte“ hatte eine Anfang, aber weder Mittelteil noch Ende, und das ist schlicht zu wenig.

Am offensichtlichsten ist das bei Qimir oder dem „unbekannten Meister“. (Wollte Vernestra da am Ende andeuten, dass er mal ihr Schüler gewesen ist, oder habe ich das falsch verstanden?) Wie passte er da rein? Wie ist Mae an ihn geraten? Und wieso zum Teufel glaubt Osha, dass sie ihre Schwester quasi von ihm freikaufen muss? Ich hätte erwartet, dass sie einfach ihre Kräfte vereinen und ihn töten. Immerhin hat Osha gerade erst im Alleingang einen Jedi-Meister mit der Macht erwürgt.

„You are not twins. You and Osha are the same person. I don’t know how your mother did it. But it has something to do with a vergence on this planet.“

Eine vertane Chance

Wahrscheinlich habt ihr in diesen Reviews wesentlich mehr über mich als über „Star Wars“ erfahren. Sie lesen sich wie der Mitschrieb eines Philosophie-Erstsemesters in der Einführungsvorlesung: Worum geht es? Wieso tue ich mir das an? Was ist der Sinn des Lebens? Hauptdarstellerin Amandla Stenberg soll angeblich gesagt haben, Grund für die Absetzung sei „hyper conservative bigotry“. Ich weiß ja nicht, von welcher Serie sie redet, aber „The Acolyte“ wurde abgesetzt, weil es uninteressant und schlecht erzählt war.

Das größte Rätsel bleibt für mich, für wen die Serie eigentlich produziert wurde. Es ist eindeutig keine Kinderserie, denn in fast jeder Folge stirbt jemand, und das teils auf äußerst brutale Weise. Teenagern auf der anderen Seite dürfte die Charakterzeichnung zu eindimensional und der Plot zu simpel sein. Als Erwachsene falle ich jedenfalls komplett aus der Zielgruppe heraus, das habe ich beim Reviewen schmerzlich gemerkt.

Aber lasst mich zum Schluss noch mal betonen, dass ich das Bestreben, neue Geschichten zu erzählen, die sich nicht auf die Skywalkers beziehen, ausdrücklich unterstütze. Es ist der Grund, warum eine Show wie „Andor“ funktioniert, denn darin werden Themen behandelt, die auch außerhalb der „Star Wars“-Bubble funktionieren. „The Acolyte“ fehlte dazu am Ende der Mut, und das ist vor allem traurig.

The Notes

• Lustigster Satz in meinen Notizen zu dieser Folge: „Wieso hält das Frettchen Sol auf?!“
• Ich weiß nicht, ob das gewollt war, aber die Serie verherrlicht schon irgendwie Selbstjustiz. Niemand wird hier vor Gericht gestellt, alle werden einfach getötet.

2 von 5 Bananen, die eigentlich eine sind.

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