Pluribus | We is Us (1×01)

„You go to all that trouble to send a message, it’s gotta be more than just ‚hello.‘“

Durch ein außerirdisches Signal wird die ganze Menschheit in einem Schwarmbewusstsein miteinander verbunden. Außer Carol. Spoiler!

It’s like a bad episode of Star Trek

Vor vierzehn Monaten haben ein paar Astronomen ein Signal aus dem Weltall aufgefangen, das sich als Rezept für eine RNA-Sequenz herausstellt. Bei Tierversuchen damit wird eine der Wissenschaftlerinnen infiziert und setzt eine Kette weiterer, nun gezielter Ansteckungen in Gang. Die „Infizierten“ werden Teil eines kollektiven Bewusstseins, eines geradezu übertrieben glücklichen Schwarms. Bald ist die ganze Welt verwandelt, nur die miesepetrige Romantasy-Autorin Carol Sturka scheint dagegen immun zu sein.

Ein großes Rätsel

Puh, schwer, hier einen Anfang zu finden. Wie vermutlich die meisten Zuschauer, hat mich in erster Linie die Geheimniskrämerei im Vorfeld angelockt. Bis zur Ausstrahlung der ersten Folge wusste im Grunde niemand, worum es in „Pluribus“ eigentlich geht, es gab nur ein paar Gerüchte und Spekulationen. Und zumindest für mich trifft das auch jetzt noch zu, denn ich habe sehr penibel darauf geachtet, nichts über die Serie zu lesen, bevor ich mit meinen Reviews beginne. Fühlt sich ein bisschen wie damals bei „Lost“ an …

Carol: „Who is we?“
Taffler „We is us. Just us.“
Carol: „Who the fuck is us?“
Taffler: „Us. There are no aliens.“

Assimilation als Invasionsstrategie?

Die Logistik des Ganzen wird am Ende von „We is Us“ jedenfalls schon ziemlich ausführlich von Davis Taffler erklärt. (Dem U.S. Under Secretary of Agriculture for Farm Production and Conservation, der zufällig gerade einen Anzug trug.) „Pluribus“ spielt mit einer Variation der Körperfresser-Thematik, die in den letzten Jahren ein bisschen in Vergessenheit geraten ist und wahrscheinlich auch deshalb so frisch wirkt.

Aber die Serie bedient sich noch eines anderen ungewöhnlichen Kniffs: Angesichts des Plots würde man an dieser Stelle Horror erwarten, doch diese erste Folge zumindest erinnert eher an eine Farce. Es ist alles einen Ticken überspitzt, von den übereifrigen Wissenschaftlern, die mit einer unbekannten RNA experimentieren (weil halt), über die weltweite Verbreitung durch Kondensstreifen bis hin zu der Tatsache, dass diese „willenlosen Zombies“ superglücklich und scheißnett sind. Was für eine Invasion soll das denn sein?!

Ich jedenfalls bin gespannt, ob sie diesen Tonfall weiter verfolgen oder irgendwann der Umschwung kommt. Der Horror ist ja da, auch wenn er nicht extra herausgestellt wird. Einer von nur zwölf Menschen weltweit zu sein, die nicht Teil des Kollektivs geworden sind, ist eine gruselige Vorstellung. Vor allem, da das Kollektiv das unbedingt ändern will – natürlich nur zum Besten dieser Leute.

Carol bringt das Anti in Heldin

Was mich zu Carol Sturka bringt, die so gar keine der Qualitäten mitbringt, die eine Heldin normalerweise ausmachen. Sie ist eine erfolgreiche und bei Fans beliebte Autorin, die ihre eigenen Fantasy-Romanzen als „mindless crap“ bezeichnet. Sie hat offenbar ein Alkoholproblem, auch wenn das nur subtil angedeutet wird. Und sie ist eine Pessimistin vor dem Herrn. Ich glaube, das ist es, was mich von Anfang an für sie eingenommen hat.

Es ist zudem ganz interessant, dass ganze Passagen von „We is Us“ ganz ohne Dialog auskommen und Carol dabei besser charakterisieren als alles, was sie sagt. Die lange Sequenz, als die große Masse der Menschen von der RNA infiziert wird, ist besonders beeindruckend. Während alles um sie herum zum Halt kommt, wird Carol plötzlich aktiv und versucht, ihre ebenfalls betroffene Lebensgefährtin Helen ins Krankenhaus zu schaffen.

Taffler: „Rest assured, Carol. We will figure out what makes you different.“
Carol: „Figure it out why?“
Taffler: „So we can fix it. So you can join us.“

Mystery-Veteran mit Auge für Bildkomposition

Der kreative Kopf hinter „Pluribus“ ist übrigens Vince Gilligan, den viele wahrscheinlich vor allem mit „Breaking Bad“ in Verbindung bringen. Ich muss gestehen, dass ich die Serie bis heute nicht gesehen habe (und es vermutlich auch nicht mehr tun werde) und beim Namen Gilligan eher an „Akte X“ denke. Was angesichts der Thematik vielleicht auch naheliegender ist. Ich erhoffe mir hiervon tatsächlich ein bisschen Rätselspaß für mich und entsprechend unterhaltsame Reviews für euch.

Optisch wirkt „We is Us“ sehr stark durchkomponiert. Das ist etwas, was man nicht mehr so oft sieht, diese Staffelung des Bildes in verschiedene Ebenen, in denen etwas passieren kann. Genau das ermöglicht der Serie, Informationen ohne den obligatorischen Infodump zu vermitteln, was für einen insgesamt flüssigeren Erzählstil sorgt. Ich hab auch schon gehört, dass die ungewöhnlichen Zeitangaben weiterhin genutzt werden, um in der Chronologie hin und her zu springen.

We is Notes

• Der Serientitel spielt natürlich mit dem lateinischen Motto „e pluribus unum“, wörtlich übersetzt „aus vielen eines“.
• Ich bin gespannt, für welchen Ismus die „Körperfresser“ diesmal eine Metapher sind. Globalismus? Konformismus? Kommunismus? Totalitarismus?
• Bitte, bitte lasst uns die restlichen elf Individuen auch kennenlernen! Ich bin neugierig, was sie verbindet.
• Die wichtigste Frage lautet natürlich: Woher kommt das Signal und welcher Plan steckt dahinter? Ist es eine Invasion oder wurde die Botschaft nur falsch interpretiert?

5 von 5 angeleckten Bananen.

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