„Es ist ein Heiliges in der Herzensliebe, ist dir das denn so fremd?“
(„Bright Star“)
Gibt es den perfekten Liebesfilm? Ein ganz klares Nein. Das liegt aber vor allem daran, dass jeder von uns nach etwas anderem darin sucht. Ich habe das Experiment gewagt und damit begonnen, alle Liebesfilme, die in den letzten Jahren aus den verschiedensten Gründen in meine Sammlung Einzug gehalten haben, noch einmal zu schauen. In mehreren Teilen möchte ich euch die vorstellen, die auch danach noch meine Lieblingsromanzen sind, und analysieren, welche Gemeinsamkeiten sie haben. Unnötig zu erwähnen: Die genannte Reihenfolge ist rein zufällig und spiegelt keine Rangfolge wider.
Bright Star
„Ich versteh gar nichts von Poesie.“ – „Ja, das sagt man von mir auch.“ Mit diesem verschmitzten Dialog beginnt die Liebesgeschichte von Fanny Brawne und dem Dichter John Keats. Wir schreiben das Jahr 1818, Keats’ Gedichte werden von der Presse zerrissen, er ist praktisch mittellos und kommt bei seinem Dichterkollegen Mr. Brown unter. Die aufkeimende Romanze zwischen Fanny und John trifft allgemein auf Ablehnung; Mr. Brown findet, sie halte ihn vom Dichten ab, und Fannys Mutter macht klar, dass sie keiner Hochzeit zustimmen wird. Doch davon lassen sich die Beiden nicht beeindrucken und tauchen in ihre Welt aus Poesie ab.
„Bright Star“ ist kein fröhlicher Film, tatsächlich wird Fannys und Johns Liebe von Anfang an von einer schwer fassbaren Melancholie überschattet. Es ist auch kein Film mit Happyend, sondern im Gegenteil mit einem so herzzerreißenden Schluss, dass man den ganzen Abspann benötigt, um wieder Luft zu kriegen. Und doch strahlt er einen Zauber aus, eine Zärtlichkeit, die in jedem modernen Setting unangebracht wäre. Eine interessante Beobachtung: Worte spielen hier eine enorm wichtige Rolle. Fanny und John zeigen zwar auch körperliche Zuneigung (Sex ist in dieser Epoche für ein unverheiratetes Paar freilich ausgeschlossen), aber größtenteils wird ihre Liebe durch Worte, nicht zuletzt durch Poesie vermittelt.
Brokeback Mountain
Wyoming Anfang der 1960er. Farmer Ennis Del Mar und Rodeo-Reiter Jack Twist nehmen eine Stelle bei einem Schafzuchtbetrieb an und verbringen den Sommer mit den Tieren auf dem Brokeback Mountain. In der Einsamkeit der Natur kommen sich die Beiden näher, auch wenn beide nach der ersten gemeinsam verbrachten Nacht noch darauf bestehen, dass sie nicht schwul sind. Was folgt, ist eine zwanzig Jahre dauernde Beziehung, die sie stets nur für wenige Tage ausleben können, während sie im echten Leben Ehefrauen und Kinder haben. Jack schlägt vor, dass sie sich gemeinsam eine Ranch kaufen, doch Ennis hat Angst vor dem Gerede der Leute. „Wir haben nie genug Zeit, die Zeit ist immer zu kurz“.
Als „Brokeback Mountain“ 2005 in die Kinos kam, war der Film eine kleine Sensation. Nicht nur, weil homosexuelle Beziehungen in den Medien damals tatsächlich noch die große Ausnahme waren. Sondern, weil die Gefühle der beiden Männer mit einer bis dato ungekannten Selbstverständlichkeit gezeigt wurden, wodurch die Liebesgeschichte eine fast universelle Bedeutung erhielt und so auch beim Mainstream-Publikum ankam. Mich berührt bis heute vor allem die Ehrlichkeit der Geschichte. Ennis und Jack sind keine Stereotypen, sondern komplizierte Persönlichkeiten, die sich aneinander reiben, aber auch tiefe Liebe füreinander empfinden. Und nie gab es ein stärkeres Bild dafür als die zwei auf einem Kleiderbügel übereinander gehängten Hemden.
Drive
Der namenlose „Fahrer“ führt ein einfaches Leben. Tagsüber arbeitet er in einer Autowerkstatt oder verdingt sich beim Film als Stuntfahrer, nachts fährt er Fluchtwagen für Einbrecher. Dann zieht er neben Irene und ihrem Sohn Benicio ein und verbringt mehr und mehr Zeit mit ihnen. Als Irenes Mann Standard aus dem Gefängnis kommt, wird er von seinen früheren Geschäftspartnern erpresst und soll ein Pfandhaus ausrauben, um seine Schulden zu begleichen. Irene zuliebe will der Fahrer ihm helfen, doch der Coup geht schief, Standard wird erschossen und er selbst hat plötzlich die Mafia an der Backe.
Wahrscheinlich können die meisten Frauen einen Film nennen, bei dem sie sich ein bisschen in Ryan Gosling verliebt haben. Meiner war „Drive“. Ist es ein Liebesfilm? Darüber könnte man trefflich streiten, für mich zumindest spielte die zarte Beziehung zwischen dem Fahrer und Irene schon immer die Hauptrolle. Es ist eine Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, erst wegen Irenes Ehemann, dann weil der Fahrer zum Mörder wird, um Irene vor der Mafia zu schützen. Aber es ist auch eine der stärksten, die ich je in einem Film erlebt habe, getragen fast ausschließlich von Blicken und den nicht ausgesprochenen Worten. Es gibt nur einen einzigen, traumhaft schönen Kuss im Aufzug, bevor der Fahrer einem Kerl den Kopf zu Brei tritt – und damit ist der Film in nur einer Szene perfekt zusammengefasst.
Und, seht ihr den gemeinsamen Nenner schon? Ich mache mir doch ein bisschen Sorgen … Seid gespannt, welche deprimierenden Dramen ich beim nächsten Mal aus dem Hut zaubere!
4
Der Film, bei dem ich mich ein bisschen, wenngleich rein platonisch, in Ryan Gosling „verliebt“ habe, ist „Lars und die Frauen“. Ein wunderschöner Film,bei dem ich gelacht und geweint habe. Falls nicht bekannt, sehr zu empfehlen!
Ansonsten sind meine Art Liebesfilme die slow burner, allen voran Jane Austen Verfilmungen (die alten, englischen). Und ansonsten hatte ich koreanische und chinesische Liebesserien erwähnt, oder? Ich brauche einfach Happy Ends, etwas mit Zuckerguss und dem innigen Awww-Faktor.
Ja, ich möchte auch betonen, dass es reiner Zufall ist, dass ich gerade zu Beginn die ganzen Dramen ohne Happyend erwischt habe. 😬 Wobei … vielleicht auch nicht, denn ich bin kein Fan davon, dass man dem Publikum heutztage selten noch ein trauriges Ende zumutet. Es muss immer alles eitel Sonnenschein sein.
PS: An „Lars und die Frauen“ erinnere ich mich dunkel, ich glaube, den mochte ich auch.