„Carol, you may find this hard to believe but yesterday was the greatest day in the history of humanity.“
Carol trifft sich mit fünf der verbliebenen Individuen, um eine Strategie zu planen. Doch das Treffen läuft anders als gedacht. Spoiler!
You are traitors to the human race!
Während Carol unter Mühen versucht, in ihrem Garten ein Grab für Helen auszuheben, schickt das Kollektiv Zosia als Vertreterin zu ihr. Sie wurde ausgewählt und ist vom anderen Ende der Welt zur ihr gereist, weil sie Carols ursprünglicher Vorstellung ihrer Buchfigur Raban am nächsten kommt. Nach einem Zwischenfall, bei dem das Kollektiv erneut in eine Art Starre verfällt, bittet Carol um ein Treffen mit den fünf Individuen, die Englisch sprechen. Doch es stellt sich heraus, dass die eigentlich nichts lieber wollen, als ebenfalls dem Kollektiv anzugehören.
Weg des geringsten Widerstands
Stell dir vor, du willst die Menschheit retten, und keiner macht mit. Ich hätte nicht erwartet, dass sie uns so früh schon mit anderen Individuen bekannt machen, doch noch überraschender war für mich, dass keiner von ihnen irgendein Interesse an Widerstand hat. Auch wenn „Pirate Lady“ der Wow-Effekt der ersten Folge fehlt, erfahren wir hier eine Menge darüber, was passiert ist, und wie die Spielregeln lauten.
Carol: „It’s up to us now. The future of humanity is in our hands. As scary as that sounds, it is. It is up to us to put the world right.“
Kumba: „Why?“
Carol: „Why save the world? Is that … Wait, is … That’s your question?“
Kumba: „Why does the world need saving? At present, the situation seems very nice.“
Lieber ein Teil der Masse
Um direkt auf die oben genannte Problematik zurückzukommen: Ist es wirklich so überraschend, dass die fünf anderen möglichst schnell selbst zu den „Joined“ gehören möchten? Wenn wir nämlich ehrlich sind, war das sogar das einzig realistische Szenario. Wir reden viel und gerne über Individualität, aber am Ende des Tages wollen die meisten von uns einfach nur dazugehören. Genau deshalb funktioniert Totalitarismus immer wieder so super.
„Pluribus“ fügt noch eine weitere Ebene hinzu, weil es hier um echte Assimilation geht, eine Vereinigung aller Lebenserfahrungen, aller Eigenschaften, allen Wissens. Mir war in dem Moment, als die anderen mit ihren Familien auftauchen, klar, wie das Treffen läuft. In ihrem jetzigen Zustand der Individualität haben diese Leute ihre Familie verloren und klammern sich an die Hoffnung, sie wiederzugewinnen, indem sie selbst Teil des Kollektivs werden.
Carol ist in beiderlei Hinsicht die Ausnahme. Ohne Helen hat sie niemanden mehr, und Zosias Aussage, dass ihre Persönlichkeit vor ihrem Tod ins Kollektiv übergegangen ist, ist letzten Endes zu abstrakt. Carol hat aber auch nicht das Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören, und das ist, denke ich, der entscheidendere Punkt. Sie ist eine wahre Individualistin, die ihren eigenen Wert danach bemisst, wie sie sich von anderen unterscheidet.
Ist das überhaupt rückgängig zu machen?
Nun, wir wissen nicht, wie es um die anderen Außenseiter steht, die kein Englisch sprechen, aber Stand jetzt steht Carol auf verlorenem Posten. Sie mag den Kampfgeist haben, aber ohne Fachwissen hat sie keine Chance gegen ein Kollektiv, das sämtliches Wissen der Erde in sich vereint. Und die eine entscheidende Frage haben wir uns da noch nicht mal gestellt: Besteht überhaupt die Möglichkeit, das rückgängig zu machen?
Ich meine, all die vereinten Persönlichkeiten müssten wieder in den richtigen Körper zurückgeführt werden. Das klingt nach deutlich mehr Aufwand als alle in einen Topf zu schmeißen. Eine andere Strategie wäre, nur den „Kleber“ (wie Taffler es nannte) zwischen ihnen zu lösen, dann behielten alle das ganze Wissen. Aber kann ein einzelnes menschliches Gehirn damit dann noch umgehen?
Eines immerhin erfahren wir in „Pirate Lady“: Starke negative Emotionen, die sich explizit gegen sie richten, verträgt das Kollektiv nicht gut. Damit löst Carol in dieser Folge zweimal eine Starre aus, die wiederum Menschenleben kostet. (Beim ersten Mal elf Millionen!) Ich weiß noch nicht, wie ich diese Information einordnen soll, aber das ist trotzdem etwas, was wir im Hinterkopf behalten sollten.
„I’m smart enough to know you don’t ask a drug dealer to describe their heroin.“
Es lief nicht alles nach Plan
Zosia berichtet bei dem Treffen übrigens auch vom genauen Ablauf des „Joining“ (so nennen sie es selbst) und offenbart dabei, dass es niemals der Plan war, die ganze Menschheit auf einen Schlag zu verwandeln. Wie wir in „We is Us“ gesehen haben, wurden zuerst ganz gezielt Menschen ins Kollektiv aufgenommen, hauptsächlich Wissenschaftler. Dann aber kam das Militär dahinter, und um größeres Blutvergießen zu verhindern, wurde der Plan kurzerhand beschleunigt.
Bei der individuellen Auslese gab es laut Zosia auch keinen einzigen Todesfall, während bei der großen Umwandlung mehr als 886 Millionen Menschen starben. Ich nehme stark an, dass das ausschließlich Unfälle waren, ähnlich wie bei Helen, bei der die Umwandlung zwar funktioniert hat, die dann aber mutmaßlich an ihrer Kopfverletzung starb. Dennoch frage ich mich, ob das Emotions-Problem nicht vielleicht eine Folge dessen ist, dass so viele Menschen auf einmal miteinander verbunden wurden.
Pirate Notes
• Die ersten gut zehn Minuten der Folge sind absolute Perfektion. Nicht ein Wort wird gesprochen, aber es passiert so viel. Vor allem wird ohne große Erklärung gezeigt, wie das reibungslose Zusammenspiel des Kollektivs funktioniert.
• Das Kollektiv behauptet, nicht töten zu können, und das schließt auch Tiere mit ein. Damit ist die Menschheit also auf einen Schlag zu Vegetariern geworden. Wäre spannend, wenn die Auswirkungen auf die Landwirtschaft auch thematisiert werden.
• So spontan ist mir keine Gemeinsamkeit zwischen Carol und den anderen fünf aufgefallen. Es ist jedenfalls nicht ihre pessimistische Haltung, die sie immun macht.
5 von 5 Bananen anstelle des bestellten Hummers.