Im Schnelldurchlauf | Serien im März

„Verdammt guter Kaffee.“
(„Twin Peaks“)

Diesen Monat habe ich mich eines echten Serienklassikers angenommen – und bin zwiegespalten. (Was wahrscheinlich exakt die zu erwartende Reaktion ist.) Doch auch abseits davon gab es ein paar solide Geschichten, wie ihr im Schnelldurchlauf nachlesen könnt. Spoiler!

The Morning Show (Staffel 4)

April 2024. Nach der Fusion von UBA und NBN führt Stella als neue CEO den Sender UBN. Während die Vorbereitungen zur Übertragung der Olympischen Sommerspiele in Paris laufen, verhilft Alex einer iranischen Sportlerin während eines Interviews zur Flucht. Um die Wogen zu glätten, wird Alex vorerst von der Berichterstattung abgezogen und Chris Hunter übernimmt den Job. Um die dadurch entstandene Lücke in der Morning Show zu füllen, wird kurzerhand Bradley zurückgeholt – sehr zum Unwillen von Alex.

Insgesamt beackert die vierte Staffel der „Morning Show“ interessante Themen, will meiner Meinung nach dabei aber einfach zu viel. So bekommt eigentlich kein Plot die ihm zustehende Aufmerksamkeit und es entsteht ein Flickwerk von Geschichten, die nicht recht zusammenpassen. Erst gegen Ende, mit der Konzentration auf den vertuschten Umweltskandal, Corys Rolle darin und Bradleys Gefangennahme in Belarus, entwickelt die Show noch mal richtig Sog. Der Verschleiß an CEOs in diesem Unternehmen ist allerdings langsam bedenklich.

4 von 5 gedopten Bananen.

Infiltration (Staffel 3)

Zwei Jahre, nachdem das Mutterschiff der Aliens gefallen ist, gedenkt die Menschheit ihrer Helden Trevante Cole und Caspar Morrow. Da wird plötzlich eines der Portale aktiv und spuckt Trevante aus, der sich zunächst an nichts erinnern kann. Als die Erinnerung langsam zurückkehrt, warnt er die Regierung vergebens davor, dass die Aliens zu einem neuen Angriff ausholen. Jamila verhilft ihm zur Flucht aus der Militärbasis. Gleichzeitig empfängt Mitsuki Yamato, die sich in Japan versteckt, Signale der Außerirdischen.

Langsam wird es lächerlich, dass jede Staffel damit endet, dass sie die Aliens besiegen, nur um dann doch noch eine Staffel dranzuhängen. Ich hoffe, diesmal ist an den Gerüchten nichts dran, das Ende hier ist perfekt, auch wenn ich nicht behaupten will, alles verstanden zu haben. Waren die Aliens nun böse oder alles nur ein Missverständnis? Richtig nervig fand ich die Infinitas-Sekte mit ihrem Erlöser-Gequatsche, die Zeit hätten sie besser in Mitsuki investiert, denn ihren Plot fand ich wesentlich spannender.

3 ½ von 5 Bananen, die eine Religion erfinden.

Eva: „Es gibt keinen Alkohol in dem Laden.“
Becka: „Es gibt Kombucha.“
Eva: „Halt die Fresse.“
(„Bad Sisters“)

Bad Sisters (Staffel 1)

Nachdem Graces bevormundender Ehemann John Paul bei einem Unfall gewaltsam gestorben ist, taucht Versicherungsvertreter Thomas Claffin bei der Beerdigung auf. Da er pleite geht, wenn er die Lebensversicherung auszahlen muss, hofft er, einen Beweis dafür zu finden, dass es kein Unfall war. Obwohl sie nichts zu verbergen hat, lügt Grace im Affekt, dass sie in jener Nacht bei ihren Schwestern war. Die haben nun ein Problem, denn Eva, Bibi, Ursula und Becka haben tatsächlich eine Menge mit John Pauls frühzeitigem Ableben zu tun.

Man glaubt nicht, wie schwer es ist, einen Menschen … entschuldigt, einen Drecksack zu töten. „Bad Sisters“ ist eine klassische schwarze Komödie, also kein Schenkelklopfer, sondern eher subtil und mit aufwendig vorbereiteten Pointen. Die Geschichte lebt im Grunde von den ungleichen Schwestern, die mit immer neuen Ideen aufwarten, um John Paul loszuwerden. Und Claes Bang? Der geht in der Rolle völlig auf, selten habe ich eine fiktive Figur derart verabscheut. Ob eine zweite Staffel nötig war? Werden wir sehen.

4 ½ von 5 nicht tot zu kriegenden Bananen.

Twin Peaks (Staffel 1)

In der verschlafenen Kleinstadt Twin Peaks wird die siebzehnjährige Laura Palmer ermordet und in Plastikfolie gewickelt aufgefunden. FBI-Agent Dale Cooper übernimmt die Ermittlungen und wendet dabei nicht nur gute alte Detektivarbeit an, sondern nutzt auch Hinweise aus seinen Träumen. Lauras Tod macht den Bewohnern der Stadt sehr zu schaffen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Cooper noch die Idylle von Twin Peaks preist, sind fast alle in Affären, Intrigen oder Drogenhandel verwickelt.

Für einen Serienfan wie mich gehört „Twin Peaks“ eigentlich zur Allgemeinbildung, doch bislang scheiterte es immer an der Verfügbarkeit. (Für alle Interessierten: In der Arte-Mediathek gibt es aktuell alle drei Staffeln.) Und nun? Ich bin etwas ernüchtert, um ganz offen zu sein. Der Mix aus Außerweltlichem und Kleinstadt-Soap ist gewöhnungsbedürftig, ebenso das teils arg überdrehte Schauspiel. (Und die permanente mystische Hintergrundmusik nervt übel.) Aber irgendwie hat das alles doch einen Sog. David Lynch halt.

3 ½ von 5 Stück Bananenbrot (Kirschkuchen ist aus).