„My name is Manousos Oviedo. I am not one of them. I wish to save the world.“
Carol lenkt sich mit Golf und einem neuen Auto ab, während Manousos die lange Reise nach Albuquerque antritt. Spoiler!
Do better next time
Nach ihrer Rückkehr nach Albuquerque beschließt Carol, das Beste aus der Situation zu machen. Sie kauft sich Feuerwerk, spielt Golf, besucht ein Spa und nimmt aus der Kunstgalerie ihr Lieblingsbild mit nach Hause. Doch die Einsamkeit macht ihr zu schaffen, und gut einen Monat später erfreut sie auch Feuerwerk und Golf nicht mehr, worauf sie das Kollektiv bittet, zurückzukehren. Währenddessen beginnt Manousos seine lange Reise und will trotz der Warnung des Kollektivs den „Darién Gap“ zu Fuß durchqueren. Erst nach einer schweren Verletzung ist er bereit, Hilfe anzunehmen.
Ein Monat, zwei verschiedene Erfahrungen
„The Gap“ ist eine interessante Folge, die uns zwei Lebenswelten zeigt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die titelgebende Kluft bezieht sich dabei nicht nur auf die Geographie, sondern lässt sich auch auf Manousos und Carol übertragen. Beide geben ihren Widerstand gegen das Kollektiv am Ende auf, Manousos aus physischen, Carol aus psychischen Gründen. Wie sehr das auch ihre generelle Haltung zur Situation verändert, bleibt indes spannend.
Ohne Ziel verliert alles an Bedeutung
Es macht viel aus, dass „The Gap“ nicht permanent zwischen den beiden Erzählsträngen springt, sondern Manousos’ Part an einem Stück erzählt, flankiert von Carols langsamem Abstieg. Wir können dadurch viel besser nachvollziehen, wie lang und fordernd diese Reise ist, aber auch, wie scheinbar mühelos Manousos für sich selbst sorgt. Er hat ein klares Ziel vor Augen und tut alles, um es zu erreichen.
Das ist, denke ich, auch der wichtigste Unterschied zu Carol. Sie mag sich einreden, dass es ihr nichts ausmacht, von den anderen ausgegrenzt zu werden, schließlich war sie auch vorher schon eine Einsiedlerin. Aber dadurch rückt ihr Ziel in weite Ferne, und im Grunde ist alles, was sie anschließend tut, eine Trotzreaktion. „It’s the end of the world as we know it“, dann kann sie die Zeit doch auch genießen.
Und genau hier zeigt sich einmal mehr die Genialität von „Pluribus“. Wo andere postapokalyptische Szenarien aufhören, beginnt diese Serie erst. Denn all die Annehmlichkeiten einer verlassenen Welt können einen Menschen nur eine Zeitlang befriedigen, bevor sie alltäglich und langweilig werden und man einfach nur noch allein ist. Carol wird zunehmend destruktiv – und schließlich suizidal.
„Nothing on this planet is yours. Nothing. You cannot give me anything, because all that you have is stolen. You don’t belong here.“
Große Bilder und wenige Worte
Mit ein Grund, warum „The Gap“ so gut funktioniert, ist einmal mehr der vorwiegend visuelle Erzählstil. Zweimal wendet sich das Kollektiv an Manousos, das sind recht ausführliche Monologe. Abgesehen davon aber wird in der Folge kaum gesprochen, und wenn, dann sind es formal gesehen Selbstgespräche. Manousos, der während der Reise Englisch lernt, und Carol, die Wünsche auf den Anrufbeantworter spricht.
Die Erzählung wird dadurch sehr immersiv, vor allem während der Wanderung durch den Dschungel vergisst man die Story eigentlich völlig und ist mit Manousos im Hier und Jetzt. Der Produktionsaufwand dahinter muss gewaltig gewesen sein, um das so intensiv einzufangen. Bei Carol betont der Verzicht auf Dialoge vor allem die Stille, die sie anfangs durch Singen, später durch Mixtapes zu durchbrechen versucht.
Ist der Widerstand gebrochen?
Werden sie ihren Widerstand aufgeben? Manousos blieb im Grunde keine andere Wahl, als die Hilfe schließlich anzunehmen. Durch seine Verletzung hat sich mutmaßlich eine Infektion gebildet, und er wäre im Dschungel gestorben, wenn die Joined ihn nicht im Auge behalten und gerettet hätten. Ich glaube aber nicht, dass das seine Einstellung ihnen gegenüber wesentlich verändern wird, er sieht in ihnen keine Menschen mehr.
Bei Carol bin ich mir da nicht so sicher. Sie ist zwar eine Eigenbrötlerin, aber nicht so autark und genügsam wie Manousos. Die Vorstellung, Teil einer Gemeinschaft zu sein und nicht mehr mit ihren Gedanken allein gelassen zu werden, könnte langsam vielleicht sogar verlockend klingen. Umso interessanter dürfte das erste Zusammentreffen zwischen ihr und Manousos werden.
The gaping Notes
• Wahrscheinlich hat Carol einfach nur die Nachricht auf dem Anrufbeantworter satt. 😆 Auch in dieser Folge hören wir sie viermal in voller Länge.
• Es sagt so viel über Manousos aus, dass er immer noch Geld da lässt, wenn er Benzin aus Autos holt. Er glaubt fest an eine Rückkehr zur Normalität.
5 von 5 an einer Schwarzen Palme aufgespießten Bananen.