„We have to share their gift. With whoever else might be out there.“
Carol und Zosia verbringen etwas Zeit miteinander und versuchen, die jeweils andere mit Charme abzulenken. Spoiler!
We are just so excited to have something new to read
Das Kollektiv kehrt nach Albuquerque zurück und Zosia verbringt etwas Zeit mit Carol. Zosia hofft, dass Carol ihre Suche nach einer Möglichkeit, das Joining rückgängig zu machen, aufgibt, und beantwortet bereitwillig ihre Fragen. Carol wiederum hofft, durch Freundlichkeit mehr herauszufinden, und beginnt sogar wieder zu schreiben. Doch beide wissen, was die andere vorhat, und auch, dass sie ihren jeweiligen Standpunkt nicht aufgeben werden. Manousos erwacht derweil in einem Krankenhaus in Panama, und obwohl er geschwächt ist, setzt er seinen Weg fort.
Das erste Date … mit der gesamten Menschheit
Kam „The Gap“ noch nahezu ohne Worte aus, wird in „Charm Offensive“ vor allem eines: geredet. Das Ganze erinnert wohl nicht ganz zufällig an ein Dating-Ritual, denn sowohl Carol als auch dem Kollektiv geht es darum, dem jeweiligen Gegenüber einen möglichst positiven Eindruck zu vermitteln. Das Spannende daran ist, dass beide genau wissen, was der andere versucht – und trotzdem mitspielen.
„There’s a lot of things that I like about you, but this? This is a train wreck. This is unsustainable. It’s mental illness. It’s psychosis. You are starving, and you can’t even pick a goddamn apple off a tree? Someone has to put the world right, even if it means you all leave me again.“
Ausbreitung als einziges Ziel
Es ist überraschend schwer, über diese Folge zu schreiben, denn wir erfahren einerseits ein paar wirklich interessante Dinge, andererseits soll sie ziemlich offensichtlich mehr unsere Gefühle als unseren Verstand ansprechen. Ich habe das Kollektiv zwar nie als Feind im klassischen Sinne gesehen, aber „Charm Offensive“ trägt viel dazu bei, den Gedanken von zwei gegnerischen Seiten weiter aufzulösen. Mehr und mehr wirken die Joined auf mich wie Opfer, die sich ihre Lage schönreden.
Das heißt nicht, dass sie nicht gefährlich sind. So erfährt Carol beispielsweise, dass sie an einer gigantischen Antenne arbeiten, um das „Geschenk“ weiterzugeben. Wenn das nicht das Verhalten eines Parasiten ist, dann weiß ich auch nicht. Meine Theorie vom Virus scheint jedenfalls immer wahrscheinlicher, denn statt um den Erhalt der eigenen Spezies kümmert sich das Kollektiv lieber darum, das Signal weiter zu verbreiten. Zosias Ablenkungstaktik bei Carol entspricht demnach dem Versuch, dem Immunsystem vorzugaukeln, es sei alles in bester Ordnung.
Steckt noch Individualität im Kollektiv?
Trotz der vielen Fragen, die Carol stellt, wissen wir immer noch so wenig über die Joined. Ihre Lebensweise scheint sich vor allem um Ressourcenschonung zu drehen, sei es bei der Nahrung oder beim Schlafen. (Ich war überrascht, dass Carol sich darauf einlässt, in der Gruppe zu schlafen.) Zosia erklärt zwar, wie sie kommunizieren (das elektromagnetische Feld des Körpers), aber ich glaube, nicht mal sie selbst verstehen es wirklich.
Ein nicht ganz unwichtiger Punkt ist Sex. Wir wissen bereits, dass die Joined kein Problem damit haben, mit Individuen zu schlafen, wenn diese das wünschen. Und hätte Carol es gewollt, hätten sie in dem Stadion auch eine Orgie veranstaltet. Aber haben sie selbst noch einen natürlichen Fortpflanzungstrieb? Offenbar werden aktuell zwar noch Babys geboren (sind die automatisch Teil des Kollektivs?), aber diese Frauen waren schon schwanger, als das Joining stattfand.
Das führt uns direkt zur Charme-Offensive des Kollektivs. Anfangs wirkt das alles noch etwas ungelenk und zu gewollt (das wiedererrichtete Restaurant), aber nach und nach scheint Carol das Individuum Zosia zu erreichen. Oder will das Kollektiv nur, dass sie das glaubt? Es scheint jedenfalls so, als fiele es Zosia zunehmend leichter, von „ich“ statt von „wir“ zu sprechen. Und die Initiative beim Kuss ging auch eindeutig von ihr aus. Wir können nur nicht mit Sicherheit sagen, ob das nicht nur gespielt ist.
Carol: „You are trying to distract me. Knock me off course. You rebuild my favorite diner, you jump for joy when I tell you I’m writing again, but it’s all an act. It’s manipulative bullshit because you know I haven’t given up. Admit it. Tell me you know I won’t give up.“
Zosia: „We know. We wish you would.“
Kunst für die Massen
Eine Sache ist mir aktuell noch nicht ganz klar: Schreibt Carol wieder, weil sie tatsächlich den Drang dazu verspürt, oder weil sie sich etwas davon erhofft? Ist das ihre Art, das Kollektiv davon abzulenken, dass sie sich eigentlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt? Das scheint mir ehrlich gesagt arg aufwendig, einen Roman schüttelt man ja nicht mal eben aus dem Ärmel. Aber es ist trotzdem süß, wie sehr sich die Joined freuen, dass wieder neue Kunst geschaffen wird. Sie kennen schließlich schon alles, was je geschrieben, gemalt oder komponiert wurde.
Und es sieht so aus, als stünde das Staffelfinale ganz im Zeichen des Zusammentreffens von Carol und Manousos. Was zu diesem Zeitpunkt sicherlich spannender ist als es noch vor ein paar Folgen gewesen wäre, denn Carol ist zwar weiterhin entschlossen, das Joining rückgängig zu machen, aber auch einen großen Schritt auf das Kollektiv zugegangen. Manousos erwartet, denke ich, jemand ganz anderen, und ich bin gespannt, ob sie einen gemeinsamen Nenner finden.
Notes Offensive
• Manousos mal wieder, der partout eine Rechnung für seine Behandlung im Krankenhaus haben möchte. 😄
• Jep, die verunglückte Drohne baumelt immer noch am Laternenmast.
• Toll, wie man uns erst glauben machen will, dass Carol Zosias Spiel mitspielt, nur um dann zu zeigen, wie sie auf ihre Tafel schreibt: They. Eat. People.
• Noch einmal: Nachdem Zosia das erste Kapitel von Carols neuem Roman gelesen hat, sagt sie „I love it“.
4 von 5 Bananen auf Mango-Eis.