„Long ago, Starfleet Academy took the finest minds, hearts and spirits of every generation and taught them to be lifelong explorers of space, our final frontier. Then, one day, fate handed us an unimaginable loss. The Burn. And it all went away.“
Der junge Caleb erhält die Möglichkeit, eine Gefängnisstrafe zu umgehen, indem er die Sternenflotten-Akademie besucht. Spoiler!
Have a great first day at school
Fünfzehn Jahre, nachdem Captain Nahla Ake die Mutter von Caleb Mir zu einer Gefängnisstrafe verurteilt hat, befindet sich der inzwischen 21-Jährige noch immer auf der Flucht. Beim Versuch, seine (längst geflohene) Mutter zu befreien, wird Caleb aufgegriffen und erhält ein ungewöhnliches Angebot von Ake: Er soll die neu eröffnete Sternenflotten-Akademie besuchen. Widerwillig stimmt er zu, nutzt beim Flug nach San Francisco aber die Gelegenheit, seiner Mutter eine Nachricht zu schicken. Dumm nur, dass die vom Piraten Nus Braka abgefangen wird, der noch ein Hühnchen mit Ake zu rupfen hat.
Nicht so schlecht wie beschrien
Okay, nicht ganz so katastrophal, wie ich nach den Kritiken erwartet habe, aber auch nicht gerade überwältigend. Aufgabe eines Pilotfilms ist es, einen neugierig auf die Serie zu machen, und dieses Ziel verfehlt „Kids these Days“ leider völlig. Die Story ist generisch, die Figuren schablonenhaft bis unglaubwürdig, und bloß, weil man das in ein fancy Setting verfrachtet und jede Menge Lens Flares drüber legt, wird es dadurch nicht spannender. Aber ich bin gewillt, der Serie eine Chance zu geben.
„These kids are inheriting a broken world they did not create but have to clean up. There’s no one more suited to help them. You’re part Lanthanite, you were there centuries ago when Starfleet was at its best. You can show them what that really means.“
Wer seinen Namen tanzen kann, wird aufgenommen
Lasst mich mit dem beginnen, was mich an der Grundprämisse am meisten stört. Eigentlich hätte es „Star Trek: Starfleet Academy“ ziemlich leicht, denn das Interesse an einer Serie über die Sternenflotten-Ausbildung war im Fandom immer da. Außerdem bietet das Format die Möglichkeit, ein jüngeres Publikum anzusprechen, das nicht mehr mit „Star Trek“ aufgewachsen ist. Und zu guter Letzt hat man sich für das 32. Jahrhundert entschieden, das bislang ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Also, was ist das Problem?
Für mich fängt es damit an, dass man eingangs noch betont, dass die Akademie einst ein Ort für die Besten der Besten war. Nur um uns dann einen Kleinkriminellen als Helden vorzustellen, für den der Besuch der Akademie nur ein Weg ist, einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Sorry, was hab ich hier verpasst? Schrauben wir unsere Ansprüche jetzt so weit herunter, dass einfach jeder ohne irgendeinen Eignungstest die Akademie besuchen kann, wie er gerade lustig ist? Das ist mir fast ein bisschen zu viel Realismus.
Antiautoritärer Ansatz oder so
Natürlich bringt uns das auch die üblichen Stereotypen von Charakteren ein. Und nein, bis auf Caleb kenne ich nach einer Stunde Laufzeit noch keinen einzigen Namen. Caleb ist der „Bad Boy mit einem Herz aus Gold“ (er springt einem Mobbing-Opfer zur Seite), und natürlich ist er auch ein Genie und rettet den Tag. Dazu gibt es den eingebildeten Schönling, die Tussi mit Ambitionen, den sensiblen Klingonen (sic!), ein Hologramm auf Speed und überhaupt sehr viel Body Positivity (zu Deutsch: das Replikator-Essen scheint zu schmecken).
Auf der Seite der Lehrer geht es nicht viel subtiler zu, einzig den Holo-Doc mochte ich tatsächlich, vielleicht ist das auch Nostalgie. Aber dass Captain Ake, wohlgemerkt Kanzlerin der Akademie, offenbar nicht in der Lage ist, sich ordentlich auf einen Stuhl zu setzen, ist doch wohl ein Scherz. Wie soll so jemand anderen Dinge wie Disziplin oder militärische Etikette beibringen?! Ist die Sternenflotte noch Militär oder ist das jetzt ein Kindergarten? Die Einzige, die schon mal was von Hierarchie gehört zu haben scheint, ist Cadet Master Lura Thok, die finde ich allerdings aus ganz anderen Gründen problematisch.
Ake: „Toroth signed a treaty with the Federation that allows low-level offenders to commute rehabilitation sentences into service.“
Caleb: „Define service.“
Ake: „Starfleet Academy.“
Angriff, Teamarbeit, Action, Happyend
Wie schon gesagt, die Handlung ist die typische 08/15-Story, um die Figuren und das Setting vorzustellen. Dass den Autoren hier nichts Besseres eingefallen ist, ist einfach schade. Es gibt einen Angriff, der das Schiff außer Gefecht setzt, und die Kadetten, die einander eigentlich gar nicht ausstehen können, müssen zusammenarbeiten, um den Feind zu besiegen. Währenddessen lümmelt Captain Ake auf ihrem Sessel und hofft, dass schon alles irgendwie gut werden wird.
Ich sage ja nicht, dass eine Folge besser gewesen wäre, in der sie alle erst mal eine Aufnahmeprüfung machen müssen, aber so eine Extremsituation ist halt doch irgendwie ein Klischee. Und natürlich muss man dem heutigen Publikum auch gleich etwas Action und Explosionen um die Ohren hauen. Ich bin echt gespannt, ob „Starfleet Academy“ noch so etwas wie eine akademische Ausbildung zeigen wird oder jetzt einfach jede Woche irgendeine Ausnahmesituation eintritt.
Auge um Auge, Zahn um Zahn
Abgesehen davon weiß ich nicht, ob ich bei der hier gezeigten Moral so mitgehen kann. Als sie die Kontrolle über ihr Schiff zurückerlangt haben, befielt Ake nämlich, den Feind zu beschießen. Statt aber deren Schiff nur manövrierunfähig zu machen, wird es direkt und ohne Not pulverisiert – mitsamt den Leuten an Bord. „Star Trek“ war einmal die Utopie einer friedvollen Zukunft, in der Konflikte per Diplomatie gelöst werden. Heute heißt es offenbar, erst schießen und das Fragen ganz lassen.
Notes these Days
• Ähnlich wie in der Akademie wurden auch bei der Produktion die Ansprüche heruntergeschraubt. Dass Lura Thok als Nachkommin von Jem’Hadar und Klingonen weißes Blut hat, ist nämlich durch nichts gerechtfertigt. Ich kann nur vermuten, dass hier jemand das mit dem Ketracel White durcheinandergebracht hat, und solche Fehler wären bei einer Produktion dieser Größe früher halt nicht passiert.
• Nahla Ake ist teilweise Lanthanite und 422 Jahre alt, hat also die Glanzzeiten der Sternenflotte noch miterlebt. Wahrscheinlich soll ihr hohes Alter erklären, warum sie so wenig Wert auf Etikette legt, aber ehrlich, sie wirkt dadurch nur kindisch.
• Der Transporter, der die Kadetten direkt umstylt, ist rassistisch. Oder warum schneidet er Caleb die Haare, dem Klingonen aber nicht?
2 ½ von 5 Bananen, die sich in den Sessel fläzen.
Vorherige Folge
Nächste Folge
Zurück zur Staffelübersicht