„Go out and seek, explore, innovate. Boldly go where no one has gone before. It is my great honor to welcome you all back to Starfleet Academy.“
Die Akademie erhält Besuch von Betazed, um über die Rückkehr des Planeten in die Föderation zu verhandeln. Spoiler!
Children are our ambassadors to now
Die Sternenflotten-Akademie erhält hohen Besuch in Gestalt von Emerin Sadal, dem Präsidenten von Betazed. Die Betazoiden haben nach dem „Brand“ einen psionischen Wall um ihren Planeten errichtet, um sich vor Angriffen zu schützen. Sadal ist misstrauisch, der Föderation wieder beizutreten, beugt sich aber dem Druck der jungen Generation, die mehr von der Galaxis sehen will. Aus diesem Grund finden die Verhandlungen in der Akademie statt, und Caleb obliegt es, Sadals Tochter Tarima herumzuführen.
Nervtötende Hauptfigur und fehlender Plot
War schon „Kids these Days“ nicht unbedingt überwältigend, stellt „Beta Test“ leider noch eine Verschlechterung dar. Die Folge hat objektiv betrachtet keine Handlung, sondern reiht nur Szene an Szene, wodurch auch die schlussendliche Lösung irgendwie aus der Luft gegriffen scheint. Hinzu kommt, dass Caleb in dieser Folge noch nerviger ist, was echt schon eine Leistung ist. Für einen erwachsenen Mann von 21 Jahren benimmt er sich wie ein Kleinkind in der Trotzphase, und ich weiß nicht, wie das irgendwen ansprechen soll.
„It’s one thing for you to tell me who my ancestors were, another to demand we look past all that has happened and expect us not to have changed. We came here hoping for actions but received only empty words.“
Eine Spezies mit bislang ungenutztem Potenzial
Ich muss gestehen, die Betazoiden waren nie eine Spezies, die mich sonderlich interessiert hat. Damit tue ich ihnen vielleicht Unrecht, aber wenn man mal darüber nachdenkt, haben wir über die Jahre doch erstaunlich wenig über ihre Kultur erfahren. Man hat sie eigentlich immer nur darauf reduziert, dass sie Empathen beziehungsweise Telepathen sind. Kein Vergleich mit der ausgeklügelten Mythologie der Klingonen oder den Ritualen der Vulkanier.
„Star Trek: Starfleet Academy“ ändert daran zunächst einmal nichts, aber ich möchte nicht vorschnell urteilen. Tarima und Ocam, die Kinder von Präsident Sadal, bleiben am Ende da, vielleicht nutzt man das Potenzial ja endlich mal. Dass Tarima außerdem als Love Interest für Caleb aufgebaut wird, ist ziemlich offensichtlich, und auch wenn ich da aktuell an ihrem Geschmack zweifle, finde ich sie zumindest ganz sympathisch.
Die Illusion von Politik
Vom vor sich hinplätschernden Plot einmal abgesehen, stört mich an „Beta Test“ wohl am meisten, dass die darin gezeigte Politik absolut keinen Sinn ergibt. Dass die Verhandlungen in der Akademie stattfinden, weil die Initiative von den jungen Betazoiden ausgeht, kann ich so weit noch nachvollziehen. Aber sollten sie nicht trotzdem von Präsidentin Rillak geführt werden statt von einem beliebigen Admiral und einer Lehrerin?! Entschuldigung, aber da muss sich Sadal doch veräppelt vorkommen.
Zudem traut sich „Starfleet Academy“ nicht, diese Story dann auch wirklich in den Vordergrund zu stellen – wahrscheinlich aus Angst, die jungen Zuschauer mit zu viel Politik zu vergraulen. So aber ist das nichts Halbes und nichts Ganzes, das bisschen Geplänkel hat mit echter Diplomatie nichts zu tun, und die Einigung kommt entsprechend auch völlig aus dem Nichts. Hätte man den ganzen Kinderquatsch mit Caleb reduziert, wäre das vielleicht sogar eine interessante Geschichte geworden.
„Being a cadet in Starfleet Academy means being open to the people around you, and that connection is where time and space really live.“
Unterricht findet nur nebenbei statt
Was mir persönlich viel zu kurz kam, ist der Unterricht. Ich schrieb schon bei der Pilotfolge, dass ich mir wünschen würde, sie nutzen die Prämisse der Show auch dazu, um uns tatsächlich mal etwas über die Ausbildung an der Sternenflotten-Akademie zu erzählen. Und die Ansätze sind durchaus vorhanden, beschränken sich hier aber auf einen collagenhaften Zusammenschnitt mehrerer Unterrichtsstunden. Das ist etwas schwach und dient sowieso nur als Vehikel für ein paar billige Witze.
Abgesehen davon muss ich an dieser Stelle einmal kurz nachfragen: Versteht einer die Chronologie? Die haben zuerst Unterricht und kriegen danach Quartiere zugeteilt? Hab ich da was verpasst? Dass man Caleb ausgerechnet mit seiner persönlichen Nemesis Darem zusammensteckt, ist natürlich auch wieder so ein Klischee, von dem ich gehofft hatte, die Serie würde drauf verzichten. Aber gut, wir müssen anscheinend wirklich jeden ausgelutschten Teenie-Tropus mitnehmen.
Beta Notes
• Den ganzen Schmus mit Calebs Suche nach Goja V hab ich hier ausgelassen, weil ich die Befürchtung habe, die machen daraus auch wieder so eine Schnitzeljagd wie damals die fünfte Staffel „Discovery“.
• Starfleet Academy und das War College teilen sich denselben Campus. Das funktioniert bestimmt super. (Tarima geht am Ende übrigens ans War College, nicht an die Akademie.)
• Huch, aus den Dialogen war zu entnehmen, dass es im Vorfeld doch eine Eignungsprüfung gab. Aber darüber ist „Genie“ Caleb natürlich erhaben.
2 von 5 vollgeschleimten Bananen.
Oh mein Gott, die Star Fleet Academy klingt, als hätten sie meine verhasstesten Genres und Tropi (Tropusse? Tropen?) zusammen auf einen Haufen geworfen.
Bad Boy mit goldenem Herzen und ein Genie mit tragischer Vergangenheit? Check.
Love Interest quasi am ersten Tag etabliert? Check.
Abziehbilder-Klassenkameraden (Der Arrogante, die Quirlige, die Streberin)? Check.
Ein Hoch auf deine Genügsamkleit, dass du dir das antust. Ich werde deine Reviews jedenfalls verfolgen und mich eine heimliche Träne abwischend fragen, ob es wohl jemals wieder eine Star Trek Serie geben wird, die den Charme eines erwachsenen, glaubwürdigen Ensembles und zB. die Werte von TNG über Krach-Bumm Action und Mary Sue/Gary Stu-Charaktere stellt.
Du weißt doch, das menschliche Gehirn ist Weltmeister darin, schmerzhafte Erlebnisse im Rückblick zu verklären. Obwohl ich mich also rein kognitiv daran erinnere, wie ich mich durch einige dieser Reviews quälen musste, finde ich die ganze Erfahrung inzwischen doch schon wieder lustig. Und was man auch nie vergessen darf: Schlechte Serien kann man viel besser auseinanderpicken als gute. Dafür ist „Starfleet Academy“ wirklich ein unerschöpflicher Quell der Inspiration. 😁
Leider läuft SFA auf keinem Streamingdienst, den ich abonniert habe, sonst könnte ich mir ja fast vorstellen, ein zweites „Lost in Space“ Review draus zu machen. 😆
Aber dir „zuzulesen“ ist sicher genauso unterhaltsam.