Im Schnelldurchlauf | Serien im Mai

„Die Notaufnahme würde niemals Ratten aufnehmen. Es sei denn, sie sind gut versichert.“
(„The Pitt“)

Nachdem ich zuerst noch meine „Twin Peaks“-Reise beendet habe, stand diesen Monat mal wieder ein ganz neuer Streamingdienst auf dem Programm: HBO Max. Seid also gespannt, was ich mir da in den nächsten Wochen so alles herauspicken werde … Spoiler!

Twin Peaks (Staffel 3/The Return)

Während Agent Dale Cooper in der Schwarzen Hütte gefangen ist, treibt sich sein böser Doppelgänger in der realen Welt herum. Erst nach 25 Jahren gelingt Cooper die Flucht, doch sein Doppelgänger denkt gar nicht daran, freiwillig zurückzukehren. So landet Cooper im Körper des Versicherungsagenten Dougie Jones und erinnert sich an nichts aus seinem alten Leben. Als sein Doppelgänger nach einem Autounfall festgenommen wird, rückt das FBI an, da Cooper seit Jahren vermisst wird.

Vielleicht haben Alt-Fans, die tatsächlich 25 Jahre auf diese Fortsetzung warten mussten, einen anderen Zugang zu „Twin Peaks: The Return“. Ich persönlich halte sie für überflüssig, wenn nicht gar rufschädigend, denn das, was die Originalserie ausmachte, dieser wilde Mix aus Soap-Opera und übernatürlichen Phänomenen, wurde komplett über Bord geworfen. Was bleibt, ist ein humorloses Arthouse-Experiment, das zeitweise hübsch anzusehen ist, aber keine Verbindung mehr zum Zuschauer herstellt.

2 von 5 Bananen und ein Hundebein.

The White Lotus (Staffel 1)

Eine Gruppe neureicher Urlauber checkt im White Lotus ein, einem Luxus-Resort in Hawaii. Obwohl die Angestellten alles tun, um den Gästen ihre Wünsche zu erfüllen, benehmen sich die Besucher wie verwöhnte Kinder und treiben den Manager in den Wahnsinn. Da ist das frisch verheiratete Paar, doch der Bräutigam interessiert sich mehr für einen Zimmerwechsel als für seine Braut. Da ist die woke Teenagertochter, die permanent ihre Eltern kritisiert, ihr Geld aber trotzdem gerne nimmt. Und die selbstmitleidige Alleinreisende, die die Asche ihrer Mutter im Meer verstreuen will.

„The White Lotus“ ist nicht ganz das, was ich erwartet habe, aber dennoch unterhaltsam. Reiche Menschen, die sich für den Nabel der Welt halten, sind natürlich ein einfaches Ziel für Spott, dennoch macht es viel Spaß, zu verfolgen, wie diese zuweilen geistig recht schlichten Gemüter auf ihr Recht pochen, bloß weil etwas nicht so läuft, wie sie wollen. Hier und da hätte ein wenig mehr Bissigkeit durchaus gut getan, um die Doppelmoral zu entlarven, die viele von ihnen vertreten. Mal sehen, was die zweite Staffel mit einem neuen Hotel und neuen Gästen so bringt.

3 ½ von 5 möglichst vagen Bananen.

Rachel: „Ich will aber einen richtigen Job.“
Kitty: „Nein, wieso denn das?“
(„The White Lotus“)

The Pitt (Staffel 1)

Eine ganz normale Schicht in der Notaufnahme des Pittsburgh Trauma Medical Center. Für Dr. Michael „Robby“ Robinavitch ist es ein emotionaler Tag, auch wenn er das nicht zugeben will, denn es ist der vierte Todestag seines Mentors Dr. Adamson. Während er sich mit administrativen Feinheiten wie der Patientenzufriedenheit auseinandersetzen muss, leitet er die neuen Studenten und Assistenzärzte an, die glauben, dass sie alles schon können. Doch die wahre Bewährungsprobe steht noch bevor, als sie wegen eines Amoklaufs mit Patienten überschwemmt werden.

Ich war in den 1990ern besessen von „Emergency Room“, und das hier fühlt sich ehrlich wieder genauso aufregend an. Glaubt man der Kritik, ist „The Pitt“ gerade so ziemlich die realistischste Krankenhausserie da draußen. Und die Prämisse ist genial: eine Staffel = eine Schicht. Fünfzehn Stunden quasi in Echtzeit. Einige Patienten begleiten wir über mehrere Folgen, andere sehen wir im Warteraum, lange bevor sie eine Rolle spielen. Und auch die Ärzte sind keine Stereotypen, sondern echte Charaktere mit Geschichte. (PS: Riesenfan von Taylor Dearden Cranston!)

5 von 5 Bananen, die zufrieden sein sollen, wenn sie noch am Leben sind.

And just like that … (Staffel 3)

Während Aidan bei seiner Familie ist, kümmert sich Carrie um die Einrichtung des neuen Hauses. Ihre Freundinnen verstehen nicht, wie sie so ruhig bleiben kann, obwohl Aidan vorerst um Funkstille gebeten hat, worauf Carrie selbst zu zweifeln beginnt. Miranda ist wieder auf dem Markt, beweist bei der Auswahl potenzieller Partnerinnen jedoch kein besonders gutes Händchen. Seema glaubt, vielleicht zu wählerisch zu sein, und wendet sich an eine Partnervermittlerin. Derweil macht sich Charlotte Sorgen um Harry, bei dem Prostatakrebs diagnostiziert wurde.

Das große Paradoxon der letzten Staffel „And just like that …“ ist, dass sie sich partout nicht dazu bekennen will, dass sie die letzte ist. Sämtliche Geschichten erhalten demonstrativ kein Ende, was vielleicht auf dem Papier reizvoll klingt, in der Realität aber leider nur frustrierend ist. Es ist ein Nicht-Ende. Auf das ganze Hickhack mit Aidan hätte ich rückblickend auch gerne verzichtet, das hat mir den Charakter echt kaputt gemacht, und schlussendlich ist Carries große Erkenntnis dann, dass sie keinen Mann braucht, wow. Stellenweise unterhaltsam, in der Summe enttäuschend.

3 von 5 Bananen, die zu laut stöckeln.