ZSSD/Interim | Review: The Mandalorian and Grogu

“Fliehen wir, oder kämpfen wir?”


Spoilerwarnung!!!

Worum geht es?

Direkt anschließend an das Ende der dritten Staffel The Mandalorian hat Din Djarin seine Kopfgeldjägertätigkeiten in den Dienst der Neuen Republik gestellt und jagt nur noch die „bösen Jungs“. Nachdem er einen imperialen Kriegsherrn gestellt hat und ihn leider nicht mehr lebend ausliefern konnte, bekommt er von seiner Kontaktfrau der Republik, Colonel Ward, ein neues Ziel. Dies ist noch ein imperialer Lord, Janu Coin, von dem allerdings weder sein Gesicht noch sein Versteck bekannt ist. Um letzteres ausfindig zu machen, soll Din ein Zwillingspaar der Hutten, die ein Syndikat mit fragwürdiger Moral leiten, kontaktieren. Doch um die wertvolle Information zu bekommen, soll er wiederum für die Hutten den Sohn von Jabba (the Hut) finden und zu ihnen zurückbringen. Im Glauben, dass er ein entführtes Kind rettet, begibt sich der Mandalorianer samt Grogu auf die Reise zu einem Planeten im Outer Rim. Doch dort findet er nur einen muskelbepackten Jugendlichen, der sich von einem Promoter hat anheuern lassen, um als Gladiator/Wrestler im Ring brutale Zweikämpfe auszutragen. Rotta, so der Name des jungen Hutten, geht es dort, wo er jetzt ist, sehr gut, hatte er doch als Kind sehr unter den Zwillingen zu leiden. Laut seiner eigenen Aussage wollen sie ihn nicht retten, sondern töten, weil eigentlich ihm der Thron des verstorbenen Jabba zusteht.
Din lässt den Einwand indes nicht gelten, legt sich erst ohne Erfolg mit dem Promoter an und dringt am Ende unbefugt in die Zelle Rottas ein, um ihn gegen seinen Willen herauszuholen. Dabei wird er betäubt und selbst entführt, um im nächsten – und eigentlich ohnehin letzten Kampf Rottas mit diesem gegen eine Übermacht an Monstern anzutreten. Dabei stellt sich heraus, dass Rotta in diesem Kampf planmäßig unterliegen und damit sterben sollte. Es kommt zu einer kopflosen Flucht von Mandalorianer und Hutt. Und dann erfährt Din, dass der Promoter sein eigentliches Ziel ist – niemand anderes als Janu Coin selbst.
Din kehrt um, stellt ihn und kann ihn tatsächlich (diesmal lebendig) der Neuen Republik ausliefern. Allerdings braucht er nun die Hutten-Zwillinge nicht mehr, und weil er Rotta inzwischen mögen gelernt hat, bringt er ihn nicht zu ihnen zurück, sondern lässt ihn laufen.
Die Zwillinge nehmen das wiederum sehr übel, lassen nun Din entführen und zu ihrer Belustigung im Zweikampf mit allerlei Monstern antreten. Grogu, der zwischendurch eher im Hintergrund geblieben ist und sich auf sein Baby-Dasein konzentriert hat, muss nun aktiv werden, um seinen entführten Ziehvater zurückzuholen.

Wie ist es?

Wie man am oberen Teil dieses Reviews erkennen kann, ist The Mandalorian and Grogu eine etwas atemlose Aneinanderreihung von Actionszenen, die leider oft die ohnehin sehr dünne Story ersticken. Vieles ergibt so keinen wirklichen Sinn, zum Beispiel nehmen ihm die Zwillinge zwischendurch den Helm ab, um ihn zu demütigen, geben ihn aber dann schnell wieder zurück, weil – nun ja. Laut Story, weil er sie im Kampf gut unterhalten hat. Leider scheint es eher, als hätte Pedro Pascal für mehr helmlose Szenen keine Zeit mehr gehabt. Warum sonst sollte man einem Feind einen taktischen Vorteil verschaffen?
Die Dynamik im Film ist bis auf wenige Szenen, die sich dann seltsam ziehen, ohne dass etwas passiert, ein ständiges Hin und Her. Einen Entführten retten, dann rumdrehen und einen anderen entführen, dann selbst entführt werden und gerettet werden müssen, um am Ende wieder rumzudrehen und jemand anderen zu retten, der auch noch entführt wurde. Um mehr geht es leider nicht wirklich. Keine echte Charakterentwicklung, nichts Neues, das Grogu lernt oder kann (inklusive Sprechen), keine tiefere Beziehung zwischen Ziehvater und -sohn. Es gibt ein paar nette, süße Szenen, in denen Grogu autonom agiert, doch er tut es noch immer tapsig und kleinkindhaft.
Nicht falsch verstehen, The Mandalorian and Grogu ist kein schlechter Film. Er ist gutes, solides Popcornkino, sehr kurzweilig, technisch absolut überragend – vor allem, da ich ihn im IMAX-Kino genießen durfte. Der Sound ist gewohnt gut, wobei mir der Soundtrack ab und zu etwas zu modern wurde und mit Elektro-Synthesizerbeats ein wenig daneben lag für meinen Geschmack. Ich mochte gerade das schwere, westernfilmartige des Serien-Soundtracks sehr.
Was bleibt, ist die Irritation darüber, wieso man eine Geschichte, die gut in eine halbe vierte Serienstaffel gepasst hätte, ausgerechnet als den Abschied von den beiden liebgewordenen Helden genutzt hat. Eine Geschichte, in der nichts Besonderes passiert. In der weder Grogu noch Din Djarin eine Entwicklung durchmachen. Ich hätte mir einen größeren Knall gewünscht, und wenn es nur ein erster, kurzer Satz von Grogu gewesen wäre. Ein Zeichen, dass er nicht auf ewig das brabbelnde Baby bleibt. Eine kleine Evolution, wie zum Beispiel bei Baby Groot in Guardians of The Galaxy.
Der Film fühlt sich nicht an wie ein Finale. Es ist nur eine weitere Anekdote aus dem Kopfgeldjägerleben von Din und Grogu, und – ich bin ehrlich – da gab es bessere, spannendere und anrührendere in der Serie. Am Ende habe ich also etwas zu viel erwartet und war dementsprechend ein wenig verwirrt und, ja, auch ein wenig enttäuscht über so wenig Story, auf die ich so lange gewartet habe.
Im Nachhinein frage ich mich, ob ich damit dem Film nicht etwa Unrecht tue. In meiner Vorstellung setzt er den Schlusspunkt nach drei Staffeln The Mandalorian und hätte dafür einen deutlicheren Knalleffekt benötigt, um als Finale im Gedächtnis zu bleiben. Aber man munkelt offenbar schon über mögliche weitere Filme oder Staffeln. Falls diese kämen und The Mandalorian and Grogu noch nicht das Ende wäre, könnte ich den Film als kurzweiligen „Zwischenstopp“ deutlich mehr genießen.

Was kommt danach?

Wie gesagt, derzeit noch ein großes Fragezeichen. Doch noch eine vierte Staffel? Weitere Filme? Ein Auftritt im Ahsoka-Universum? Oder doch nichts mehr?
Ich denke, das wird die Zeit und der Box Office-Erfolg zeigen.

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