„And that’s when I decided it’s time to figure out what happened to Benjamin Sisko.“
Um mitten im Semester in einen Kurs aufgenommen zu werden, will Sam das Rätsel um Benjamin Siskos Schicksal lösen. Spoiler!
In all space and time, I’m unique
Series Acclimation Mil, kurz Sam, ist die einzige photonische Studentin an der Sternenflotten-Akademie und hat eine besonders wichtige Aufgabe: Als Abgesandte von Kasq soll sie für ihre Schöpfer zu Hause herausfinden, ob sie organischen Lebensformen vertrauen können. Doch ihre Schöpfer sind ungeduldig, und so verlangen sie von Sam, den Kurs „Confronting the Unexplainable“ zu belegen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Da das Semester fast vorbei ist, lehnt Professor Illa ab, doch Sam besteht darauf, dass sie das 800 Jahre alte Rätsel um Benjamin Siskos Verbleib lösen wird.
Hommage ohne erkennbaren Mehrwert
Wie ihr euch sicher denken könnt, habe ich widersprüchliche Gefühle über diese Folge. „Star Trek: Deep Space Nine“ war die wichtigste Serie meiner Jugend und hat mich enorm geprägt. Es ist interessanterweise aber auch die, deren Konsequenzen (Stichwort Dominion-Krieg) von allen nachfolgenden Serien mehrheitlich ignoriert wurde, daher ist jede Erwähnung immer noch etwas Besonderes.
„Series Acclimation Mil“ bleibt am Ende eine Folge über Sam, in der Sisko lediglich als Vehikel für ihre eigene Entwicklung dient. Das ist einerseits bitter, andererseits bleibt das Vermächtnis von „Deep Space Nine“ damit weitgehend unangetastet. Und es wird einmal mehr deutlich, wie weit sich „Star Trek“ von den starken, bedeutsamen Geschichten jener Epoche entfernt hat.
„The Academy offers an advanced seminar entitled ‚Confronting the Unexplainable.‘ We believe you will find all the answers to your questions in this course. Enroll immediately.“
Das Rätsel wird nicht gelöst (oder doch?)
Nun ist es schon wieder eine Weile her, seit ich meinen letzten kompletten Rewatch von „Deep Space Nine“ gemacht und im Zuge dessen auch Reviews geschrieben habe. Ich musste also selbst noch mal nachlesen, was ich damals zum Finale und Siskos Schicksal geschrieben hatte. Was nicht hilfreich war, denn es erinnerte mich nur daran, dass ich den ganzen Quark mit den Pah-Wraiths nicht mochte und deshalb auch das Ende von Siskos Geschichte eher schwach fand. Es war erzählerisch schon passend, aber eben nicht sehr befriedigend.
Daran ändert auch „Series Acclimation Mil“ nichts, vielmehr könnte man das hier Gesagte sogar so interpretieren, dass Sisko entgegen seines Versprechens eben nicht zu Kasidy und Jake zurückgekehrt ist – und das ist kein Detail, das ich wissen wollte. Wie gesagt, der Erkenntnisgewinn geht gegen null, aber Sam hat in Sisko insoweit ein Vorbild gefunden, dass sie erkennt, dass sie die Bedingungen für ihre Rolle als Abgesandte selbst definieren muss. Alles andere ist (ebenso unnötiger wie missglückter) Fanservice.
In den Details schwammig
„Star Trek: Starfleet Academy“ greift freilich peripher noch andere Dinge auf, die mit Sisko zusammenhängen. Am bedeutendsten ist dabei der Gastauftritt von Cirroc Lofton als Jake Sisko. Auch das ist für die Handlung nicht zwingend nötig, aber doch irgendwie ein schöner Moment, eben weil „Deep Space Nine“ normalerweise konsequent totgeschwiegen wird. Die neue Dax? Naaagh, weiß ich nicht. Können Symbionten wirklich so alt werden?
Worüber ich tatsächlich sprechen will, und lacht mich deswegen bitte nicht aus, sind die bajoranischen Ohrringe. Deren Erklärung war nie konsistent; ob er nun religiöses Symbol, Familienwappen oder Zeichen der Widerstandszelle ist, der man angehört, hing immer vom jeweiligen Drehbuch ab. Aber es hat mich total rausgerissen, dass der Ohrring jetzt komplett anders aussieht. Und nein, das ist nicht mit den 800 Jahren erklärbar, weil das alte Jake-Hologramm ebenfalls schon so einen neuen Ohrring trägt.
„Can I have everyone’s attention? Please raise your hand if you have spoken to or seen The Sisko since he died. Or supposedly died. Allegedly. I know you have your scriptures, which are great. I’m just looking for something a little more concrete, or, like, evidence-based or something more provable that isn’t just based on nonsense.“
Eigenwillige Erzählung aus Sams Sicht
Was Sam angeht, so ist sie eine Figur, an der sich die Geister vermutlich scheiden. Alles an ihr ist übertrieben, und zeitweise geht einem das schon auf den Keks, aber es macht sie auch zu einem wirklich fremdartigen Wesen. In einem realistischen Szenario hätte sie wohl nicht so viele Freunde, aber „Starfleet Academy“ ist eben eine Utopie. Worauf ich hinaus will, ist, dass ich trotz gewisser Abgründe (die Sequenz in der Bar) die Erzählweise der Folge sehr mochte. Ja, ganz besonders die wilden Texteinblendungen.
Sitcom-Einlage mit Fisch
Zum Schluss noch schnell ein paar Worte zum Nebenplot um das „Alpherati Soup Ritual“. Ich meine, machen wir uns nichts vor, das wurde als reine Comedy geschrieben und passt somit eigentlich nicht in die Serie. Oder doch. Ehrlich, ich weiß langsam nicht mehr, was noch der Markenkern von „Star Trek“ ist. Letzten Endes fand ich die Szenen trotz allem amüsant, in erster Linie wegen Jett Reno, die so völlig fassungslos von der ganzen Scharade ist.
Series Acclimation Notes
• Dinge, die ich nie wissen wollte: Khionians kotzen Glitter.
• Dinge, die ich in „Star Trek“ nie sehen wollte: Furz-Witze.
• Dinge, die mich sentimental gemacht haben: die „Deep Space Nine“-Musik beim Abspann.
3 von 5 Bananen und keine normalen Löffel.