„Auf einmal fallen alle meine Zähne aus, ist das normal?“
(„Our Flag means Death“)
Der Juni war ehrlicherweise nicht der beste Monat für Serien, viel Mittelmaß, wenig Besonderes. Selbst „The Pitt“, obwohl weiterhin stark, hat in der 2. Staffel etwas an Schwung verloren. Mehr dazu wie üblich im Schnelldurchlauf. Spoiler!
Our Flag means Death (Staffel 1)
Aristokrat Stede Bonnet hat Frau und Kinder zurückgelassen, um Pirat zu werden. Doch das hat er sich leichter vorgestellt, als es ist, die Crew findet seinen Führungsstil schwach und steht kurz vor der Meuterei. Erst als Bonnet versehentlich einen Marineoffizier tötet, gewinnt er den Respekt seiner Leute. Das weckt schon bald das Interesse des legendären Blackbeard, der ihm einen Deal vorschlägt: Bonnet bringt ihm bei, wie man sich als Aristokrat benimmt, dafür bringt er ihm das echte Piratenleben näher.
Ich weiß nicht, irgendwie bin ich mit „Our Flag means Death“ nicht recht warmgeworden. Vielleicht habe ich mehr Biss und weniger Queerness erwartet, vielleicht liegt es auch am Genre, mit Piratengeschichten hatte ich noch nie viel am Hut. Ich bin großer Fan von gewollten Anachronismen und finde, das das der Teil der Serie ist, der auch am besten funktioniert. Die „Liebesgeschichte“ zwischen Bonnet und Blackbeard hingegen ist zwar süß, aber auch vorhersehbar, da heute praktisch jede Story diese Richtung einschlägt.
2 ½ von 5 Bananen und sieben Stück Zucker.
The Pitt (Staffel 2)
Der 4. Juli, ein stressiger Tag im Pittsburgh Trauma Medical Center. Für Dr. Robby ist es die letzte Schicht vor einer dreimonatigen Auszeit, daher folgt ihm seine Vertretung Dr. Baran Al-Hashimi wie ein Schatten. Ihr Führungsstil und ihr Versuch, KI für die Dokumentation zu nutzen, stößt jedoch nicht bei allen Ärzten auf Begeisterung. Auch Langdon ist von seinem Entzug zurück, doch Robby geht ihm explizit aus dem Weg. Als dann ein anderes Krankenhaus Opfer eines Cyber-Angriffs wird, muss das Pitt auf analog umstellen.
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich mit dieser Staffel hier und da so meine Probleme. Die Kommunikation ist teilweise extrem aggressiv, und ja, mir ist klar, dass genau das der Punkt ist, aber das macht es nicht weniger anstrengend. Beeindruckend finde ich nach wie vor, wie viel wir über die Ärzte erfahren, obwohl wir nur diesen winzigen Ausschnitt aus ihrem Leben sehen. Für Staffel 3 habe ich nur einen Wunsch: Bitte einmal eine „normale“ Schicht, ganz ohne Ausnahmezustand durch Amoklauf oder Cyber-Attacke.
4 von 5 Bananen auf dem falschen Klemmbrett.
Mel: „Es heißt doch, was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“
Langdon: „Wow, Friedrich Nietzsche.“
Mel: „Ja … Nietzsche … nicht Kelly Clarkson.“
(„The Pitt“)
The White Lotus (Staffel 2)
Hochsaison im White Lotus auf Sizilien. Tanya, inzwischen verheiratet und eifrige Besucherin der Hotelkette, trifft mit ihrer Assistentin Portia ein, die sich in ihrem Zimmer verstecken soll, damit Tanyas Ehemann nichts von ihr mitkriegt. Bert Di Grasso ist mit Sohn und Enkel da, um die sizilianischen Wurzeln der Familie zu ergründen – und das lokale Frauenangebot. Ethan und Harper sind gerade erst zu Geld gekommen und reisen mit Cameron und dessen Ehefrau Daphne, die den Kontakt zur normalen Welt längst verloren haben. Zwei junge Italienerinnen versuchen ihr Glück mit den reichen Gästen.
Ich weiß nicht, fand ich die Staffel besser oder schlechter als die erste? Es ist auf jeden Fall so, dass ich mit den Gästen diesmal nicht so schnell warm wurde und einige der „Konflikte“, die die Handlung zu Beginn am Laufen halten sollen, unnötig fand. Erst gegen Ende hin nimmt alles an Fahrt auf, und machen wir uns nichts vor, der ganze Krimi um Tanya und „die Gays“ (inklusive „Kidnapping“ der Assistentin) trägt die Staffel mehr oder weniger, der Rest ist nur schmückendes Beiwerk. Der Schluss ist jedenfalls so schockierend wie lustig, und das kriegen nicht viele Serien hin.
3 von 5 Bananen auf der Luxusyacht.
Irma Vep (Miniserie)
Gelangweilt von Hollywood und den immer gleichen Superhelden-Filmen, nimmt die Schauspielerin Mira Harberg die Rolle der Irma Vep im Serien-Remake des Stummfilms „Die Vampire“ an. Doch die Dreharbeiten in Paris gestalten sich zäh. Regisseur René Vidal hasst Menschen und kommt nur mit Antidepressiva durch den Tag, was die Versicherung unruhig macht. Nebendarsteller Edmond Lagrange will permanent das Drehbuch ändern, und der Geldgeber sieht den Film nur als Mittel zum Zweck, um Mira als Gesicht einer großen Werbekampagne für Parfüm zu gewinnen.
Wer sich den Spaß gönnen will, den originalen Stummfilm mit einer Laufzeit von 7 Stunden (!) findet man problemlos bei YouTube. Ich persönlich hatte nach den acht Folgen schon keine Lust mehr drauf, denn „Irma Vep“ ist eine der wenigen Serien, bei denen ich zwischendurch ernsthaft überlegte, einfach abzubrechen. Ist es Drama? Komödie? Fantasy? Alles zusammen? Oder nichts davon? Auf jeden Fall ist es langatmig und zumindest für mich war auch bis zum Schluss nicht erkennbar, was Autor und Regisseur Olivier Assayas eigentlich sagen will.
2 von 5 Bananen, die durch Wände gehen.