„Uh, excuse me? Are you stealing this shuttle?“
Während die Föderation einer neuen Bedrohung entgegenblickt, bricht Caleb auf, um seine Mutter zu finden. Spoiler!
Guys, this is my mother
Das erste Studienjahr an der Sternenflotten-Akademie ist zu Ende und die Kadetten feiern ausgelassen. Währenddessen ist die Athena auf dem Weg nach Betazed, um den Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Hauptquartiers der Föderation beizuwohnen. Doch eine Nachricht trübt die gute Laune: Offenbar hat Nus Braka experimentelle Omega-47 Minen gestohlen und will sie gegen die Föderation einsetzen. Caleb erhält endlich Nachricht von seiner Mutter, die derzeit auf Ukeck ist, einem Planeten außerhalb der Föderation. Er stiehlt ein Shuttle, hat die Rechnung aber ohne seine Freunde gemacht.
Zu wenig Zeit für eine organische Story-Entwicklung
Ich glaube, ich wäre viel begeisterter von dieser Folge, wenn wir ein bisschen mehr Zeit gehabt hätten. Für einfach alles. Ich meine, ihr könnt langsam die Uhr danach stellen, wie oft ich mich beklage, dass zehn Folgen nicht ausreichen, um eine gute Geschichte zu erzählen. Aber hier kommt noch hinzu, dass fast ein ganzes Jahr in diese zehn Folgen hineingepackt wurde, und hat irgendjemand wirklich das Gefühl, dass so viel Zeit vergangen ist? Uns fehlt der Kontext, für die Figuren ebenso wie für die politische Situation der Föderation.
Vance: „He could choose to target any Federation world and detonate them remotely. Billions of lives could be lost.“
Kelrec: „And make warp travel impossible in all Federation space. Once again, we’d be completely cut off from one another.“
Der Feind ist ein praktisch Unbekannter
Und das ist eigentlich nur meine freundliche Art, mich über den blassen Bösewicht zu beschweren. (Schlimm genug, dass eine Serie über eine Schule überhaupt einen braucht.) Damit meine ich nicht mal primär Braka, der hatte ja reichlich Gelegenheit, seine selbstverliebten Reden zu schwingen. Aber Venari Ral? Was, mehr als ein Name ist das für mich bis heute nicht, dabei soll diese Organisation die größte Gefahr für die Föderation darstellen. Ich dachte, dass sind nur ein paar besser vernetzte Piraten …
Aber es passt zu dem, was ich damals bei „Beta Test“ schrieb: Man will „irgendwas mit Politik“ machen, hat aber Angst davor, die (jugendlichen) Zuschauer zu überfordern. Also macht man irgendein Wischiwaschi. Wie groß ist die Föderation? Wie groß ist Venari Ral? Gab es schon vorher konkrete Auseinandersetzungen? Was hat die Föderation unternommen, um ihre Welten zu schützen? Welche Ressourcen hat Venari Ral? Nichts davon weiß ich. Aber jetzt soll ich glauben, dass die mal eben die komplette Föderation verminen?
Mutterkomplex für Anfänger
Calebs komische Rettungsaktion funktioniert erzählerisch besser, auch wenn man sagen muss, dass man psychologisch vielleicht mehr draus hätte machen können. Genesis’ „you’re so committed to being a messed up little kid forever“ trifft einen Nerv, denn auch wenn uns vergleichsweise wenig vom Alltag an der Akademie gezeigt wurde (eine Schande übrigens), blieb er doch immer der Außenseiter. Er hat sich nie ganz darauf eingelassen, weder auf die Ausbildung noch auf seine Freunde oder Tarima.
Er denkt auch nicht über Konsequenzen nach, als er das Shuttle stiehlt, und da rede ich nicht von Strafe oder so, sondern von rein logistischen Überlegungen. Caleb braucht Sam, aber er will sie eigentlich nicht dabei haben. Sein Leben an der Akademie? Streift er ab, ohne darüber nachzudenken, sobald er seine Mutter gefunden hat. Da ist eine interessante Parallele zu Sam von letzter Woche, denn obwohl Caleb erwachsen ist, fehlt ihm die Erfahrung einer echten Kindheit, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
„My choices were the Academy or prison. Now I can make a choice without a gun pointed at my head and I’m making it. I never needed the Academy. I never needed any of you.“
Ausbaufähiger Charakter
Was Anisha Mir angeht, so erwartet bitte kein objektives Urteil. Ich habe „Orphan Black“ geliebt und nie verstanden, wieso Tatiana Maslanys Karriere danach irgendwie so ein bisschen im Sand verlaufen ist. Schaut euch die erste Begegnung zwischen Anisha und Caleb an, die Bandbreite von Gefühlen, die sie nur über ihre Augen vermittelt. Aber gerade deshalb fällt es mir schwer, rein die Figur zu bewerten, denn faktisch wissen wir ja gar nichts über sie.
Sie misstraut Starfleet, und das zurecht, aber ich fand es trotzdem forciert, dass Caleb deswegen lügt. Immerhin kann er ihr aktuell mehr Sicherheit anbieten als sie ihm. Zumal sie Calebs Freunden ja ohne Zögern hilft, als sie merkt, wie viel sie ihm bedeuten – und zwar, obwohl sie ihnen nicht traut. („Show me your fingernails“ fand ich großartig als Reaktion.) Ich ahne, dass man die Konfrontation zwischen Anisha und Ake nächste Woche zum Riesendrama stilisieren wird, und ehrlich Leute, darauf habe ich keine Lust.
300th Note
• Jay-Den veranstaltet ein Ritual namens R’uustai, um Darem, Genesis, Sam und Caleb in seine Familie aufzunehmen. Dass Kyle nicht Teil dieser Auswahl ist, sticht heraus.
3 ½ von 5 verminten Bananen.