„So, today we’re putting the Federation on trial for their lies, for their crimes against democracy. The true democracy.“
Während sich Ake stellvertretend für die Föderation einem Schauprozess stellen muss, versuchen die Kadetten, die Minen unschädlich zu machen. Spoiler!
There’s glue in the shoe
Die Athena wird von Nus Brakas Schiffen angegriffen und geentert. Zwar können sie die Kadetten vor Braka verstecken, doch er nimmt Kanzlerin Ake und Anisha als Geiseln und lässt die Athena anschließend zerstören. Zum Glück kann der Doctor mithilfe seiner holografischen Matrix die Zerstörung nur vortäuschen, wodurch sie Zeit gewinnen, eine Möglichkeit zu finden, um die Omega-47 Minen unschädlich zu machen. Währenddessen veranstaltet Braka einen Schauprozess gegen die Föderation – mit Ake als Angeklagter und Anisha als Anklägerin.
Thema verfehlt
Jeder stellt andere Ansprüche an ein Staffelfinale: Die einen möchten möglichst viel Action, die anderen bevorzugen einen ruhigeren Ausklang. Der gemeinsame Nenner ist, dass das Finale zur Serie passen sollte, und genau hier beginnen bei „Starfleet Academy“ die Probleme. Wie konnten wir in einer Show über die Ausbildung junger Menschen bei der Bedrohung der gesamten Föderation landen? Schon wieder? Die Hälfte der Geschichte hat schlicht nichts mit der Akademie zu tun, und das bei der Bewertung zu ignorieren, wäre genauso unfair wie das Finale komplett zu verteufeln.
Braka: „I’m what you call a liberator, Chancellor.“
Ake: „Liberators don’t take hostages.“
Um die Akademie geht es nur am Rande
Ohne mein Staffelfazit vorwegnehmen zu wollen, ist das größte Problem der Serie, dass sie sich nicht darüber im Klaren ist, was sie eigentlich sein will. Das ist in einer ersten Staffel nicht ungewöhnlich, stellt bei nur zehn Folgen aber ein Problem dar, weil viel Zeit für Dinge verschwendet wird, die am Kern der Geschichte vorbeigehen. Mit nur wenigen Änderungen könnte man die Serie genauso gut als „New Starfleet“ oder „New Federation“ vermarkten, und das zeigt, wie beliebig das alles ist.
Konkret auf dieses Finale bezogen, stoße ich mich vor allem daran, dass man wieder auf die epische Schiene setzt. Das mag bei anderen „Star Trek“-Serien funktionieren, aber bei einer Serie mit dem Titel „Starfleet Academy“ erwarte ich eigentlich, dass sich das Finale in irgendeiner Form auf diese Akademie bezieht. Und zwar nicht nur alibimäßig, indem sich eine Handvoll Kadetten im Kampf beweisen. Eine Folge über die Abschlussprüfungen wäre vielleicht nicht so spannend, aber innerhalb der Serienlogik definitiv passender.
Schwacher Plot, manipulativ aufgezogen
Dass der Plot auch sonst an allen Ecken und Enden quietscht, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Insbesondere die ganze Logistik der Verminung hält genauerer Betrachtung nicht stand, das schrieb ich ja schon beim letzten Mal. Man will Venari Ral hier als überlebensgroßen Feind präsentieren, doch in Wirklichkeit lässt es die Föderation nur ziemlich dumm aussehen. Dass am Ende ein paar Kadetten den Tag retten, macht es auch nicht besser.
Viel trauriger ist, dass die Story wie so oft nur an der Oberfläche kratzt und sich auf das klassische Gut gegen Böse reduziert. Hätte man Nus Braka nur ein wenig mehr Dimension gegeben, wäre seine Position ein interessanter Gegenpart zur zweifellos expansiven Politik der Föderation gewesen. So aber bleibt fraglich, was er ihr eigentlich vorwirft, abseits der Zerstörung seiner Kolonie, die sich dann auch noch als selbstverschuldet herausstellt. Vor allem, da eine Menge Welten bei dem Prozess auf seiner Seite zu sein scheinen.
Was den Prozess als solchen betrifft, ist das natürlich ein altes Klischee, mit dem nur gezeigt werden soll, dass der Feind nicht wirklich demokratisch ist, sondern nur so tut. Na ja, kann man machen, als Zuschauer fühle ich mich dadurch halt übel manipuliert. Und wie genau Anishas Gehirn funktioniert, die nach allem, was gesagt wurde, trotzdem zu dem Schluss kommt „Nahla Ake is guilty“, das habe ich schlicht nicht verstanden.
Caleb: „Anybody would have done what I did.“
Reno: „No. I’ve lived in two very different centuries. And I’m telling you: No. Very few people would have turned around.“
Improvisierter Lehrplan
Was währenddessen auf der Athena stattfindet, hat zumindest noch rudimentär etwas mit der Sternenflotten-Akademie zu tun. Ohne Ake und den geistig verwirrten Doctor bleibt Jett Reno keine andere Wahl, als die Kadetten wie normale Offiziere zu behandeln und darauf zu vertrauen, dass sie ihre Aufgabe erfüllen. Ich weiß nicht, wie glaubwürdig ich es finde, dass sie in der Situation noch den Nerv hat, wie ein Lehrer zu agieren und ihnen gut zuzureden, aber das ist nur eine Kleinigkeit und stört nicht weiter.
Insgesamt ist mir das aber dennoch alles ein bisschen zu glatt. Darem macht einen Fehler und ist danach offenbar plötzlich ein super Pilot. Genesis kriegt endlich ihren Moment auf dem Captainssessel. Caleb und Tarima kitten ihre Beziehung und nutzen das Telepathie-Gedöns dann gleich noch schnell, um Anisha und somit Braka zu finden. Jay-Den entschlüsselt das Kauderwelsch vom Doctor, und Sam schaltet die Minen ab. Hurrah, alle kriegen eine 1 mit Sternchen, schöne Ferien!
Mit Erfolg teilgenommen
Und nun? Die zum Teil extrem unreflektierte Häme, die „Star Trek: Starfleet Academy“ abbekommen hat, halte ich für ungerechtfertigt. Sicher, dieses „Star Trek“ ist ein anderes als das, mit dem ich aufgewachsen bin. Doch wenn ich daran zurückdenke, wie sehr „Deep Space Nine“ kritisiert wurde, während ich als Teenager es geliebt habe, ziehe ich immerhin die Möglichkeit in Betracht, dass das auch eine Frage der Zielgruppe ist. Dass ich mich als Mittvierzigerin in Studenten Anfang zwanzig nicht mehr wiederfinde, ist völlig normal.
Freilich hat die Serie auch handwerkliche Schwächen. Die Drehbücher habe ich eigentlich ausnahmslos als nichtssagend empfunden, und das ist vor allem schade, weil hier und da sicherlich Potenzial vorhanden war. Am Ende ist mir keine Folge im Gedächtnis geblieben, bei keiner hatte ich das Bedürfnis, sie mir ein zweites Mal anzusehen, und meine Bewertungen spiegeln durchweg Mittelmaß wider. Für eine „Star Trek“-Serie, selbst wenn es sich um eine erste Staffel handelt, ist das bitter.
Letztendlich ist „Starfleet Academy“ nicht annähernd so schlecht, wie es uns die lautesten Kritiker weismachen wollen. Für mich geht es jedenfalls in Ordnung, dass noch eine zweite Staffel produziert wurde. Meine Hoffnung ist, dass nun zumindest die gröbsten Kinderkrankheiten überwunden sind und das Ganze kohärenter wird. Am Ende bietet die Prämisse der Show ja viele Möglichkeiten, und jetzt, wo Setting und Figuren bekannt sind, sollten ein paar gute Storys doch wirklich kein Problem sein.
Note in the Shoe
• Auch wenn das bestimmt alle dachten, der Folgentitel ist kein Typo von Rubicon, sondern eines der Kauderwelsch-Wörter, die der Doctor benutzt. Das mit dem Kleber im Schuh fand ich allerdings witziger.
• Kein Vorspann bei dieser Folge, der Titel fliegt nur durchs Trümmerfeld der vermeintlich zerstörten Athena. Fand ich ehrlich gesagt angenehm, der Vorspann ist mir sowieso viel zu lang.
2 von 5 Bananen vor Gericht.
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