The Vampire Lestat | Detroit (3×01)

„So let’s begin in the middle, for I could and should have ended it there, my tour, my hedonistic pursuit of extremity, all of it.“

Der Vampir Lestat macht mit seiner Band in Detroit Station, und der lokale Coven ist darüber alles andere als begeistert. Spoiler!

Facts are irrelevant, feels are everything

Lestat de Lioncourt und Louis de Pointe du Lac befinden sich endlich auf einem guten Weg, ihre Beziehung zu kitten, als Lestat von Daniel Molloys Buch erfährt. Zwei Jahre später ist Lestat Frontmann seiner eigenen Rockband und lässt Daniel eine Dokumentation seiner Tour filmen, um all die Dinge richtigzustellen, die Louis seiner Meinung nach falsch erzählt hat. Doch Daniel, inzwischen selbst ein Vampir, hat seine liebe Mühe, auch nur eine ehrliche Antwort aus Lestat herauszukitzeln. Zu allem Überfluss ist die Vampirgemeinde nicht glücklich darüber, dass nach Louis erneut ein Vampir ihre Geheimnisse verrät.

Dampfplauderer Lestat

Lasst euch von meiner Zusammenfassung nicht täuschen: Nichts an „The Vampire Lestat“ ist auch nur annähernd chronologisch erzählt. War Louis’ Erzählung in „Interview with the Vampire“ überlegt und geradezu kontemplativ, erinnert Lestat eher an ein Kleinkind, das von seinem Tag im Kindergarten erzählen will, während ihm ständig neue Geschichten einfallen. Unzuverlässige Erzähler sind sie am Ende beide, doch Lestat erschlägt einen geradezu mit Details und Abschweifungen.

Eine formale Notiz am Rande: Ich halte mich bei meinen Reviews ans offizielle Marketing, deshalb läuft die Staffel unter „The Vampire Lestat“, obwohl sie eigentlich eine Fortsetzung von „Interview with the Vampire“ ist. Ich gebe zu, das ist etwas verwirrend, aber inhaltlich ergibt das schon Sinn, weil sich der Erzähler ändert und auch der Stil ein ganz anderer ist. In meiner Serienübersicht findet ihr auch weiterhin alles unter „Interview with the Vampire“, denn wer weiß, wie oft die Serie ihren Namen noch wechselt, wenn sie weiter verlängert wird. 😆

„Having accumulated profound wisdom and experience through the dark gift of immortality, why have you chosen to waste it singing music no one wants to hear in pants no one should ever squeeze into?“

Eine Erzählung wie ein Hurrikan

Wie schon gesagt, die Erzählweise von „The Vampire Lestat“ verspricht wesentlich chaotischer zu werden. Und ich gebe zu, ich bin mir noch nicht sicher, wie ich das finde. Dass sie grundsätzlich einen anderen Stil wählen, ist angesichts des Perspektivwechsels durchaus angemessen, aber ich persönlich hatte beim ersten Schauen wirklich Schwierigkeiten, der Handlung von „Detroit“ zu folgen, weil sie durch drei oder vier Zeitebenen springt. (Die Folge profitiert entschieden von mehrfachem Schauen.)

Die Haupthandlung mit Lestats Tour und Daniels Dokumentation spielt im Jahre 2025, zwei Jahre nach Veröffentlichung des Buchs und dem daraus resultierenden Fallout mit Louis. Den Moment, als Lestat von dem Buch erfährt, sehen wir sogar. Ebenso jenen Halloween-Abend, als er in eine Probe der Band stürmt, deren Frontmann er bald darauf wird. Außerdem gibt es einige unzusammenhängende Flashbacks aus Lestats Kindheit.

Den Beginn der Folge jedoch markiert ein Flashforward unbekannten Datums, der sicherlich der mysteriöseste Part ist. Lestats Hinterlassenschaften werden versteigert, darunter Tonaufnahmen von ihm („The Failures“), die den erzählerischen Rahmen der Serie bilden. Armand ist anwesend (mit Augenklappe), Louis ist anwesend (mit einer Beinprothese), und auch Raglan James vom Talamasca bietet mit. Ich wage indes die Prognose, dass die Auflösung dieser Szene noch mindestens bis zur nächsten Staffel warten muss.

„So this whole tour is just some Byronic reaction to my book? Who better to refute the book than the man who wrote the book?“

Ein Vampir, der einen Menschen spielt, der einen Vampir spielt

Ob ich gar so viel zum eigentlichen Plot dieser Folge sagen muss, weiß ich nicht. Lestat macht also diese Tour, die ihn diesmal nach Detroit führt. (Die Folgentitel entlang der Stationen der Tour sind einfallsreich, dennoch fehlt mir die Poesie der Buchzitate aus den vorherigen Staffeln.) Daniel bombardiert ihn mit Fragen, die er ignoriert, und filmt die Konzerte. Abgesehen davon macht Lestat das, was er am besten kann: das Leben genießen. (Inklusive viel Sex und Blut voller Drogen.)

Ein offenbar wiederkehrendes Thema für ihn sind die lokalen Vampir-Coven, die angepisst sind, weil er sich der Öffentlichkeit als echter Vampir präsentiert. Obwohl er tatsächlich alles tut, um den Lestat aus Daniels Buch als Fiktion zu entlarven. Er hat sogar einen Doppelgänger namens Jarda Klapek, der die Welt überzeugen soll, dass er nur ein Mensch ist, der sich als Vampir ausgibt. Nichtsdestotrotz kommt es zu einem heftigen Kampf, an dessen Ende Lestats wahre Identität vor seinen Bandmitgliedern enthüllt wird. Denn, yeah, auch die hatten bisher keine Ahnung.

Was Sie schon immer über Vampire wissen wollten (doch nie zu fragen wagten)

Ich weiß, dass die Urinal-Szene bereits kontrovers diskutiert wurde, und möchte mich da selbstverständlich auch noch einklinken. Denn die körperlichen Veränderungen sind ein spannender Aspekt von Vampirgeschichten und haben mir bei Louis’ Erzählung immer so ein bisschen gefehlt. Dinge wie die Frage, ob Blut von Mensch zu Mensch unterschiedlich schmeckt, oder eben, ob Vampire auch mal pinkeln müssen (nun wissen wir: ja, aber selten). Nur bei der „immortal errection“ bin ich noch unschlüssig, ob wir die wörtlich nehmen sollen. 😦

No, thank you!

• „Previously on the show formerly titled ‚Interview with the Vampire‘“ war so ein genialer, augenzwinkernder Einstieg. Denn allen stilistischen Entscheidungen zum Trotz ist das hier ganz klar eine Fortsetzung der Geschichte. Zum Glück, denn wir haben Fragen.
• Mir gefiel Lestats Wohnung in Montreal. Sehr modern, aber durch die dunklen Farben dennoch gemütlich. Das ganze Gegenteil von Louis’ sterilem Penthouse in Dubai.
• Entschuldigt, aber wie herzallerliebst ist das bitte, dass Lestat zu Halloween Süßigkeiten für die Kinder bereithält? Ehrlich, er steckt voller Widersprüche.
• Man würde ja meinen, nach zwei Staffeln wüsste ich, dass man den Autoren nicht trauen kann … Bitte sagt mir, dass ich nicht die Einzige bin, die bis zum Schluss dachte, Lestat textet mit Louis. (Nope, es war Gabriella – „fledgling, lover, mother“.)

4 von 5 Bananen, die gern Ruhe beim Pinkeln hätten.

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