Im Schnelldurchlauf | Serien im Juli

„So alt, wie ich jetzt bin, könnte ich gar kein unbequemes Leben mehr führen. Dazu fehlt mir der Wille.“
(„The White Lotus“)

Muss man jedes Fandom bis zum Gehtnichtmehr ausschlachten? Ich jedenfalls glaube inzwischen, das „Game of Thrones“-Universum wurde mehr als genug geplündert. Was mich dieses Monat mehr überzeugt hat, erfahrt ihr hier im Schnelldurchlauf. Spoiler!

The White Lotus (Staffel 3)

Belinda, Spa-Managerin des hawaiianischen Hotels, besucht das White Lotus in Thailand, um sich dort weiterzubilden. Ihr Besuch fällt mit der Ankunft neuer Gäste zusammen. Rick Hatchett reist mit seiner jungen Freundin Chelsea an, die nichts unversucht lässt, seine schlechte Laune zu heben. Familie Ratliff besucht Thailand nur, damit Tochter Piper für ihre Abschlussarbeit einen Mönch interviewen kann. Und die Schauspielerin Jaclyn Lemon hat ihre alten Highschool-Freundinnen Laurie and Kate eingeladen, damit sie endlich wieder etwas Zeit miteinander verbringen können.

Langsam finde ich es etwas einfallslos, dass jede Staffel von „The White Lotus“ mit Toten endet. (Und wie realistisch ist es, dass eine Hotelkette mit so einer Statistik weiterhin so beliebt ist?) Davon abgesehen hatte ich diesmal aber viel Spaß, weil die Gäste ganz interessante Charaktere sind und nicht auf Teufel komm raus versucht wird, alle Plots miteinander zu verknüpfen. Ganz unerwartet ans Herz gewachsen sind mir Rick und Chelsea, die so unterschiedlich sind, dass sie eigentlich nicht zusammenpassen dürften, aber einfach nur süß zusammen sind.

4 von 5 Bananen ohne WLAN.

Our Flag means Death (Staffel 2)

Nachdem sich Stede Bonnet endgültig von seiner Familie losgesagt hat, ist er wieder mit seiner alten Mannschaft vereint. Doch um ein neues Schiff zu kaufen, müssen sie erst einmal Geld verdienen – und heuern in Spanish Jackies Spelunke an. Beim Versuch, eine Truhe voll Indigo zu stehlen, werden sie erwischt und von der Piratenkönigin Zheng Yi Sao gerettet. Der völlig desillusionierte Blackbeard überfällt derweil ein Schiff nach dem anderen und will die Beute sogar über Bord werfen, um Platz für weitere Raubzüge zu schaffen. Selbst seine rechte Hand Izzy will da nicht mehr mitmachen.

Ein bisschen schrammt die zweite Staffel von „Our Flag means Death“ am handfesten Drama vorbei, ein paar Storys sind schon arg düster. Abgesehen davon habe ich im Grunde nicht Neues hinzuzufügen, die Serie ist kurzweilig und hat ein paar clevere Momente, aber irgendwann sind dann plötzlich irgendwie alle Piraten queer und man fragt sich, ist das jetzt Ironie oder noch ernst gemeint? Aber ja, ich geb’s zu, ich hab eine Schwäche für ungleiche Paare und fand die überraschend zurückhaltend erzählte Liebesgeschichte von Bonnet und Blackbeard echt schön.

3 von 5 weichen Bananen.

„Man könnte sagen, wir befinden uns in einer Umstrukturierungsphase.“
(„Our Flag means Death“)

The Sex Lives of College Girls (Staffel 3)

Das zweite Jahr am Essex College beginnt. Bela, die eigentlich die Uni wechseln wollte, muss wegen ihrer grottenschlechten Noten doch bleiben. Um sich neu zu erfinden, meldet sie sich als Tutorin für die Ersties. Um Kimberly aus dem Weg zu gehen, zieht Whitney ins Verbindungshaus, merkt aber schnell, dass sie dort nicht reinpasst. Derweil versucht Kimberly weiterhin alles, um die Freundschaft zu kitten. Und Leighton steht vor einer schweren Entscheidung, denn als ihr Mathekurs gestrichen wird, bietet ihr Professor ihr einen Wechsel zum MIT an.

Es ist zwei Jahre her, seit ich die zweite Staffel gesehen habe, und ich weiß immer noch nicht, was der „gewaltige Cliffhanger“ war, den ich damals erwähnte. Aber das ist eben das Gute an Comedy: Die Einzelheiten sind nicht so wichtig. In der finalen Staffel von „The Sex Lives of College Girls“ ist also ziemlich schnell wieder alles beim alten und die Mädels treten in neue Fettnäpfchen. Das macht auch weiterhin viel Spaß, auch wenn man leider merkt, dass das Ende an dieser Stelle nicht gewollt war, weil einfach alles in der Luft hängenbleibt. Schade, irgendwie wird mir die Serie doch fehlen.

4 ½ von 5 Bananen mit Farbwechsel.

A Knight of the Seven Kingdoms (Staffel 1)

Nachdem der Ritter Ser Arlan of Pennytree gestorben ist, beschließt sein Knappe Dunk, seinen Platz einzunehmen. Um sich als „Ser Duncan“ einen Namen zu machen, reist er nach Ashford, um an einem Turnier teilzunehmen. Doch ohne Zeugen seiner Ernennung zum Ritter gestaltet es sich schwer, auch nur zugelassen zu werden. Der Waisenjunge Egg, den Dunk auf dem Weg in einem Gasthaus getroffen hat, folgt ihm nach Ashford und überzeugt ihn, ihn zum Knappen zu machen. Dunk ahnt nicht, dass Egg nicht der ist, der zu sein er vorgibt.

So richtig weiß ich „A Knight of the Seven Kingdoms“ nicht einzuordnen. Einerseits gibt es brachialen Fäkalhumor, andererseits extrem grafische Kampfszenen und tragische Tode. Zur Wahrheit gehört jedenfalls, dass ich mich durch die ersten drei der sechs Folgen echt durchquälen musste. Das hier ist weder „Game of Thrones“ noch „House of the Dragon“, hier gibt es keine Politik oder Intrigen, geblieben ist nur das Setting. Ab der Mitte der Staffel war ich etwas mehr investiert, da kommt endlich die Story in Gang, aber alles in allem bin ich wohl nicht die Zielgruppe.

2 von 5 Bananen, die ihre Ehre für eine Lordschaft verkaufen.