The Vampire Lestat | New York (3×05)

„We are making an album about my life, which has been a three-century trainwreck.“

Die Band nimmt endlich ein Studioalbum auf, doch Lestat ist noch auf der Suche nach dem richtigen Sound. Spoiler!

She likes music

Nachdem sie die Crew ausbezahlt haben, um den Mythos aufrechtzuerhalten, dass Lestat tot ist, zieht sich die Band in ein New Yorker Studio zurück, um endlich ein Album aufzunehmen. Doch Lestats Perfektionismus treibt sie alle in den Wahnsinn, während er darüber sinniert, wie er zur Musik gekommen ist. Marius de Romanus, Armands vermeintlich toter Schöpfer, befreite Lestat aus seinem selbstgewählten Grab, weil die Königin nach ihm verlangte. Und so wurde er für einige Jahre Akashas Wächter und lernte, Musik für sie zu machen. Louis driftet derweil weiter in seine Fantasiewelt mit Regina als Claudia-Ersatz ab.

Der Story fehlt Zeit, um sich zu entfalten

„New York“ wird gerade sehr gefeiert, und obwohl ich schon verstehe, wieso (Akasha!), kann ich mich den Lobeshymnen nicht unumwunden anschließen. Ja, die Folge ist mindestens so stark wie die anderen und dringt nun auch zu den Erlebnissen vor, die Lestat wirklich zu dem gemacht haben haben, der er ist. Aber das alles wirkt so furchtbar gehetzt, dass ich nicht überrascht war, als ich las, dass die Begegnung mit Marius und der Königin im Buch wesentlich mehr Raum einnimmt. In meinen Augen tut sich die Serie damit keinen Gefallen, denn das hier ist quasi das Knochengerüst der gesamten Story.

„We are going to trace my self-taught musicianship back to its weird and haunting origins. That’s right. I am finally going to talk about the Queen.“

Die Königin der Verdammten

Beginnen wir mit Akasha, der Figur, auf die sich Fans der Bücher am meisten gefreut haben. Ich schrieb ja schon, dass ich nur einen Bruchteil der Reihe gelesen habe, aber, Anekdote am Rande: Zum Kinostart von „Königin der Verdammten“ nahm ich damals an einem Gewinnspiel teil und gewann neben dem Soundtrack auch die Buchvorlage. Allerdings muss ich gestehen, dass meine Erinnerung daran komplett vom Film überlagert wurde (inklusive dem rekordverdächtig blass besetzten Lestat.)

Akasha ist für mich jedenfalls eng mit Aaliyah verknüpft, weshalb ich Sheila Atims Leistung fast noch mehr hervorheben muss. Mit nur wenigen Szenen lässt sie die Figur bereits wesentlich bedrohlicher wirken als damals der Kinofilm. Sie ist eine Naturgewalt, verstörend anziehend und gleichzeitig ganz und gar unmenschlich. Lestat unterschätzt sie völlig, aber das hat sich Marius selbst zuzuschreiben, denn er schmeißt ihm den Job ja quasi vor die Füße, als er schon halb zur Tür raus ist.

Die Sprache der Musik

Davon einmal abgesehen hat diese Zeit Lestat entscheidend geprägt. Nachdem ihn Gabriella allein am Strand zurückgelassen hatte, wollte er eigentlich nur noch sterben. Marius gab ihm nicht nur wieder eine Bestimmung, sondern auch die Möglichkeit, endlich die Verluste der Vergangenheit zu verarbeiten. Niemand behauptet, dass er damit viel Erfolg hatte. Ich glaube, wir verstehen erst jetzt wirklich, wie schwer es ihm fällt, mit Einsamkeit umzugehen. Das rückt vieles in Perspektive, auch was seine Beziehung mit Louis angeht.

Dennoch zeigt sich darin auch die charakterliche Stärke Lestats. Eine Gabriella hätte man im Leben nicht mit der Aufgabe betrauen können, Akasha Gesellschaft zu leisten. Sie hätte sich nach einem Tag gelangweilt und wäre abgehauen. Lestat bleibt, auch wenn es ihn halb in den Wahnsinn treibt, und er nutzt die Zeit, um zu lernen. Für die Königin lernt er, Musik zu machen, und entwickelt damit gleichzeitig die einzige Sprache, mit der er seine Gefühle auszudrücken vermag. Auch das wirft ein anderes Licht auf seine Besessenheit, das „perfekte“ Album zu produzieren.

Der Haken ist, dass er bisher ein Album für seine menschlichen Fans machen wollte, und jetzt beschließt, eins zu machen, das sich ausschließlich an Vampire richtet. Für Larry hat sich die Sache damit erledigt, er kündigt (und wird von Armand in den Selbstmord getrieben, was ich noch nicht ganz durchschaue). Der Rest der Band jedoch will nun selbst verwandelt werden, um Lestat bestmöglich unterstützen zu können. Ich frage mich, ob er bewusst zur Galionsfigur der „Great Conversion“ wird oder einfach nur Musik machen will und den Zusammenhang gar nicht durchschaut.

„If you were the first, then who made you? Why do we exist? Why do we endure at all? And why did she leave me? Am I evil? Is my evil sanctioned by nature or divine error? Where is God?“

Die verlorene Tochter

Ein Highlight war für mich, Lestat und Louis endlich mal wieder zusammen zu sehen – und zwar ohne Anwälte als Puffer. Das kommt mir in dieser Staffel bisher tatsächlich zu kurz. Louis jedenfalls merkt, dass ihm diese Scharade mit Regina nicht gut tut. Oder vielmehr, die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verschwimmen so sehr, dass er sich genötigt sieht, Lestat zu Regina zu schicken, damit der ihm sagt, dass das wirklich nicht Claudia ist.

Die Szene im Diner ist eine der besten der Folge, keine Frage. Lestat hat kaum Zeit, den Anblick dieser Nicht-Claudia zu verarbeiten, und ist für den Bruchteil einer Sekunde sichtlich erschüttert. Für ihn führt diese Begegnung immerhin zu einem emotionalen Song und damit gewissermaßen zur Katharsis, doch ich bezweifle, dass sich Louis an seine Aufforderung halten wird, sie nie wiederzusehen. Er ist noch nicht soweit.

Liebe, Stalking, alles das gleiche

Bleibt noch Daniel, der von Lestat ebenfalls auf die Straße gesetzt wurde. Entschlossen, seine Dokumentation dennoch abzuschließen, interviewt er nun Fans, wie sie mit dem vermeintlichen Tod von Lestat umgehen. Dabei trifft er auch Armand wieder, der ihm als „Beweis“ für seine Liebe eine Reihe von Ereignissen der letzten 52 Jahre aufzählt, bei denen er ihn heimlich beobachtet hat. Für mich ist das ja eher ein Beweis für Stalking, aber was weiß ich schon über das Balzverhalten von Vampiren?

Again!

• Lestat, der mehrmals raus in die Sonne rennt, weil er hofft, der Schmerz werde ihm doch endlich die erhoffte Note entlocken, ist einfach zum Schreien.
• Die falsche Madeleine war auch ein Knaller und so dermaßen drüber. Ich glaube, in dem Moment, als sie und Regina zu knutschen anfangen, wird Louis erst klar, was er hier macht. Er läuft Gefahr, seine Erinnerungen an die echte Claudia zu überschreiben.
• Herrlich, wie Armand die Information über Lestats und Gabriellas Inzest im Gespräch mit Daniel in einem Nebensatz einschleust. Ist Daniel wirklich so abgelenkt von der Aussicht, in der Sonne zu laufen, oder tut er nur so, um Armand zu ärgern?

3 von 5 mit dem Eislöffel portionierten Bananen.

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