Im Schnelldurchlauf | Serien im August

„It is a never-ending inconvenience, this insistence of the people being fed.“
(„House of the Dragon“)

Ich persönlich finde ja, es sollte verboten werden, dass Serien langweilige Staffeln durch ein famoses Finale aufwerten, am besten noch mit einem herzzereißenden Score. (Vor allem, da ich doch jedes Mal wieder drauf reinfalle.) Aber es gab diesen Monat zum Glück auch Serien, die sich die ganze Staffel über Mühe gegeben haben. Spoiler!

ES: Welcome to Derry (Staffel 1)

Derry im Frühling 1962. Die Schüler Lilly, Phil, Teddy und Ronnie wollen herausfinden, was mit dem vor vier Monaten verschwundenen Matty passiert ist. Ihre Suche führt sie ins örtliche Kino, wo sie von einem Monster angegriffen werden, das Phil und Teddy tötet. Da Lilly Angst hat, wie damals nach dem Tod ihres Vaters wieder in die Nervenheilanstalt gesteckt zu werden, verschweigt sie das Monster, wodurch Ronnies Vater zum Hauptverdächtigen wird. Derweil sucht das Militär in Derry nach einer geheimnisvollen Waffe, die angeblich tödliche Angst auslösen soll.

„ES: Welcome to Derry“ ist, was „Stranger Things“ am Anfang mal war: spannend, toll erzählt, viel Zeitkolorit und mit einem Gefühl von echter Gefahr. Vor allem ist wirklich niemand sicher, hier kann praktisch jeder in der nächsten Minute sterben. Die Serie ist ab 16 Jahren freigegeben, was ich persönlich fragwürdig finde, denn selbst ich musste einige Mal weggucken. Wer mit Body-Horror nicht klar kommt, sollte besser die Finger davon lassen. Auch die Kinder-Darsteller sind größtenteils wirklich gut, die Handlung auf der Militärbasis fand ich dagegen etwas ermüdend, weil vorhersehbar.

5 von 5 Bananen, die so weich wie der Bauch eines Kätzchens sind.

House of the Dragon (Staffel 3)

König Aegons heimliche Flucht wirft Aemonds Kriegspläne durcheinander. Um ihren Teil der Vereinbarung mit Rhaenyra einzuhalten, überredet Alicent ihren Sohn, dennoch mit seinem Drachen zu den Truppen zu fliegen und die Verantwortung für King’s Landing währenddessen ihr zu überlassen. Inzwischen ist auch die Triarchy eingetroffen und es kommt zur ersten Schlacht auf See. Um sich zu beweisen, schließt Jacaerys seine Mutter ein und fliegt selbst zum Schlachtfeld – doch er hat die Stärke des Gegners unterschätzt.

Reiche Leute bekriegen sich und die Leidtragenden sind immer die einfachen Leute, die Hunger leiden oder als Kanonenfutter dienen. Wenn die dritte Staffel „House of the Dragon“ diesen Punkt tatsächlich bewusst so herausgearbeitet hat, dann Hut ab, insbesondere das Finale ist in seiner Kompromisslosigkeit hart mitanzusehen. Insgesamt ist die Staffel trotzdem durchwachsen: Sie startet extrem stark, fällt dann steil ab und ist nach Rhaenyras Thronbesteigung langweilig wie selten. Und was ist das eigentlich, dass mächtige Frauen bei George R. R. Martin immer verrückt und größenwahnsinnig werden?

3 von 5 Bananen auf dem Eisernen Thron.

Addam: „You have to be named a lord to get a castle.“
Ulf: „What’s a knight get, then?“
Addam: „A horse.“
Ulf: „What do I need with a fucking horse? I’ve got a dragon.“
Addam: „You’d be Ser Ulf, and men would have to show you respect.“
Ulf: „Men would have to show me respect ′cause of the big fucking dragon!“
(„House of the Dragon“)

The Newsreader (Staffel 3)

Frühling 1989. Dale Jennings ist mittlerweile das Gesicht von „News at Six“ und gewinnt einen Logi Award für seine Arbeit. Helen Norville überreicht ihm den Preis – und kündigt im selben Atemzug ihre neue, parallel zu Dale laufende Sendung an. Während sie versuchen, Privates von der Arbeit zu trennen und weiterhin Freunde zu bleiben, kämpft Helen bei ihrem neuen Job mit den alten Problemen. Dale bandelt mit Kay Walters ein, der Tochter des inzwischen verstorbenen Geoff, doch die merkt bald, dass er mit Identitätsproblemen kämpft.

Irgendwie komm ich immer noch nicht damit klar, dass derselbe Mann, der in „The Vampire Lestat“ einen hedonistischen Rockstar spielt, hier den sozial unbeholfenen Dale gibt. Können wir Sam Reid bitte einfach jeden verfügbaren Preis geben, danke. Die finale Staffel von „The Newsreader“ schiebt die Nachrichten jedenfalls endgültig in den Hintergrund und konzentriert sich vorwiegend auf das Schicksal der Protagonisten. Schade, dass das bei Dale nicht ohne Zusammenbruch geht, aber immerhin endet man hoffnungsvoll.

4 von 5 bipolaren Bananen.

The Pursuit of Love (Miniserie)

England im Jahre 1927. Die siebzehnjährige Linda lebt auf dem Landsitz Alconleigh und ist besessen von der Vorstellung der großen Liebe. Ihre Cousine und beste Freundin Fanny interessiert sich hingegen mehr für ihre Bildung. Beim Debütantinnenball verliebt sich Linda in den Deutschen Tony Kroesig, bereut die überstürzte Hochzeit aber praktisch sofort. Gelangweilt vom Leben einer braven Ehefrau, stürzt sie sich ins dekadente Partyleben. Fanny heiratet unterdessen den College-Dozenten Alfred. Dann lernt Linda den Kommunisten Christian Talbot kennen.

„The Pursuit of Love“ ist eine jener typischen BBC-Serien, die ich vielleicht am diplomatischsten als harmlos bezeichne. Man will offenkundig ein Sittenporträt der Frauen jener Epoche zeichnen, versteigt sich dabei aber leider in abgedroschenen Klischees. So sollen wir natürlich Linda bewundern, die mutig der Liebe folgt, zwei Ehemänner verlässt und ihre Tochter im Stich lässt. Dabei ist die wahrhaft starke Frau Fanny, die verlässlich ist, selbst wenn sie selbst das nicht immer glücklich macht. Na ja.

2 von 5 Bananen in der Wäschekammer.