Star Trek: Strange new Worlds | Valles Marineris (4×01)

„Well, Number One, you wanted a mission on a strange new world. Looks like you got one.“

Durch einen interstellaren Sturm landet die Enterprise in einer vermeintlich unbekannten Galaxis. Doch die Frage ist nicht, wo sie sind, sondern wann. Spoiler!

You punched a dinosaur?

Hinter der Enterprise-Crew liegen sechs Monate voller Routinemissionen, und langsam macht sich Una Sorgen um Pike, der sich derart in die Arbeit stürzt. Ihre nächste Mission immerhin verspricht ruhiger zu werden: Sie sollen einen seltenen interstellaren Sturm der Kategorie 10 beobachten. Als sie aus dem Inneren einen Notruf empfangen und zu Hilfe eilen wollen, dehnt sich der Sturm aus und erfasst die Enterprise. Beim Herauskommen ist das Schiff lahmgelegt und sie wissen nicht, wo sie sind. Während ein Außenteam auf einem nahen Planeten Iridium besorgen soll, wird die Enterprise von einem unbekannten Schiff aufgegriffen.

Vielversprechender Auftakt

Yeah, wir wissen alle, niemand war so recht glücklich mit der dritten Staffel von „Star Trek: Strange new Worlds“. Und ich gebe zu, ich war dadurch auch eher zurückhaltend, was den Start der neuen Staffel angeht. Doch wenn „Valles Marineris“ ein Indikator dafür ist, was uns erwartet, dann besteht vielleicht doch Hoffnung, dass auch die Reviews wieder mehr Spaß machen. Die Auftaktfolge ist jedenfalls ein Abenteuer im klassischen Sinne und bedient sich eines interessanten Prädestinationsparadoxons, um einmal mehr moralische Fragen zu diskutieren. Außerdem: Dinosaurier!

Una: „Chris, our future notwithstanding, we can’t just sit here and let that entire planet be destroyed.“
Pike: „In our future … there is no fifth planet.“

Nichtstun ist manchmal die schwerste Aufgabe

Ich sage es immer wieder, Zeitreisen sind ein beliebter Tropus in der Science-Fiction, aber auch einer der schwierigsten. Insbesondere temporale Schleifen wirken schnell plump, wenn sie nicht gut durchdacht sind. Das Prädestinationsparadoxon von „Valles Marineris“ ist ehrlicherweise nicht super komplex und läuft am Ende darauf hinaus, nichts zu tun, damit alles seinen vorherbestimmten Gang geht. Aber das ist schön erzählt und letztendlich nicht der zentrale Punkt der Geschichte, sondern vielmehr ein Hilfsmittel.

In gewisser Weise ist die Situation ein No-Win-Szenario. Wir verstehen Battle Commander Cassels Motivation, sie sieht nur diesen einen Weg, ihre Welt zu retten – auf Kosten einer anderen. Pike aber will einen Genozid um jeden Preis verhindern und sucht deshalb nach einer diplomatischen Lösung. Ihm muss eigentlich da schon klar gewesen sein, dass er gar nicht eingreifen darf. Und genau das macht die Schwere der Story aus, nicht die Tatsache, dass sich am Ende auch so alles fügt.

Für Cassel ist die Föderation nur eine Utopie

Ein entscheidender Grund, warum die Handlung uns Zuschauer so mühelos mitnimmt, ist Commander Cassel. Es wäre leicht gewesen, sie als eindimensionale Soldatin zu charakterisieren, die nur auf ihr Ziel fokussiert ist. Stattdessen wirkt sie überlegt, fast nachdenklich, und vor allem offen für die Idee einer Allianz verschiedener Welten. Es ist praktisch unmöglich, in ihr die Feindin zu sehen und sie für das zu verurteilen, was sie am Ende tut.

Und fast nebenbei gelingt „Valles Marineris“ dabei auch das, woran „What is Starfleet?“ letzte Staffel so krachend gescheitert ist. Als sie Cassel von der Föderation erzählen, ist ihr erster Gedanke, dass die Allianz dazu dient, Waffentechnologie auszutauschen und Stärke zu demonstrieren. Doch Pike, Chapel und M’Benga erklären, dass es um weit mehr geht, um Zusammenarbeit, kulturelle Bereicherung und gemeinsame Werte.

Ortegas: „So, we only exist because of what we did?“
Scotty: „I think we might exist because of what we didn’t do.“

Kurzbesuch im Jurassic Park

Der Spaß-Teil der Folge ist natürlich die Außenmission auf der prähistorischen Erde. Una, La’an und Ortegas sollen Iridium bergen, das sie brauchen, um die Enterprise wieder flott zu machen, doch leider ist ihnen dabei der eine oder andere Dinosaurier im Weg. Ich gebe zu, daraus hätte man meiner Meinung nach mehr machen können, so war es eigentlich nicht viel mehr als ein Gimmick. Ein schön anzusehendes Gimmick zwar, aber … nun ja.

Hey! Dinosaur! You there!

• Hurra für eine weitere Szene aus dem Subgenre Unangenehme-Konfrontationen-im-Transporterraum. Es ist so offensichtlich, dass Scotty gerne ganz weit weg wäre, als Spock und La’an mehr oder weniger mit dem Vorspiel beginnen. 😆
• Uhuras Kadettin A’Sha hätte man sich sparen können, irgendwie hat die Serie echt einen Groll gegen Vulkanier, oder? Abgesehen davon ist Uhura technisch gesehen ihre Vorgesetzte und A’Shas Verhalten daher ziemlich unangemessen.
• Gott, ich liebe es, wie sie ganz nebenbei noch mal die Funktionsweise des Universaltranslators erläutern! Pike sagt „alone“ und für Cassel wird es als „widower“ übersetzt.
• Ich hab so ein Gefühl, dass sie hier mit der „recessive augmented DNA“, die vielleicht, vielleicht auch nicht aktiviert wurde, La’ans Abgang vorbereiten.

3 von 5 marsianischen Bananen.

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