„Space is limitless in its beauty and in its terror.“
Kirk, La’an und Spock untersuchen ein verlassenes Raumschiff und werden bald von ihren persönlichen Geistern heimgesucht. Spoiler!
60 minutes to figure out what happened here
Auf dem Rückflug vom Future Federation Leaders Retreat machen Spock, La’an und Kirk einen ungewöhnlichen Fund: die vor neun Jahren spurlos verschwundene U.S.S. Griffin. Das Schiff scheint verlassen zu sein, doch bei der Untersuchung finden sie nichts, was die Crew zur Evakuierung veranlasst haben könnte. Als sie sich aufteilen, geschehen allerdings merkwürdige Dinge. Spock begegnet auf der Krankenstation T’Pring, Kirk glaubt seinen kleinen Sohn David schreien zu hören, und La’an erkennt sich zunehmend in Sicherheitschefin Harper wieder, die offenbar Auslöser für die Katastrophe auf der Griffin war.
Effektive Horrorstory
Für einen Reviewer ist „The Griffin Incident“ eigentlich ein Alptraum. Was soll man über eine Folge schreiben, die im Grunde alles richtig macht und ohnehin mehr auf Atmosphäre und Effekt setzt als auf eine komplexe Handlung? In der Hinsicht ist die Folge dann aber auch ein echtes Erlebnis und vor allem eine würdige Interpretation der klassischen Geisterschiff-Story. Ein ganz großes Halleluja möchte ich noch hinterherwerfen, weil das Trio Spock, Kirk und La’an wunderbar harmoniert und das Drehbuch auf jegliche Andeutung einer Dreiecksgeschichte verzichtet. Danke dafür!
La’an: „It’s like everyone took a coffee break.“
Spock: „And never returned.“
Das Vertraute wird zum Unbekannten
Nun bin ich in der besonderen Situation, dass ich in meinem Leben schon eine Menge Horrorfilme gesehen habe und als Autorin außerdem die Funktionsweise von Plots häufig schneller durchschaue. Deshalb kann ich nicht recht beurteilen, wie gut die Wendungen hier tatsächlich funktionieren, beim Auftauchen von Pike und Co. schrieb ich jedenfalls sofort in meine Notizen: „Rettungsteam nicht echt?“ Das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, denn es macht ebenso viel Freude, nach verräterischen Hinweisen zu suchen, nur vermute ich eben, das war nicht die Intention.
Hervorheben möchte ich aber auf jeden Fall das Set-Design. Ähnlich wie seinerzeit bei „Star Trek: Deep Space Nine“ in der Folge „Empok Nor“ gelingt hier das Kunststück, einen vertrauten Ort fremdartig und feindselig erscheinen zu lassen. Und das explizit nicht durch Zerstörung, denn die Griffin ist weitgehend unversehrt, sondern allein durch das Spiel mit Licht und Schatten, toten Winkeln und flackernden Anzeigen. Die eine oder andere durch den Hintergrund huschende Gestalt hilft natürlich auch.
Spock: „There are faint traces of negatively charged ions.“
Kirk: „You mean a ghost?“
Spock: „I mean negatively charged ions.“
Ungewöhnlich düster für „Star Trek“
„The Griffin Incident“ bedient sich dazu einer recht eigenwilligen Mischung aus Body-Horror und psychologischem Horror. Wobei letzteres sicher interessanter ist, da es uns tatsächlich etwas über unsere Protagonisten verrät. Mir persönlich hat Spocks Handlung am meisten Spaß gemacht, hauptsächlich, weil ich mich gefreut habe, T’Pring endlich mal wiederzusehen. Und was für eine geniale Umkehrung, als sie erklärt, seine menschliche Seite sei eigentlich seine Stärke, und er solle lieber die vulkanische loswerden. (Hier beginnt dann der Body-Horror.)
Derweil potenziert sich Kirks Angst, David kein guter Vater zu sein, ins Unendliche. Ich fürchte, der Plot lief bei mir ein wenig ins Leere, weil ich Kirk ohnehin nicht mit der Vaterrolle in Verbindung bringe und sein Sohn hier auch zum ersten Mal erwähnt wird. (Ja, wir wussten von Carol und der Schwangerschaft, aber nach „Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow“ wurde das ja nie wieder erwähnt.)
La’ans zunehmende Paranoia spielt natürlich in das hinein, was schon letzte Woche angedeutet wurde. Es ist zumindest auffällig, dass Spock und Kirk in diesem Szenario Opfer sind, während La’an zur Täterin wird. Sie scheint empfänglicher dafür zu sein, ihre dunkle Seite nach außen zu kehren, was dazu passt, dass sie glaubt, ihre DNS mache sie zum Monster. Ich bin gespannt, wie sie das weiterentwickeln.
The Notes Incident
• Bin ich die Einzige, die bei Horrorfilmen immer den Fernseher anschreit, wenn sich die Gruppe aufteilt?
• Was denken wir, findet alles nur in ihren Köpfen statt oder manifestiert sich der Horror auch physisch? Oder anders gefragt: Wurde das Shuttle wirklich zerstört oder war das nur Einbildung?
• Du weißt, du hast in deinem Leben schon zu viele Horrorfilme geschaut, wenn du zu lachen anfängst, weil sich Captain Pike die Finger mit dem Küchenmesser abhackt. (Und ich dachte, er sei ein Profi, die Stücke sind nicht mal gleich groß!)
• Großes Lob, dass sie keine Verrenkungen unternehmen, die Vorkommnisse auf der Griffin zu erklären. Damit darf sich Division 12 herumschlagen, die offenbar so was wie die X-Akten der Sternenflotte sind. Spin-off please?
• Wie seht ihr das, dass Pike schon wieder eine wichtige Information über ein Crewmitglied geheim hält? Ja, La’an ist nicht wirklich schuld daran, dass sie Kirk niedersticht, aber dann könnte man es doch auch in den Bericht schreiben, oder?
4 von 5 kleingehackten Bananen. (Oder sind sie nur eine Halluzination?)