„Do not fuck the people you work with.“
(„Not suitable for Work“)
Manchmal findet man Serienperlen wirklich ganz unerwartet, und so ist mein Gewinner des Monats auf jeden Fall „Familiengeheimnisse“. Danach gab es noch ein paar launige Fortsetzungen und eine Comedy, für die ich nicht die passende Zielgruppe bin. Spoiler!
Familiengeheimnisse (Staffel 1)
In der Colla Castellera, einem katalanischen Verein, in dem Menschenpyramiden gebaut werden, macht nach der Johannisnacht ein Gerücht die Runde: Angeblich sollen ein paar Jungs ein Mädchen sexuell missbraucht haben. Die Vereinsleitung versucht, die Sache klein zu halten, die Jungs streiten ab, dass überhaupt etwas passiert ist, und Manu, das betroffene Mädchen, erinnert sich an kaum etwas aus der Nacht. Doch nach und nach wird ihr klar, dass Dinge mit ihr gemacht wurden, denen sie nicht zugestimmt hat.
In allen Artikeln, die ich bislang über „Familiengeheimnisse“ gelesen habe, wird dieses in der Arte-Mediathek versteckte Kleinod mit „Adolescence“ verglichen. Ein Vergleich, der sich im Grunde nur darauf bezieht, dass es in beiden Serien um pubertierende Kinder geht. Doch „Familiengeheimnisse“ zeichnet ein runderes Gesamtbild, nicht nur von sich verändernden Freundschaften in der Pubertät, sondern auch von Familiendynamiken und Loyalität im Vereinsleben. PS: Für die letzte Folge unbedingt Taschentücher bereithalten.
5 von 5 aufgetürmten Bananen.
Only Murders in the Building (Staffel 5)
Der Tod des Portiers Lester wird von der Polizei als Unfall abgehakt, doch Mabel und Charles sind skeptisch. Zumal Charles kurz vorher noch von Sofia Caccimelio angesprochen wurde, die die drei Podcaster engagieren wollte, nach ihrem verschwundenen Mann zu suchen: dem Mafiaboss Bobby Cannavale. Als Oliver dann auch noch einen abgeschnittenen Finger zwischen den Shrimps findet, sind sie überzeugt, dass Lester ermordet wurde. Ihre Ermittlungen führen sie zu einem geheimen Casino im Arconia, wo sich in den 1950ern die Mafia traf, um Geschäfte zu machen.
Uuund ich hab auch bei dieser Staffel wieder eingeschaltet. Was soll ich noch sagen, was ich nicht schon tausendfach beklagt habe? Dieses Mal konnten mich nicht mal mehr die Charaktere so wirklich bei der Stange halten, weil ich das Gefühl hatte, dass keine Entwicklung mehr stattfindet und wir auch nichts Neues über sie erfahren. Vom Fall will ich gar nicht erst anfangen; seit der ersten Staffel habe ich keinen davon mehr verstanden, weil sie inzwischen so künstlich verschachtelt sind, dass es keinen Spaß mehr macht. Aber die Serie geht munter weiter, also … dranbleiben?
2 von 5 Bananen und ein herrenloser Finger.
„Mein Doktor sagt, ich habe den Ruhepuls einer Milchkuh.“
(„Only Murders in the Building“)
The Bear: King of the Kitchen (Staffel 5)
Ein Jahrhundert-Unwetter in Chicago sorgt für einen Wasserrohrbruch im „Bear“, und eigentlich weiß keiner, wie es jetzt weitergeht. Uncle Jimmy möchte das Restaurant am liebsten verkaufen, doch niemand will so eine Bruchbude haben – erst recht nicht mit maroden Rohren. Sydney tut sich schwer, in ihre neue Rolle zu finden, zumal Carmy seine Kündigung noch nicht öffentlich gemacht hat. Da reichlich Reservierungen vorliegen, wollen sie das Restaurant trotz Rohrbruch und wenigen Vorräten öffnen.
Es ist seltsam, dass sich die finale Staffel von „The Bear“ nicht wie ein Abschied anfühlt. Und das ist keine Kritik, vielen Serien gelingt genau dieser Spagat zwischen Abschluss und offenem Ausblick nicht. Bevor es aber so weit ist, dürfen wir noch einmal Chaos pur erleben, wenn sie einen Abend mit zu wenigen Tischen und noch weniger Essen bewältigen müssen. Hier schließt sich der Kreis, denn was das Team in der ersten Staffel noch in die Knie gezwungen hätte, lässt es nun kreativ werden. Doch, tolle Staffel und gutes Ende.
4 ½ von 5 Bananensplits.
Not suitable for Work (Staffel 1)
AJ kommt für ihren ersten Job als Analystin nach New York und zieht bei ihrer besten Freundin Abby ein. Die versucht gerade, sich einen Namen als Stylistin für Prominente zu machen, steht aber unter der strengen Fuchtel ihrer Chefin. AJs Kollege Davis wohnt zufällig gegenüber in einer Männer-WG und ist überzeugt, in ihr die Frau fürs Leben gefunden zu haben. Mitbewohner Josh kriegt den Job beim Fernsehen nur wegen seinem reichen Vater, und Kel schmeißt sein Medizinstudium hin, um Schauspieler zu werden.
Können wir uns darauf verständigen, dass „Not suitable for Work“ im Kern dieselbe Struktur aufweist wie „New Girl“? Drei junge Männer und zwei Frauen (Cece mitgezählt), die Job und Liebesleben unter einen Hut zu bringen versuchen – check. Ehrlicherweise steht mir als Millennial „New Girl“ näher, aber „Not suitable for Work“ ist durchaus unterhaltsam, wenn auch (für mich) in Teilen befremdlich. Viele Situationen, in die sich die Protagonisten hineinmanövrieren, sind eher dumm als lustig, aber das ist wohl moderne Comedy.
2 ½ von 5 Bananen, die mit ihrem Boss schlafen.